Arthrose Symptome
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Einleitung: Wenn Gelenke schmerzen – ein weit verbreitetes Problem
Stellen Sie sich vor, Sie stehen morgens auf und spüren sofort einen steifen, dumpfen Schmerz in den Knien oder Hüften. Das Treppensteigen fällt schwerer als noch vor einem Jahr, und beim langen Gehen meldet sich ein unangenehmes Ziehen. Millionen von Menschen in Deutschland kennen dieses Szenario aus dem Alltag – und bei vielen steckt eine Arthrose dahinter. Diese degenerative Gelenkerkrankung ist in der Altersgruppe der über 60-Jährigen die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt und betrifft laut Robert Koch-Institut schätzungsweise jeden fünften Erwachsenen in Deutschland in klinisch relevantem Ausmaß.
Das Tückische an der Arthrose ist, dass ihre Symptome oft schleichend beginnen und über viele Jahre hinweg zunehmen. Viele Betroffene schieben die ersten Anzeichen auf Überanstrengung, Wettereinflüsse oder normales Altern – und verlieren dadurch wertvolle Zeit für frühzeitige Maßnahmen. Dabei gilt: Je früher Arthrose-Symptome erkannt und ernst genommen werden, desto besser lässt sich der Krankheitsverlauf beeinflussen. Das Ziel dieses Ratgebers ist es, Ihnen umfassendes Wissen über die typischen und weniger bekannten Symptome der Arthrose zu vermitteln, damit Sie Warnsignale rechtzeitig einordnen können.
Dieser Artikel richtet sich an Menschen im Alter zwischen 30 und 70 Jahren, die entweder selbst erste Gelenkbeschwerden bemerken oder Angehörige begleiten, die von Arthrose betroffen sind. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, liefert aber eine solide, wissenschaftlich fundierte Grundlage für das Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Von der genauen Definition über die Ursachen und Stadien bis hin zu Diagnose und Behandlung finden Sie hier alle wesentlichen Informationen übersichtlich zusammengefasst.
Wichtig ist dabei stets: Gelenkschmerzen können viele Ursachen haben. Nicht jeder Knieschmerz ist eine Arthrose, und nicht jede Arthrose verursacht automatisch starke Schmerzen. Die Bandbreite der Beschwerden ist groß – und genau deshalb lohnt es sich, die Symptome genau zu kennen und zu verstehen. Lesen Sie weiter, um fundiert und informiert zu sein.
Was ist Arthrose? Definition und Grundlagen der Erkrankung
Die biologischen Grundlagen: Was im Gelenk passiert
Arthrose (medizinisch: Osteoarthrose oder Osteoarthritis) ist eine chronisch-degenerative Erkrankung der Gelenke, bei der es zu einem fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels kommt. Der Knorpel überzieht die Gelenkflächen der Knochen und sorgt dafür, dass die Gelenke reibungslos gleiten können. Er fungiert wie ein Stoßdämpfer und verteilt Druckbelastungen gleichmäßig auf den darunterliegenden Knochen. Bei einer Arthrose verliert dieser Knorpel zunehmend seine Elastizität, wird dünner, rauer und beginnt schließlich, sich abzulösen.
Im Verlauf der Erkrankung reagiert der Körper auf diesen Knorpelverlust mit verschiedenen Kompensationsmechanismen: Es bilden sich sogenannte Osteophyten – knöcherne Anbauten an den Gelenkrändern, die versuchen, die verlorene Knorpelfläche zu ersetzen. Diese Knochensporne können jedoch selbst Schmerzen verursachen und die Beweglichkeit des Gelenks einschränken. Gleichzeitig kann die Gelenkkapsel sich entzünden und verdicken, was zu einem reaktiven Gelenkerguss (Synovialflüssigkeit im Gelenk) führen kann.
Welche Gelenke sind am häufigsten betroffen?
