Psoriasis Arthritis
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Einleitung: Wenn Schuppenflechte die Gelenke befällt
Eine Erkrankung, die zwei Organsysteme gleichzeitig betrifft
Viele Menschen kennen Psoriasis als eine Hauterkrankung, die sich durch schuppige, gerötete Hautareale zeigt. Was weit weniger bekannt ist: Bei einem erheblichen Teil der Betroffenen greift dieselbe Erkrankung auch die Gelenke an. Dieses Krankheitsbild wird als Psoriasis-Arthritis bezeichnet – eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die sowohl die Haut als auch den Bewegungsapparat betrifft. Schätzungen zufolge entwickeln zwischen 20 und 30 Prozent aller Menschen mit Schuppenflechte im Laufe ihres Lebens eine Psoriasis-Arthritis.
Das Tückische an dieser Erkrankung ist ihre Vielfältigkeit. Sie kann sich auf sehr unterschiedliche Weise äußern: Mal sind die kleinen Fingergelenke betroffen, mal die Wirbelsäule, mal die Sehnenansätze. Viele Betroffene erleben jahrelang Gelenkbeschwerden, bevor die Diagnose gestellt wird – nicht selten, weil die Verbindung zur Schuppenflechte zunächst nicht erkannt wird oder die Hautveränderungen nur mild ausgeprägt sind. Ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln ist jedoch entscheidend, um dauerhafte Gelenkschäden zu verhindern.
In Deutschland leiden schätzungsweise 125.000 bis 200.000 Menschen an Psoriasis-Arthritis. Die Erkrankung tritt am häufigsten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf, kann aber grundsätzlich in jedem Lebensalter beginnen. Männer und Frauen sind in etwa gleich häufig betroffen, wobei sich die Verlaufsmuster leicht unterscheiden können. Wer selbst oder in seiner Familie an Schuppenflechte erkrankt ist und neu auftretende Gelenkschmerzen bemerkt, sollte dies unbedingt ärztlich abklären lassen.
Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was Psoriasis-Arthritis ist, wie sie entsteht, welche Symptome sie verursacht und welche Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen. Alle Informationen basieren auf aktuellen medizinischen Leitlinien und sollen dazu beitragen, Betroffene und Angehörige besser zu informieren – ohne Panikmache, aber mit dem nötigen medizinischen Tiefgang.
Definition: Was ist Psoriasis-Arthritis genau?
Mehr als eine Gelenkerkrankung – ein systemisches Krankheitsbild
Psoriasis-Arthritis (auch Arthritis psoriatica oder PsA genannt) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Bewegungsapparats, die im Zusammenhang mit der Hauterkrankung Psoriasis (Schuppenflechte) auftritt. Sie gehört zur Gruppe der Spondyloarthritiden – das sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen, die bevorzugt die Wirbelsäule, die Iliosakralgelenke und die Sehnenansätze befallen. Im Unterschied zur klassischen rheumatoiden Arthritis ist die Psoriasis-Arthritis seronegativ, das heißt, der Rheumafaktor ist in der Regel negativ.
Die Erkrankung betrifft nicht nur die Gelenke, sondern gilt als systemische Entzündungserkrankung. Das bedeutet, dass die chronische Entzündung im gesamten Körper wirkt und auch innere Organe sowie das Herz-Kreislauf-System beeinflussen kann. Entzündliche Prozesse spielen sich gleichzeitig in der Haut, in den Gelenken, in den Sehnenansätzen (Enthesen) und an den Nägeln ab. Diese Vielfalt macht die Psoriasis-Arthritis zu einem komplexen Krankheitsbild, das einer fachkundigen rheumatologischen Betreuung bedarf.
Abgrenzung zur Schuppenflechte und anderen Gelenkerkrankungen
Nicht jeder Mensch mit Psoriasis entwickelt automatisch eine Arthritis. Umgekehrt kann die Gelenkentzündung in seltenen Fällen auch vor der typischen Hautmanifestation auftreten – man spricht dann von einer Arthritis sine psoriasi. In etwa 70 Prozent der Fälle geht die Schuppenflechte der Gelenkbeteiligung zeitlich voraus, in etwa 15 Prozent treten beide gleichzeitig auf, und in weiteren 15 Prozent erscheinen die Gelenkbeschwerden sogar zuerst.
