Arthrose Ernährung

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Geprüfte Information

Warum die Ernährung bei Arthrose eine wichtige Rolle spielt

Arthrose betrifft in Deutschland schätzungsweise fünf Millionen Menschen – und die Zahl steigt stetig. Viele Betroffene fragen sich, ob und wie sie durch ihre Ernährung aktiv Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung nehmen können. Die gute Nachricht: Wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre legen nahe, dass die Ernährung tatsächlich eine messbare Rolle beim Entzündungsgeschehen im Körper und damit auch bei den typischen Beschwerden der Arthrose spielen kann.

Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel im Gelenk schrittweise abgebaut wird. Dieser Prozess ist nicht vollständig umkehrbar, doch es gibt Faktoren, die das Fortschreiten verlangsamen oder beschleunigen können. Neben Bewegung, physiotherapeutischen Maßnahmen und gegebenenfalls medikamentöser Therapie rückt die Ernährung zunehmend in den Fokus der orthopädischen und rheumatologischen Forschung. Bestimmte Nährstoffe fördern entzündliche Prozesse im Körper, während andere nachweislich entzündungshemmend wirken.

Ein häufiges Szenario ist folgendes: Patienten berichten, dass ihre Gelenkschmerzen nach bestimmten Mahlzeiten oder in Phasen unausgewogener Ernährung deutlich zunehmen. Ob dies tatsächlich kausal zusammenhängt oder auf anderen Faktoren beruht, lässt sich individuell schwer beurteilen. Klar ist jedoch, dass Übergewicht – eng verknüpft mit einer kalorienreichen, nährstoffarmen Ernährung – nachweislich die Gelenkbelastung erhöht und damit Arthrose begünstigt und beschleunigt.

Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen umfassenden Überblick darüber, welche Lebensmittel bei Arthrose empfehlenswert sind, welche Sie möglichst meiden sollten und was die aktuelle Forschung dazu sagt. Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung, können aber dazu beitragen, Ihren Alltag informiert und selbstbestimmt zu gestalten. Wenn Sie unsicher sind oder unter starken Beschwerden leiden, suchen Sie bitte einen Arzt auf.

Grundlagen: Was hat Ernährung mit Gelenken zu tun?

Der Zusammenhang zwischen Entzündung und Arthrose

Arthrose wird oft als „rein mechanische" Abnutzungserscheinung betrachtet. Dieses Bild ist jedoch vereinfacht. Moderne Forschung zeigt, dass bei Arthrose auch entzündliche Prozesse eine wesentliche Rolle spielen. Im geschädigten Gelenk setzen Zellen sogenannte proinflammatorische Zytokine frei – das sind Botenstoffe, die Entzündungsreaktionen auslösen und verstärken. Zu diesen Botenstoffen gehören unter anderem Interleukin-1 (IL-1) und Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α). Diese Substanzen fördern den weiteren Knorpelabbau und verursachen Schmerzen.

Bestimmte Nahrungsmittel und Ernährungsmuster können die Produktion dieser Entzündungsbotenstoffe im Körper beeinflussen. Eine Ernährung, die reich an gesättigten Fettsäuren, Transfettsäuren und raffiniertem Zucker ist, wird mit einer erhöhten systemischen Entzündungsbereitschaft in Verbindung gebracht. Umgekehrt wirken bestimmte Inhaltsstoffe – wie Omega-3-Fettsäuren, Polyphenole und Antioxidantien – nachweislich entzündungshemmend.

Übergewicht als zentraler Risikofaktor

Ein weiterer, gut belegter Zusammenhang besteht zwischen Körpergewicht und Arthrose-Risiko. Jedes überflüssige Kilogramm Körpergewicht erzeugt beim Gehen eine zusätzliche Belastung auf die Kniegelenke von etwa dem Drei- bis Sechsfachen – abhängig von der Bewegungsart. Bei bereits bestehender Kniegelenksarthrose kann Übergewicht die Beschwerden erheblich verstärken und das Fortschreiten der Erkrankung beschleunigen.