Arthrose kann grundsätzlich jedes Gelenk des Körpers befallen, tritt jedoch bevorzugt an bestimmten Stellen auf, die im Alltag besonders stark belastet werden:
- Kniegelenk (Gonarthrose): Häufigstes und klinisch bedeutsamste Form; betrifft besonders Menschen mit Übergewicht oder nach Knieverletzungen
- Hüftgelenk (Coxarthrose): Zweithäufigste Form; führt oft zu Schmerzen in der Leiste, die ins Bein oder den Rücken ausstrahlen können
- Wirbelgelenke (Spondylarthrose): Degenerative Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke in der Hals- und Lendenwirbelsäule
- Fingergelenke (Fingerarthrose): Besonders häufig bei Frauen nach den Wechseljahren; typisch sind Heberden- und Bouchard-Knoten
- Daumengrundgelenk (Rhizarthrose): Sehr verbreitet und oft mit starken funktionellen Einschränkungen verbunden
- Schultergelenk (Omarthrose): Seltener, aber mit erheblichen Bewegungseinschränkungen
- Sprunggelenk (OSG-Arthrose): Häufig als Folge von Verletzungen oder Fehlstellungen
- Großzehengrundgelenk (Hallux rigidus): Schmerzhafte Versteifung des ersten Zehengelenks
Laut der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) leiden in Deutschland etwa 5 Millionen Menschen an einer klinisch behandlungsbedürftigen Gonarthrose (Kniearthrose). Weltweit gilt Arthrose als eine der häufigsten Ursachen für körperliche Behinderung und Einschränkung der Lebensqualität im mittleren und höheren Lebensalter.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Arthrose keine reine Alterserscheinung ist, auch wenn das Alter ein wesentlicher Risikofaktor darstellt. Arthrose ist eine multifaktorielle Erkrankung, bei der biologische, biomechanische und genetische Faktoren zusammenwirken. Mehr grundlegende Informationen zur Erkrankung finden Sie in unserem Arthrose-Ratgeber.
Ursachen und Risikofaktoren der Arthrose
Primäre vs. sekundäre Arthrose – ein wichtiger Unterschied
In der Medizin unterscheidet man grundsätzlich zwischen der primären Arthrose und der sekundären Arthrose. Die primäre Arthrose tritt ohne erkennbare spezifische Grunderkrankung auf und wird auf ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Alterungsprozessen und allgemeinen Risikofaktoren zurückgeführt. Die sekundäre Arthrose hingegen entsteht als Folge einer definierbaren Ursache, beispielsweise nach Verletzungen, bei Stoffwechselerkrankungen oder aufgrund von Fehlstellungen.
Das Verständnis dieser Unterscheidung ist klinisch bedeutsam, da die zugrundeliegenden Ursachen direkte Auswirkungen auf die Therapiestrategie haben. Während bei der primären Arthrose vor allem die Symptombehandlung und die Verlangsamung der Progression im Vordergrund stehen, kann bei der sekundären Arthrose in manchen Fällen die Behandlung der auslösenden Ursache (z. B. Korrektur einer Fehlstellung) den Gelenkabbau bremsen.
Die wichtigsten Risikofaktoren im Überblick
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko, eine Arthrose zu entwickeln, nachweislich:
- Höheres Lebensalter: Mit zunehmendem Alter verringert sich die regenerative Kapazität des Knorpelgewebes; ab dem 45. Lebensjahr steigt das Arthroserisiko deutlich an
- Übergewicht und Adipositas: Jedes zusätzliche Kilogramm Körpergewicht erhöht die mechanische Belastung auf das Kniegelenk erheblich; Studien zeigen, dass das Arthroserisiko bei einem BMI über 30 signifikant erhöht ist
- Genetische Veranlagung: Familiäre Häufung ist gut belegt; bestimmte Genvarianten beeinflussen die Knorpelzusammensetzung und -regeneration
- Weibliches Geschlecht: Frauen sind häufiger und oft schwerer von Arthrose betroffen als Männer, besonders nach der Menopause; Östrogenmangel gilt als möglicher Einflussfaktor
- Frühere Gelenkverletzungen: Kreuzbandrisse, Meniskusschäden, Knochenbrüche in Gelenknähe – all diese Verletzungen können den Knorpel langfristig schädigen
- Berufliche und sportliche Überbelastung: Berufe mit knienden, hockenden oder schwer hebenden Tätigkeiten (z. B. Fliesenleger, Reinigungskräfte, Leistungssportler) erhöhen das Gelenkrisiko
- Muskuläre Schwäche: Schwache Oberschenkel- und Hüftmuskulatur kann zu einer ungleichmäßigen Belastung der Gelenkflächen führen
- Gelenkfehlstellungen: X-Beine (Valgus) oder O-Beine (Varus) belasten einzelne Gelenkabschnitte ungleichmäßig und begünstigen lokale Knorpelschäden
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Gicht, Hämochromatose und Schilddrüsenerkrankungen können den Gelenkstoffwechsel negativ beeinflussen
- Chronische Entzündungen: Vorausgegangene oder begleitende Gelenkentzündungen (z. B. im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis) schädigen den Knorpel
- Bewegungsmangel: Fehlende regelmäßige Bewegung führt zu einer Mangelversorgung des Knorpels mit Nährstoffen, da dieser keine direkte Blutversorgung besitzt
- Rauchen: Es gibt Hinweise, dass Rauchen die Knorpelregeneration negativ beeinflusst und die Arthroseprogression beschleunigt
Ein häufiges Szenario ist, dass mehrere dieser Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen und sich gegenseitig verstärken. So kann eine Person mit genetischer Veranlagung, leichtem Übergewicht und einem knienden Beruf ein deutlich erhöhtes Arthroserisiko aufweisen, als wenn nur einer dieser Faktoren isoliert vorhanden wäre. Eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen Arthrose-Formen finden Sie unter Arthrose im Detail.