Von einer Arthrose unterscheidet sich die Psoriasis-Arthritis grundlegend: Während Arthrose ein degenerativ-mechanischer Verschleiß des Gelenkknorpels ist, handelt es sich bei der Psoriasis-Arthritis um eine immunvermittelte Entzündungserkrankung. Dennoch kann eine langfristig unbehandelte Psoriasis-Arthritis sekundäre Knorpelschäden und Gelenkerosionen verursachen, die dann denen einer Arthrose ähneln können. Für weiterführende Informationen zum Thema Gelenkschmerzen finden Sie auf unserer Seite eine umfassende Übersicht.
Die Psoriasis-Arthritis wird nach der CASPAR-Klassifikation (Classification Criteria for Psoriatic Arthritis) diagnostiziert – einem international anerkannten Punktesystem, das verschiedene klinische, radiologische und labortechnische Merkmale berücksichtigt. Ein Score von drei oder mehr Punkten gilt als Hinweis auf das Vorliegen einer Psoriasis-Arthritis.
Ursachen: Wie entsteht Psoriasis-Arthritis?
Das Zusammenspiel von Genen, Immunsystem und Umwelt
Die genaue Ursache der Psoriasis-Arthritis ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen von einem multifaktoriellen Entstehungsmodell aus: Das bedeutet, dass genetische Veranlagung, Fehlfunktionen des Immunsystems und bestimmte Umweltfaktoren gemeinsam dazu beitragen, die Erkrankung auszulösen.
Auf genetischer Ebene spielen bestimmte HLA-Gene (Human Leukocyte Antigen) eine wichtige Rolle. Insbesondere das Gen HLA-B27 – bekannt auch aus dem Zusammenhang mit der ankylosierenden Spondylitis – ist bei einem Teil der Patienten mit Psoriasis-Arthritis nachweisbar. Weitere Genvarianten, etwa im Bereich des HLA-C und verschiedener Interleukin-Gene, erhöhen die Suszeptibilität. Wer erstgradig Verwandte mit Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis hat, trägt ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko.
Die Rolle des Immunsystems
Kernpunkt der Erkrankung ist eine Dysregulation des Immunsystems. Bei der Psoriasis-Arthritis aktivieren T-Lymphozyten (eine Untergruppe weißer Blutkörperchen) fehlerhaft Entzündungsprozesse in Haut und Gelenken. Dabei werden proinflammatorische Botenstoffe – sogenannte Zytokine – ausgeschüttet, die Gewebeschäden verursachen. Besonders bedeutsam sind hierbei:
- Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α): Ein zentraler Entzündungsmediator, der Gelenkentzündungen antreibt
- Interleukin-17 (IL-17): Fördert Hautentzündungen und Gelenkdestruktion
- Interleukin-23 (IL-23): Reguliert die Differenzierung von T-Helferzellen und verstärkt Entzündungsprozesse
- Interleukin-12 (IL-12): Aktiviert das angeborene Immunsystem
Diese Zytokine sind auch therapeutisch von großer Bedeutung: Moderne Biologika greifen gezielt in diese Signalwege ein und können die Erkrankung dadurch wirkungsvoll kontrollieren.