Doch nicht nur die mechanische Belastung ist entscheidend. Fettgewebe – insbesondere viszerales Bauchfett – ist metabolisch aktiv und produziert selbst entzündliche Botenstoffe, sogenannte Adipokine. Diese können systemische Entzündungsreaktionen auslösen und damit auch Gelenke beeinflussen, die nicht unmittelbar durch das Körpergewicht belastet werden, wie zum Beispiel die Fingergelenke. Eine Gewichtsreduktion um bereits fünf Prozent des Körpergewichts kann bei übergewichtigen Arthrosepatienten zu einer messbaren Beschwerdelinderung führen.

Knorpel braucht Nährstoffe – aber keine „Wundermittel"

Der Gelenkknorpel ist ein bradytrophes Gewebe, das heißt, er verfügt über keine eigene Blutversorgung. Seine Nährstoffversorgung erfolgt über die Gelenkflüssigkeit (Synovia), die durch Bewegung in den Knorpel ein- und ausgepresst wird. Bestimmte Nährstoffe sind für die Struktur und Regenerationsfähigkeit des Knorpels wichtig, darunter Vitamin C (für die Kollagensynthese), Vitamin D, Magnesium, Zink und Mangan.

Immer wieder werden bestimmte Nahrungsergänzungsmittel oder „Superfoods" als Wundermittel gegen Arthrose vermarktet. Die Studienlage hierzu ist häufig uneinheitlich oder methodisch eingeschränkt. Einzelne Substanzen wie Glucosamin und Chondroitinsulfat werden seit Jahren diskutiert; aktuelle Metaanalysen zeigen allenfalls moderate und nicht bei allen Patienten reproduzierbare Effekte. Es ist daher wichtig, überzogene Erwartungen zu vermeiden und Nahrungsergänzungsmittel immer in Absprache mit einem Arzt einzunehmen.

Die Basis bleibt eine ausgewogene, vielfältige Ernährung, die den gesamten Organismus mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt. Dies ist nachhaltig wirksamer als das Setzen auf einzelne „Wundermittel". Mehr grundlegende Informationen zu Arthrose finden Sie in unserem Arthrose-Ratgeber.

Empfehlenswerte Lebensmittel bei Arthrose

Mediterrane Ernährung als bewährtes Muster

Als eines der am besten erforschten Ernährungsmuster gilt die mediterrane Ernährung. Sie ist reich an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, fettem Fisch, Olivenöl und Nüssen, und enthält gleichzeitig wenig rotes Fleisch und verarbeitete Lebensmittel. Mehrere Studien zeigen, dass Menschen, die sich mediterranisch ernähren, niedrigere Entzündungsmarker im Blut aufweisen und seltener unter schwerer Arthrose leiden. Die mediterrane Ernährung liefert eine Vielzahl bioaktiver Substanzen, die synergistisch – also in ihrem Zusammenspiel – wirken.

Viele Betroffene erleben, dass eine Umstellung hin zur mediterranen Ernährung nicht nur das Wohlbefinden allgemein verbessert, sondern auch subjektiv weniger Gelenkschmerzen mit sich bringt. Dies kann teilweise auf die Gewichtsreduktion zurückzuführen sein, die eine kalorienärmere, pflanzenbetonte Ernährung häufig begünstigt, aber auch auf die direkte entzündungshemmende Wirkung bestimmter Inhaltsstoffe.