Arthrose Symptome: Wie sich die Erkrankung bemerkbar macht
Das Leitsymptom: Der Arthrosemedizinische Belastungsschmerz
Das charakteristischste und häufigste Symptom der Arthrose ist der Belastungsschmerz. Dieser tritt typischerweise bei körperlicher Aktivität auf und lässt in Ruhe nach. Viele Betroffene erleben diesen Schmerz zunächst nur bei ungewohnten oder intensiven Belastungen – etwa beim langen Wandern, beim Treppensteigen oder beim Aufstehen nach langem Sitzen. Im weiteren Verlauf kann der Schmerz auch bei alltäglichen Aktivitäten auftreten und schließlich sogar in Ruhephasen anhalten.
Der Belastungsschmerz wird häufig als dumpf, drückend oder ziehend beschrieben. Er ist oft schwer zu lokalisieren und strahlt bei Hüft- oder Kniearthrose nicht selten in benachbarte Körperbereiche aus. Bei einer Kniearthrose beispielsweise klagen viele Patienten über Schmerzen, die in die Kniekehle, den Oberschenkel oder die Wade ausstrahlen. Es ist wichtig zu wissen, dass die Intensität des Arthrosemedizinischen Schmerzes nicht zwingend mit dem radiologischen Schweregrad korreliert – manche Menschen mit röntgenologisch weit fortgeschrittener Arthrose haben erstaunlich wenige Schmerzen, während andere bei geringeren Knorpelschäden stark beeinträchtigt sind.
Was die meisten Patienten nicht wissen: Der Anlaufschmerz
Ein typisches und häufig unterschätztes Symptom ist der sogenannte Anlaufschmerz. Viele Betroffene berichten, dass die Schmerzen und Steifigkeit besonders stark sind, wenn sie nach einer Ruhephase die Bewegung wieder aufnehmen – etwa die ersten Schritte morgens nach dem Aufstehen oder das Aufstehen vom Stuhl nach längerem Sitzen. Nach einigen Minuten Bewegung bessert sich das Beschwerdebild häufig deutlich, was dieses Phänomen von der Morgensteifigkeit bei rheumatoider Arthritis abgrenzt: Dort hält die Steifigkeit in der Regel länger als 30–60 Minuten an.
Der Anlaufschmerz entsteht, weil die Gelenkflüssigkeit (Synovia) nach einer Ruhephase nicht gleichmäßig im Gelenk verteilt ist und der rauere Knorpel erst durch Bewegung wieder besser mit Nährstoffen und Schmierflüssigkeit versorgt wird. Wenn dieser Anlaufschmerz regelmäßig und über mehrere Wochen auftritt, sollte er ärztlich abgeklärt werden.
Alle relevanten Arthrose-Symptome im Überblick
- Belastungsschmerz: Schmerz bei Aktivität, Besserung in Ruhe; das häufigste Symptom
- Anlaufschmerz: Schmerz und Steifigkeit zu Beginn einer Bewegung nach Ruhepausen; bessert sich nach wenigen Minuten
- Bewegungseinschränkung: Eingeschränkte Beuge- und Streckfähigkeit des betroffenen Gelenks; oft zunächst nur bei extremen Bewegungen auffällig
- Gelenkschwellung: Durch reaktive Entzündung der Gelenkinnenhaut (aktivierte Arthrose) kann das Gelenk anschwellen und warm werden
- Krepitation: Knack-, Reib- oder Knirschgeräusche beim Bewegen des Gelenks, entstehen durch rauere Knorpeloberflächen
- Muskelschwund: Durch Schonung des schmerzhaften Gelenks baut sich die umliegende Muskulatur ab, was die Instabilität verstärkt
- Gelenkdeformierung: Im fortgeschrittenen Stadium sichtbare Veränderungen der Gelenkform, z. B. Heberden-Knoten an den Fingern oder Achsfehlstellungen
- Instabilitätsgefühl: Das Gefühl, dass das Gelenk „nachgibt" oder nicht stabil ist; häufig bei Kniearthrose
- Ruhe- und Nachtschmerz: In späteren Stadien können Schmerzen auch nachts auftreten und den Schlaf stören
- Lokale Druckschmerzhaftigkeit: Der Gelenkspalt ist auf Druck von außen schmerzhaft
- Wetterfühligkeit: Viele Betroffene berichten, dass Schmerzen bei Wetterumschwüngen, Kälte oder Feuchtigkeit zunehmen
- Allgemeine Erschöpfung: Chronischer Schmerz und eingeschränkte Mobilität können langfristig zu Erschöpfung und psychischer Belastung führen
Wichtiger Hinweis: Die gleichzeitige starke Schwellung, Rötung, Überwärmung und Schmerzhaftigkeit eines Gelenks kann auch auf eine akute Gelenkentzündung anderer Ursache (z. B. septische Arthritis, Gichtanfall) hinweisen und sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden. Eine frühzeitige Diagnose bei Gelenkschmerzen ist in solchen Fällen besonders wichtig.
Wann zum Arzt? Alarmsignale, die Sie ernst nehmen sollten
Nicht jeder Gelenkschmerz erfordert sofortigen ärztlichen Handlungsbedarf – aber es gibt klare Warnsignale, bei denen eine zeitnahe Vorstellung beim Arzt oder in einer Notaufnahme notwendig ist:
- Plötzlich auftretende, sehr starke Schmerzen in einem Gelenk ohne offensichtliche Ursache
- Begleitende allgemeine Krankheitszeichen wie hohes Fieber, Nachtschweiß, unerklärlicher Gewichtsverlust
- Starke Gelenkschwellung mit Rötung, Überwärmung und schmerzhafter Bewegungseinschränkung
- Gelenkbeschwerden, die sich trotz Schonung und einfacher Maßnahmen nach 4–6 Wochen nicht bessern
- Funktionsverlust des Gelenks: Unfähigkeit, das Gelenk zu belasten oder zu bewegen
- Gelenkschmerzen, die v. a. in der zweiten Nachthälfte auftreten und den Schlaf dauerhaft stören
- Beidseitig symmetrisch auftretende Gelenkbeschwerden mit ausgeprägter Morgensteifigkeit (möglicher Hinweis auf entzündlich-rheumatische Erkrankung)
Stadien der Arthrose: Von der Frühphase bis zur schweren Arthrose
Das Klassifikationssystem nach Kellgren und Lawrence
In der klinischen Praxis wird die Arthrose häufig nach der international gebräuchlichen Kellgren-Lawrence-Klassifikation in vier Schweregrade eingeteilt. Diese Einteilung basiert auf Röntgenaufnahmen und bewertet radiologische Zeichen wie Gelenkspaltverschmälerung, Osteophytenbildung und subchondrale Sklerosierung. Es ist wichtig zu verstehen, dass der radiologische Befund und die klinische Beschwerdesymptomatik nicht immer übereinstimmen müssen.