Die wichtigsten empfehlenswerten Lebensmittelgruppen im Überblick

  • Fetter Seefisch: Lachs, Makrele, Hering und Sardinen enthalten reichlich Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA), die nachweislich entzündungshemmend wirken. Empfohlen werden zwei Portionen pro Woche à ca. 150 g.
  • Olivenöl (nativ extra): Enthält Oleocanthal, eine Substanz mit ähnlicher Wirkungsweise wie Ibuprofen – wenn auch in deutlich geringerer Konzentration. Zudem reich an einfach ungesättigten Fettsäuren.
  • Beerenobst: Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren und Brombeeren sind reich an Polyphenolen und Anthocyanen, die antioxidativ und entzündungshemmend wirken.
  • Kreuzblütlergemüse: Brokkoli, Rosenkohl und Grünkohl enthalten Sulforaphan, das in Laborstudien den Knorpelabbau hemmen konnte. Die Übertragbarkeit auf den Menschen wird noch erforscht.
  • Knoblauch und Zwiebeln: Enthalten Allicin und Quercetin mit antientzündlichen Eigenschaften.
  • Ingwer: Enthält Gingerole und Shogaole, denen in Studien entzündungshemmende Eigenschaften nachgewiesen wurden. Kann als Tee, frisch gerieben oder als Gewürz verwendet werden.
  • Kurkuma: Der Wirkstoff Curcumin ist intensiv erforscht; Studien zeigen entzündungshemmende Wirkung, die Bioverfügbarkeit ist jedoch gering. Kombiniert mit schwarzem Pfeffer (Piperin) wird die Aufnahme verbessert.
  • Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen und Bohnen liefern pflanzliches Eiweiß, Ballaststoffe und Antioxidantien. Sie sättigen gut und helfen bei der Gewichtskontrolle.
  • Nüsse und Samen: Walnüsse, Leinsamen und Chiasamen sind pflanzliche Quellen von Omega-3-Fettsäuren (ALA) und Vitamin E.
  • Vollkornprodukte: Im Vergleich zu Weißmehlprodukten haben sie einen niedrigeren glykämischen Index, was Blutzuckerschwankungen und damit verbundene Entzündungsreaktionen reduziert.
  • Grüner Tee: Enthält Epigallocatechingallat (EGCG), das in Studien knorpelschützende Eigenschaften gezeigt hat.
  • Milchprodukte (fettarm): Liefern Kalzium und Vitamin D, die für Knochen und Gelenke wichtig sind. Fettarme Varianten werden bevorzugt empfohlen.

Wasser und Flüssigkeitszufuhr nicht unterschätzen

Ausreichend Flüssigkeit zu trinken ist für Arthrosepatienten besonders wichtig. Die Gelenkflüssigkeit (Synovia) besteht zu einem großen Teil aus Wasser und versorgt den Knorpel mit Nährstoffen. Eine tägliche Trinkmenge von mindestens 1,5 bis 2 Litern – idealerweise Wasser oder ungesüßter Kräutertee – wird empfohlen. Viele ältere Menschen haben ein abgeschwächtes Durstgefühl und unterschätzen daher, wie wenig sie trinken.

„Eine ausgewogene, pflanzenreiche Ernährung mit regelmäßigem Fischkonsum kann dazu beitragen, Entzündungsprozesse im Körper zu modulieren. Sie ist kein Ersatz für eine ärztliche Therapie, aber eine sinnvolle Ergänzung im Gesamtkonzept der Arthrose-Behandlung."

Lebensmittel, die bei Arthrose möglichst gemieden werden sollten

Entzündungsfördernde Ernährung als Problem

So wie bestimmte Lebensmittel entzündungshemmend wirken können, gibt es umgekehrt eine Reihe von Nahrungsmitteln, die entzündliche Prozesse im Körper fördern oder verstärken. Eine sogenannte proinflammatorische Ernährung – reich an Zucker, Transfetten und verarbeiteten Lebensmitteln – wird in epidemiologischen Studien mit höheren Entzündungsmarkern (z. B. CRP, IL-6) und schlechteren Verläufen bei degenerativen Gelenkerkrankungen assoziiert. Das bedeutet nicht, dass das gelegentliche Essen eines Stücks Kuchen sofort die Arthrose verschlimmert – es geht um langfristige Ernährungsmuster.