| Stadium | Bezeichnung | Radiologische Zeichen | Typische Symptome |
|---|---|---|---|
| Grad 0 | Normal | Kein Befund | Keine Beschwerden |
| Grad I | Fragliche Arthrose | Mögliche geringe Osteophyten | Gelegentlicher Anlaufschmerz, Wetterfühligkeit |
| Grad II | Leichte Arthrose | Deutliche Osteophyten, minimale Gelenkspaltverschmälerung | Regelmäßiger Belastungsschmerz, Morgensteifigkeit |
| Grad III | Mäßige Arthrose | Mäßige Gelenkspaltverschmälerung, subchondrale Sklerose | Schmerzen bei Alltagsaktivitäten, Bewegungseinschränkung |
| Grad IV | Schwere Arthrose | Starke Gelenkspaltverschmälerung bis Knochen-auf-Knochen-Kontakt, ausgeprägte Deformierung | Dauerschmerz, erhebliche Funktionseinschränkung, möglicher Ruheschmerz |
Frühstadium: Die Arthrose, die man noch kaum spürt
Im Frühstadium der Arthrose (Grad I–II) berichten viele Betroffene von gelegentlichen, unspezifischen Beschwerden. Der Anlaufschmerz morgens oder nach längerem Sitzen tritt auf, lässt aber nach einigen Minuten nach. Es kann ein Gefühl von Steifigkeit im Gelenk vorhanden sein, ohne dass dies den Alltag wesentlich einschränkt. Krepitationen – also Knack- oder Reibegeräusche – können bereits in diesem Stadium auftreten. Viele Menschen nehmen diese Symptome als normale Alterserscheinung wahr und suchen keinen Arzt auf, was eine frühzeitige Diagnose erschwert.
Gerade in diesem Stadium sind konservative Maßnahmen wie gezieltes Muskeltraining, Gewichtsreduktion und angepasste Ernährung besonders wirksam, um den Verlauf zu verlangsamen. Eine arthrosegerechte Ernährung kann in diesem frühen Stadium bereits einen positiven Beitrag leisten.
Fortgeschrittenes Stadium: Der Alltag wird zur Herausforderung
Im mittleren und fortgeschrittenen Stadium (Grad III–IV) treten die Beschwerden regelmäßig auf und beeinflussen den Alltag zunehmend. Treppensteigen, längere Gehstrecken oder das Bücken werden zur echten Belastung. Die Gelenke können sich durch reaktive Entzündungsschübe (aktivierte Arthrose) zeitweise erheblich verschlechtern – mit Schwellung, Überwärmung und verstärktem Schmerz. Im Endstadium ist der Gelenkknorpel weitgehend aufgebraucht, die Knochen reiben direkt aufeinander, und selbst Ruheschmerzen sowie nächtliche Schmerzen sind möglich. In diesem Stadium ist häufig eine operative Therapie, etwa ein Gelenkersatz (Endoprothese), die einzige Option zur dauerhaften Schmerzfreiheit.
Diagnose: Wie wird Arthrose festgestellt?
Der Weg zur Diagnose – was erwartet Sie beim Arzt?
Die Diagnose einer Arthrose stützt sich auf mehrere Säulen: eine gründliche Anamnese, die körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren. Bei der Anamnese erkundigt sich der Arzt nach Art, Dauer und Intensität der Beschwerden, nach bekannten Vorerkrankungen, Verletzungen, familiärer Häufung und beruflichen Belastungen. Diese ausführliche Krankengeschichte ist unverzichtbar, da sie wertvolle Hinweise auf die Ursache und den Charakter der Gelenkbeschwerden liefert.
Die körperliche Untersuchung umfasst die Inspektion des Gelenks auf Schwellung, Rötung oder sichtbare Deformitäten, die Überprüfung des Bewegungsausmaßes (ROM – Range of Motion), Tests auf Druckschmerzhaftigkeit entlang des Gelenkspalts sowie spezifische klinische Tests, die je nach betroffenem Gelenk variieren. Beim Kniegelenk etwa können der McMurray-Test (für Meniskusverletzungen) oder der Steinmann-Test wertvolle Zusatzinformationen liefern.
Bildgebende Verfahren: Was Röntgen, MRT und Ultraschall zeigen
Das wichtigste bildgebende Verfahren in der Arthrosemedizin ist nach wie vor das konventionelle Röntgenbild. Es zeigt die für Arthrose charakteristischen Veränderungen: Gelenkspaltverschmälerung als Zeichen des Knorpelverlusts, Osteophyten an den Gelenkrändern, subchondrale Sklerosierung (Verdichtung des Knochens unter dem Knorpel) und Geröllzysten im Knochen. Wichtig zu wissen: Frühstadien der Arthrose sind im Röntgenbild oft noch nicht sichtbar, da der Knorpel selbst röntgenologisch nicht direkt darstellbar ist.