Viele Betroffene berichten, dass sie nach dem Konsum bestimmter Lebensmittel – besonders zuckerhaltiger Speisen und Softdrinks – eine Zunahme von Gelenksteifigkeit und Schmerzen bemerken. Ob ein direkter kausaler Zusammenhang besteht, ist individuell unterschiedlich und wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Dennoch ist es sinnvoll, potenzielle Auslöser zu identifizieren und gegebenenfalls zu reduzieren.

Diese Lebensmittel sollten reduziert oder gemieden werden

  • Zucker und zuckerhaltige Getränke: Raffinierter Zucker, Haushaltszucker, Fruktosesirup und zuckerhaltige Softdrinks fördern die Ausschüttung entzündlicher Zytokine. Zudem begünstigen sie Übergewicht.
  • Weißmehlprodukte: Weißbrot, Toastbrot, Brötchen aus Auszugsmehl und Süßgebäck haben einen hohen glykämischen Index und können Blutzuckerspitzen auslösen, die mit Entzündungsprozessen verbunden sind.
  • Transfettsäuren: Kommen in industriell gehärteten Fetten vor, die in Fertiggebäck, Blätterteig, Fast Food und manchen Margarinevarianten enthalten sind. Transfettsäuren erhöhen nachweislich das Entzündungsniveau im Körper.
  • Rotes Fleisch in großen Mengen: Schweine- und Rindfleisch enthalten Arachidonsäure, eine Omega-6-Fettsäure, die als Ausgangsstoff für entzündliche Eicosanoide dient. Der gelegentliche Verzehr ist unbedenklich; täglich und in großen Mengen sollte es jedoch nicht konsumiert werden.
  • Verarbeitete Wurstwaren: Salami, Mortadella und andere Verarbeitungsprodukte sind reich an gesättigten Fettsäuren, Salz und Zusatzstoffen und können Entzündungen begünstigen.
  • Alkohol: Regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum erhöht systemische Entzündungsmarker und belastet Leber und Stoffwechsel. Zudem kann Alkohol mit manchen Schmerzmedikamenten interagieren.
  • Stark gesalzene Lebensmittel: Eine hohe Natriumzufuhr wird mit Entzündungsreaktionen assoziiert und begünstigt zudem Bluthochdruck und Wassereinlagerungen.
  • Pflanzliche Öle mit hohem Omega-6-Anteil: Sonnenblumenöl, Maiskeimöl und Distelöl sind reich an Linolsäure (Omega-6), die in großen Mengen entzündungsfördernd wirkt. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 sollte idealerweise nicht höher als 5:1 sein; in der westlichen Ernährung liegt es oft bei 15:1 oder höher.
  • Fertiggerichte und Fast Food: Häufig eine Kombination aus Zucker, Transfetten, hohem Salzgehalt und künstlichen Zusatzstoffen – all das kann das Entzündungsgeschehen im Körper befeuern.

Nachtschattengewächse – was steckt hinter dem Mythos?

Immer wieder kursiert die Behauptung, dass Nachtschattengewächse wie Tomaten, Paprika, Auberginen und Kartoffeln Arthrosebeschwerden verschlimmern würden. Dies wird auf enthaltene Solanine und Alkaloide zurückgeführt. Die wissenschaftliche Evidenz für diese Annahme ist jedoch sehr dünn; große bevölkerungsbezogene Studien stützen diese These nicht. Tomaten und Paprika sind hingegen reich an wertvollen Antioxidantien wie Lycopin und Vitamin C. Ein pauschales Meiden dieser Lebensmittel ist aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht gerechtfertigt. Wer jedoch individuell bemerkt, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden verstärken, kann dies durch ein Ernährungstagebuch überprüfen.

Praktische Ernährungstipps für den Alltag mit Arthrose

Schritt für Schritt zur entzündungshemmenden Ernährung

Eine grundlegende Ernährungsumstellung gelingt am besten schrittweise. Wer versucht, von einem Tag auf den anderen alle Gewohnheiten zu ändern, wird meist frustriert aufgeben. Sinnvoller ist es, zunächst eine oder zwei Änderungen einzuführen, diese zu festigen und dann weitere Anpassungen vorzunehmen. Zum Beispiel könnte man damit beginnen, zweimal pro Woche fetten Seefisch zu essen und Zucker in Getränken zu reduzieren.

Es empfiehlt sich, ein Ernährungstagebuch zu führen, in dem nicht nur aufgezeichnet wird, was und wann man isst, sondern auch, wie sich die Gelenkbeschwerden an bestimmten Tagen entwickeln. Manche Patienten entdecken auf diese Weise individuelle Zusammenhänge, die ihnen helfen, gezieltere Anpassungen vorzunehmen. Dieses Tagebuch kann auch beim Arztgespräch wertvoll sein.

Konkrete Alltagstipps für Arthrosepatienten

  • Kochen Sie möglichst frisch: Fertiggerichte sind schwer kalkulierbar in Bezug auf Zucker, Fett und Zusatzstoffe. Frisch zubereitete Mahlzeiten geben Ihnen die Kontrolle über die Inhaltsstoffe.
  • Ersetzen Sie Sonnenblumenöl durch Olivenöl oder Rapsöl: Rapsöl hat von allen heimischen Pflanzenölen das günstigste Omega-6/Omega-3-Verhältnis.
  • Essen Sie täglich eine Handvoll Nüsse: Walnüsse sind besonders empfehlenswert, da sie eine gute Quelle für pflanzliche Omega-3-Fettsäuren sind.
  • Integrieren Sie täglich Gewürze wie Kurkuma, Ingwer und Knoblauch: Diese lassen sich einfach in Suppen, Eintöpfe oder Dressings integrieren.
  • Wählen Sie Vollkornbrot statt Weißbrot: Vollkornprodukte halten länger satt und haben einen günstigeren Effekt auf den Blutzucker.
  • Reduzieren Sie Süßgetränke: Ersetzen Sie Cola, Limonaden und Fruchtsäfte durch Wasser, Kräutertee oder selbst gemachte Infused Water.
  • Planen Sie Mahlzeiten voraus: Viele ungesunde Entscheidungen entstehen aus Hunger und Zeitmangel. Meal-Prep am Wochenende kann helfen.
  • Achten Sie auf Portionsgrößen: Auch bei gesunden Lebensmitteln gilt: zu viele Kalorien führen zu Gewichtszunahme, die die Gelenke belastet.
  • Essen Sie in Ruhe und bewusst: Langsames Essen fördert die Sättigung und verhindert übermäßigen Konsum.
  • Suchen Sie Unterstützung: Eine Beratung durch einen Ernährungsmediziner oder Diätassistenten kann helfen, einen individuell angepassten Ernährungsplan zu entwickeln.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Ernährungsumstellungen können das allgemeine Wohlbefinden verbessern und möglicherweise zur Linderung von Arthrosebeschwerden beitragen, sie sind jedoch kein Ersatz für eine medizinische Diagnose und Therapie. Suchen Sie einen Arzt auf, wenn:

  • Ihre Gelenkschmerzen plötzlich stärker werden oder sich die Art der Schmerzen verändert.
  • Gelenke anschwellen, sich warm anfühlen oder gerötet sind – das können Zeichen einer akuten Entzündung oder einer anderen Erkrankung wie Rheuma sein.
  • Sie trotz Ernährungsumstellung keine Besserung bemerken und die Beschwerden den Alltag stark einschränken.
  • Sie über Nahrungsergänzungsmittel nachdenken – diese können mit Medikamenten wechselwirken.
  • Sie ungewollt viel Gewicht verlieren oder zunehmen.

Informationen zu den typischen Arthrose-Symptomen helfen Ihnen dabei, Veränderungen besser einzuordnen und rechtzeitig ärztliche Hilfe zu suchen. Mehr zum Thema Ernährung bei Gelenkerkrankungen finden Sie in unserem Ernährungsbereich.