Die Magnetresonanztomographie (MRT) erlaubt eine direkte Darstellung des Knorpelgewebes, der Gelenkinnenhaut, der Bänder und der Menisken. Sie ist besonders wertvoll bei unklaren Befunden, zur Frühdiagnose und zur Operationsplanung. Der Ultraschall eignet sich gut für die Erkennung von Gelenkergüssen, Zysten und Sehnenpathologien und ist als kostengünstiges, strahlungsfreies Verfahren für Verlaufskontrollen sehr gut geeignet.
Laboruntersuchungen: Was das Blut verrät
Eine Arthrose verursacht in der Regel keine spezifischen Veränderungen im Blutbild. Laboruntersuchungen werden jedoch durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können:
- BSG und CRP: Entzündungsmarker; bei aktivierter Arthrose leicht erhöht, bei rheumatoider Arthritis oft deutlich erhöht
- Rheumafaktor (RF) und anti-CCP-Antikörper: Zum Ausschluss einer rheumatoiden Arthritis
- Harnsäure: Zum Ausschluss einer Gichtarthropathie
- Blutbild: Zum Ausschluss systemischer Erkrankungen
- Schilddrüsenwerte: Da Schilddrüsenerkrankungen Gelenkbeschwerden verursachen können
- Gelenkpunktat: Bei unklarem Gelenkerguss kann die Analyse der Gelenkflüssigkeit wichtige Hinweise liefern
Die genaue Diagnose und Differenzialdiagnose ist für die weitere Behandlung entscheidend, da eine Arthrose ganz andere Therapiemaßnahmen erfordert als etwa eine entzündlich-rheumatische Erkrankung oder eine Infektarthritis.
Behandlung: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Das Behandlungsprinzip: Multimodal und individuell
Die Behandlung der Arthrose folgt modernen Leitlinien einem multimodalen Ansatz, der konservative, pharmakologische und – bei Bedarf – operative Maßnahmen kombiniert. Ziel der Therapie ist nicht die Heilung der Arthrose (eine vollständige Regeneration des Knorpels ist nach aktuellem Stand der Medizin nicht möglich), sondern die Schmerzreduktion, die Erhaltung und Verbesserung der Gelenkfunktion sowie die Verlangsamung der Krankheitsprogression. Die Therapie wird individuell auf den Patienten abgestimmt und berücksichtigt Faktoren wie das betroffene Gelenk, den Schweregrad der Arthrose, Begleiterkrankungen und persönliche Präferenzen.
Konservative (nicht-operative) Maßnahmen
Die konservative Therapie bildet die Grundlage jeder Arthrosebehandlung. Folgende Maßnahmen werden in aktuellen Leitlinien empfohlen:
- Bewegungstherapie und Physiotherapie: Regelmäßiges, angepasstes Training zur Stärkung der gelenkstabilisierenden Muskulatur; gelenksschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking sind ideal
- Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht eine der wirksamsten Maßnahmen zur Entlastung gewichtstragender Gelenke (Knie, Hüfte); bereits 5 % Gewichtsreduktion können die Symptome spürbar lindern
- Hilfsmittelversorgung: Orthopädische Einlagen, Bandagen, Gehhilfen oder Gelenkschienen können die Belastung auf das Gelenk reduzieren und die Stabilität verbessern
- Physikalische Therapie: Wärme- und Kälteanwendungen, Elektrotherapie, Ultraschall und Massagen zur lokalen Schmerzlinderung
- Ergotherapie: Anpassung des Alltags und der Wohnumgebung an die Gelenkeinschränkungen
- Ernährungsanpassung: Eine entzündungshemmende, ausgewogene Ernährung kann den Verlauf positiv beeinflussen; mehr dazu in unserem Artikel zur Arthrose-Ernährung
- Patientenschulung: Informationsvermittlung über die Erkrankung, Selbstmanagement-Strategien und psychosoziale Unterstützung
Medikamentöse Therapie: Was wirkt wie?