Was sagt die aktuelle Forschung zur Ernährung bei Arthrose?

Omega-3-Fettsäuren und Gelenkgesundheit

Die am besten belegte Verbindung zwischen einem Nahrungsbestandteil und Arthrose besteht bei den Omega-3-Fettsäuren. Zahlreiche randomisierte kontrollierte Studien und Metaanalysen haben gezeigt, dass die regelmäßige Zufuhr von Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) – vor allem aus fettem Seefisch oder Fischölpräparaten – zu einer Reduktion entzündlicher Marker im Blut führt. Eine im Journal Arthritis & Rheumatology veröffentlichte Studie zeigte, dass Patienten mit Kniearthrose, die über mehrere Monate Omega-3-Supplemente einnahmen, geringere Schmerzen und eine verbesserte Funktion berichteten, verglichen mit der Kontrollgruppe. Gleichwohl sind die Effektgrößen moderat und nicht bei allen Studienteilnehmern gleichermaßen reproduzierbar.

Curcumin – vielversprechend, aber mit Einschränkungen

Curcumin, der Hauptwirkstoff der Kurkumapflanze, ist Gegenstand intensiver Forschung. Mehrere klinische Studien – darunter eine Untersuchung aus dem Jahr 2021, veröffentlicht in Journal of Medicinal Food – deuten darauf hin, dass hochdosierte, bioverfügbarkeitsoptimierte Curcumin-Präparate bei Arthrosepatienten ähnliche Effekte auf Schmerz und Funktion haben können wie niedrig dosiertes Ibuprofen, mit einem günstigeren Nebenwirkungsprofil bezüglich des Magens. Die Herausforderung liegt in der geringen Bioverfügbarkeit von Curcumin in seiner natürlichen Form: Nur ein Bruchteil des mit der Nahrung aufgenommenen Curcumins gelangt in die Blutbahn. Als Gewürz in der Küche hat Kurkuma dennoch Potenzial als sinnvoller Teil einer antientzündlichen Ernährung – Wunderheilungen sollte man jedoch nicht erwarten.

Mediterrane Ernährung und Arthrose – was die Epidemiologie zeigt

Epidemiologische Untersuchungen, die große Bevölkerungsgruppen über lange Zeiträume beobachten, liefern zunehmend Hinweise darauf, dass eine mediterrane Ernährungsweise mit einem niedrigeren Arthrose-Risiko assoziiert ist. Eine Auswertung der Osteoarthritis Initiative – einer großen US-amerikanischen Kohortenstudie mit über 4.700 Teilnehmern – ergab, dass Personen mit höherer Adhärenz zur mediterranen Ernährung langsamere Knorpelverluste und weniger Schmerzen aufwiesen. Diese Daten sind jedoch korrelativ; sie belegen keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang, da auch andere Lebensstilfaktoren (mehr Bewegung, weniger Stress, günstiger BMI) eine Rolle spielen.

Vitamin D und Arthrose – ein unterschätzter Faktor?

Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland weit verbreitet: Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 60 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend versorgt sind, besonders in den Wintermonaten. Vitamin D spielt eine wichtige Rolle in der Knochengesundheit und moduliert Immunprozesse. Einige Studien legen nahe, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für Arthroseprogression erhöhen könnte, andere Untersuchungen zeigen hingegen keinen eindeutigen Zusammenhang. Die Substitution von Vitamin D bei nachgewiesenem Mangel gilt als medizinisch sinnvoll und sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, der zunächst den Blutspiegel bestimmt.

Was die Forschung noch nicht abschließend klären konnte

Trotz vieler interessanter Befunde muss festgehalten werden, dass die Ernährungsforschung bei Arthrose methodisch anspruchsvoll ist. Doppelblinde, placebokontrollierte Studien zur Ernährung sind schwer durchführbar, da Probanden im Alltag nicht vollständig kontrolliert werden können und das Verblinden von Lebensmitteln kaum möglich ist. Viele Studien sind zudem kurzfristig angelegt und haben kleine Stichproben. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und andere Fachgesellschaften empfehlen daher, Ernährungsempfehlungen bei Arthrose als ergänzende Maßnahme zu betrachten – nicht als Haupttherapie. Mehr zum Thema finden Sie auch in unserem Artikel zu Arthrose allgemein.

Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Arthrose-Ernährung auf einen Blick

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

Ernährung kann den Verlauf einer Arthrose nicht umkehren, aber sie ist ein relevanter Faktor, der Entzündungsprozesse, das Körpergewicht und damit die Gelenkbelastung beeinflusst. Eine bewusste, antientzündliche Ernährung ist eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Therapiemaßnahmen wie Physiotherapie, Bewegung und medikamentöser Behandlung. Sie kann dazu beitragen, Beschwerden zu lindern, das Fortschreiten zu verlangsamen und die allgemeine Lebensqualität zu verbessern.

KategorieEmpfehlenswertEher meiden
FetteOlivenöl, Rapsöl, Omega-3-reiche FetteTransfettsäuren, Sonnenblumenöl in großen Mengen
ProteineFisch, Hülsenfrüchte, mageres GeflügelRotes Fleisch täglich, verarbeitete Wurstwaren
KohlenhydrateVollkornprodukte, Hülsenfrüchte, GemüseWeißmehlprodukte, Zucker, Softdrinks
GewürzeKurkuma, Ingwer, Knoblauch, ZwiebelnSehr viel Salz
GetränkeWasser, Kräutertee, grüner TeeAlkohol, zuckerhaltige Getränke

Schritt-für-Schritt-Empfehlungen zum Einstieg

Wenn Sie mit einer Ernährungsumstellung beginnen möchten, empfiehlt sich folgendes Vorgehen: Starten Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen Ernährungsgewohnheiten. Führen Sie eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und notieren Sie auch Ihre Gelenkbeschwerden. Wählen Sie dann zwei oder drei konkrete Änderungen aus – beispielsweise mehr Fisch, weniger Zucker und täglich eine Portion Beeren – und halten Sie diese für mindestens vier Wochen konsequent durch, bevor Sie weitere Anpassungen vornehmen.

Eine professionelle Ernährungsberatung kann dabei helfen, einen individuell angepassten Plan zu entwickeln. In Deutschland werden Ernährungsberatungen unter bestimmten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst – fragen Sie bei Ihrer Kasse nach. Sprechen Sie außerdem mit Ihrem Arzt oder Orthopäden über Ihre Ernährungspläne, insbesondere wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel erwägen.

Arthrose-Ernährung als Teil eines ganzheitlichen Konzepts

Ernährung ist immer im Kontext des gesamten Lebensstils zu sehen. Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung – wie Schwimmen, Radfahren oder Wassergymnastik – ist ebenso wichtig wie Stressmanagement und ausreichend Schlaf. Chronischer Stress erhöht nämlich ebenfalls Entzündungsmarker im Körper und kann Arthrosebeschwerden indirekt verstärken. Ein ganzheitlicher Ansatz, der Ernährung, Bewegung, Stressreduktion und bei Bedarf medizinische Therapie kombiniert, verspricht die besten Ergebnisse.

Wenn Sie weitere Informationen zu verwandten Erkrankungen suchen, empfehlen wir unsere Ratgeber zu Rheuma und zu allgemeiner Ernährung bei Gelenkerkrankungen. Bei anhaltenden oder sich verändernden Beschwerden zögern Sie nicht, ärztlichen Rat zu suchen – denn eine früh einsetzende, gut abgestimmte Therapie kann den langfristigen Verlauf von Arthrose wesentlich beeinflussen.

„Die Ernährung bei Arthrose ist kein Allheilmittel, aber ein oft unterschätztes Werkzeug. Wer sich antientzündlich ernährt, tut nicht nur seinen Gelenken, sondern seinem gesamten Organismus etwas Gutes."

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:

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