Die medikamentöse Behandlung der Arthrose zielt in erster Linie auf die Schmerzlinderung und Entzündungshemmung ab. Folgende Wirkstoffgruppen werden eingesetzt:
- Paracetamol: Als Basisanalgetikum bei leichten bis mittelschweren Schmerzen; gut verträglich bei kurzfristiger Anwendung, limitierter Wirkung bei fortgeschrittener Arthrose
- NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika): Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen – wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend; systemisch (oral) oder lokal (als Gel/Salbe); gastrointestinale und kardiovaskuläre Risiken bei Langzeitanwendung beachten
- COX-2-Hemmer (Coxibe): Selektive Cyclooxygenase-2-Inhibitoren (z. B. Celecoxib, Etoricoxib) mit günstigerem Magenverträglichkeitsprofil; erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei Vorerkrankungen
- Intraartikuläre Kortikosteroide: Direkte Injektion von Kortison ins Gelenk bei aktivierter Arthrose; kurzfristig hochwirksam, nicht zur Daueranwendung geeignet
- Hyaluronsäure-Injektionen: Einbringen von Hyaluronsäure ins Gelenk zur Verbesserung der Gelenkschmierung; Studienlage heterogen, in individuellen Fällen jedoch hilfreich
- Duloxetin: Antidepressivum mit analgetischer Komponente; in einigen Leitlinien für chronische Arthroseschmerzen zugelassen
- Topische Capsaicin-Präparate: Lokale Anwendung zur Desensibilisierung der Schmerzrezeptoren
Operative Therapie: Wann ein Eingriff sinnvoll ist
Wenn konservative Maßnahmen über einen angemessenen Zeitraum keine ausreichende Beschwerdeverbesserung bringen, können operative Eingriffe erwogen werden. Die häufigsten Verfahren sind:
- Arthroskopie: Gelenkspiegelung zur Diagnose und ggf. Behandlung begleitender Strukturschäden (Meniskusläsionen, freie Gelenkkörper); der alleinige arthroskopische Eingriff bei Kniearthrose wird laut aktueller Leitlinienlage kritisch bewertet
- Umstellungsosteotomie: Korrektur von Achsfehlstellungen zur Umverteilung der Gelenkbelastung; besonders bei jüngeren Patienten mit isoliertem Kompartmentschaden
- Endoprothese (Gelenkersatz): Ersatz des verschlissenen Gelenks durch eine Kunstgelenk-Prothese; etabliertes, hochwirksames Verfahren bei fortgeschrittener Arthrose (Grad III–IV) mit erheblicher Leidensbelastung; in Deutschland werden jährlich ca. 200.000 Knie- und 250.000 Hüftendoprothesen implantiert
Ausführliche Informationen zu allen Behandlungsoptionen finden Sie in unserem spezialisierten Behandlungsbereich.
Prognose und Langzeitverlauf der Arthrose
Arthrose – eine chronische, aber beeinflussbare Erkrankung
Die Arthrose ist eine chronische, in der Regel langsam fortschreitende Erkrankung. Eine vollständige Heilung – das heißt die vollständige Regeneration des abgebauten Knorpelgewebes – ist nach aktuellem medizinischem Wissensstand nicht möglich. Allerdings variiert der Verlauf der Arthrose erheblich von Person zu Person. Während bei manchen Betroffenen die Erkrankung über viele Jahre stabil bleibt und die Lebensqualität nur wenig beeinträchtigt, schreitet sie bei anderen deutlich schneller voran.
Entscheidend für die Langzeitprognose sind mehrere Faktoren, auf die Betroffene teilweise aktiv Einfluss nehmen können. Studien zeigen, dass regelmäßige angepasste körperliche Aktivität, die Normalisierung des Körpergewichts, die konsequente Physiotherapie und die frühzeitige Einleitung geeigneter Therapiemaßnahmen den Verlauf positiv beeinflussen können. Umgekehrt verschlechtern Übergewicht, Bewegungsmangel, mechanische Überbelastung und unkontrollierte Entzündungsschübe die Prognose.
Lebensqualität erhalten: Was langfristig wirklich hilft
Viele Betroffene erleben trotz fortgeschrittener Arthrose eine gute Lebensqualität – insbesondere wenn es gelingt, die richtigen Maßnahmen konsequent umzusetzen. Folgende Faktoren haben sich in der Praxis als besonders bedeutsam erwiesen:
- Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung: Erhält die Muskelkraft und Gelenkstabilität; verhindert den Teufelskreis aus Schmerz – Schonhaltung – Muskelschwund – Instabilität
- Gewichtskontrolle: Eine der evidenzbasiert wirksamsten Maßnahmen zur Schmerzreduktion und Verlangsamung der Progression
- Konsequentes Selbstmanagement: Schmerz- und Bewegungstagebücher, regelmäßige Physiotherapie, angepasste Freizeitgestaltung
- Psychologische Unterstützung: Chronischer Schmerz kann zu Depressionen und Angststörungen führen; psychologische Begleitung und Schmerzbewältigungsstrategien können die Lebensqualität erheblich verbessern
- Sozialer Rückhalt: Unterstützung durch Familie, Freunde und Selbsthilfegruppen trägt wesentlich zur psychischen Stabilität bei
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Verlaufskontrolle und rechtzeitige Anpassung der Therapie bei Verschlechterung
Wenn der Zeitpunkt für einen Gelenkersatz gekommen ist, ist die Prognose bei Hüft- und Knieendoprothesen heute sehr gut: Mehr als 90 % der Patienten berichten über eine deutliche Schmerzreduktion und Verbesserung der Mobilität. Die Standzeit moderner Endoprothesen beträgt in der Mehrheit der Fälle 15–20 Jahre und länger.
„Arthrose bedeutet nicht automatisch Immobilität oder Pflegebedürftigkeit. Mit dem richtigen Wissen, konsequentem Selbstmanagement und der Unterstützung eines erfahrenen Behandlungsteams können viele Betroffene ein aktives und lebenswertes Leben führen."
Zusammenfassung: Das Wichtigste zu Arthrose Symptomen auf einen Blick
Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung in Deutschland und betrifft Millionen von Menschen – besonders in der zweiten Lebenshälfte. Die Erkrankung entsteht durch den fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels und kann grundsätzlich jedes Gelenk des Körpers betreffen, bevorzugt jedoch Knie, Hüfte, Wirbelsäule und Finger.
Die charakteristischen Arthrose-Symptome umfassen vor allem den Belastungsschmerz, der bei körperlicher Aktivität auftritt und sich in Ruhe bessert, sowie den typischen Anlaufschmerz nach Ruhephasen. Hinzu kommen Bewegungseinschränkungen, Gelenkschwellungen, Krepitationen (Knack- und Reibegeräusche), Muskelabbau und im fortgeschrittenen Stadium auch Ruheschmerzen. Die Intensität der Symptome korreliert nicht immer mit dem radiologischen Schweregrad.
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, bildgebenden Verfahren (vor allem Röntgen und MRT) und Laboruntersuchungen zum Ausschluss anderer Erkrankungen. Die Therapie ist multimodal und umfasst konservative Maßnahmen (Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Hilfsmittel), medikamentöse Behandlung und bei fortgeschrittener Erkrankung operative Eingriffe bis hin zum Gelenkersatz.
Die Prognose der Arthrose ist individuell sehr unterschiedlich. Frühzeitige Diagnose, konsequentes Selbstmanagement, regelmäßige Bewegung und ggf. Gewichtsreduktion sind die wichtigsten Faktoren, um den Verlauf positiv zu beeinflussen. Informieren Sie sich weiter in unserem Arthrose-Ratgeber und scheuen Sie sich nicht, bei anhaltenden oder sich verschlechternden Gelenkbeschwerden einen Arzt aufzusuchen. Eine frühzeitige Diagnose eröffnet mehr Therapieoptionen und kann langfristig dazu beitragen, Ihre Lebensqualität zu erhalten.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.
📚Wissenschaftliche Quellen
Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:
- 📋LeitlinieS2e-Leitlinie: Gonarthrose (AWMF-Registernummer 033-004)https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/033-004
- 📋LeitlinieS2e-Leitlinie: Coxarthrose (AWMF-Registernummer 033-001)https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/033-001
- Robert Koch-Institut: Arthrose – Gesundheitsberichterstattung des Bundeshttps://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsH/2013_55_arthrose.html
- 📊StudieKellgren JH, Lawrence JS: Radiological assessment of osteo-arthrosis. Ann Rheum Dis. 1957;16(4):494-502.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/13498604/
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