Auslösende Faktoren (Trigger)
Ein häufiges Szenario ist, dass die genetische Veranlagung allein nicht ausreicht, um die Erkrankung auszulösen – es braucht oft zusätzliche äußere oder innere Faktoren. Folgende Trigger werden in der wissenschaftlichen Literatur diskutiert:
- Infektionen: Insbesondere Streptokokkeninfektionen des Rachens können eine Psoriasis-Schübe auslösen und möglicherweise auch die Arthritis triggern
- Körperlicher oder emotionaler Stress: Stress aktiviert immunologische Prozesse, die Schübe begünstigen können
- Verletzungen und Traumata: Das sogenannte Köbner-Phänomen beschreibt, wie mechanische Reize Psoriasis an Hautstellen auslösen können; ähnliches wird für Gelenke diskutiert
- Bestimmte Medikamente: Betablocker, Lithium und Antimalariamittel können Psoriasis verschlechtern
- Übergewicht (Adipositas): Adipöses Fettgewebe gilt als entzündungsfördernd und erhöht das Risiko für Psoriasis-Arthritis
- Rauchen: Tabakkonsum ist mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko und einem ungünstigeren Verlauf assoziiert
- Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholgenuss kann Schübe begünstigen
- Hormonschwankungen: Insbesondere in der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause können sich Symptome verändern
Es ist wichtig zu verstehen, dass keiner dieser Faktoren allein die Erkrankung verursacht. Vielmehr entsteht die Psoriasis-Arthritis durch ein komplexes Zusammenspiel, das von Person zu Person unterschiedlich ist.
Symptome: So zeigt sich die Psoriasis-Arthritis
Vielfältige Beschwerden – kein Patient ist wie der andere
Die Psoriasis-Arthritis ist für ihre außerordentliche klinische Vielfalt bekannt. Kein Betroffener zeigt dasselbe Bild, und die Symptome können je nach Verlaufsform stark variieren. Grundsätzlich lassen sich Beschwerden in fünf Bereichen beobachten: Gelenke, Haut, Nägel, Sehnenansätze und innere Organe.
Das Leitsymptom ist die Gelenkentzündung, die sich durch Schmerzen, Schwellung, Rötung, Überwärmung und eingeschränkte Beweglichkeit äußert. Charakteristisch ist das Morgensteifigkeitsgefühl, das nach Ruhepausen auftritt und sich durch Bewegung bessert – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Arthrose, bei der Schmerzen eher durch Belastung zunehmen. Viele Betroffene beschreiben die Morgensteifigkeit als besonders belastend, da sie die ersten Stunden des Tages stark beeinträchtigt.
Typische Gelenkmuster der Psoriasis-Arthritis
Ein für die Psoriasis-Arthritis charakteristisches Zeichen ist die sogenannte Daktylitis – die wurstförmige Schwellung eines ganzen Fingers oder Zehs. Dabei ist nicht nur das Gelenk, sondern der gesamte Strahl (Knochen, Gelenk, Sehne und umliegendes Gewebe) betroffen und stark angeschwollen. Dieses Symptom ist nahezu pathognomonisch für die Erkrankung.
Häufig beschriebene Gelenksymptome im Überblick:
- Asymmetrische Oligoarthritis: Befall von weniger als fünf Gelenken, oft asymmetrisch verteilt
- Symmetrische Polyarthritis: Ähnlich der rheumatoiden Arthritis, betrifft viele Gelenke beidseitig
- Distale interphalangeale (DIP) Arthritis: Befall der Endgelenke der Finger – ein typisches Merkmal der PsA
- Axialer Befall (Spondylitis): Entzündung der Wirbelsäule und Iliosakralgelenke mit Rückenschmerzen
- Arthritis mutilans: Schwere, destruktive Form mit ausgeprägter Gelenkzerstörung (selten, etwa 5 %)
- Enthesitis: Schmerzhafte Entzündung der Sehnenansätze, besonders häufig an der Ferse (Achillessehne, Plantarfaszie)
- Daktylitis: Wurstförmige Schwellung einzelner Finger oder Zehen
Haut- und Nagelveränderungen
Neben den Gelenksymptomen zeigen die meisten Betroffenen Zeichen der Schuppenflechte an der Haut: silbrig-weiß schuppende, scharf begrenzte, gerötete Plaques, die bevorzugt an Ellenbogen, Knien, Kopfhaut und im Lumbalbereich auftreten. Interessant ist, dass das Ausmaß der Hautbeteiligung nicht mit der Schwere der Gelenkbeteiligung korreliert: Jemand mit nur milden Hautveränderungen kann dennoch eine schwere Arthritis entwickeln.
Nagelveränderungen treten bei bis zu 80 Prozent der Patienten mit Psoriasis-Arthritis auf und sind damit häufiger als bei reiner Psoriasis. Typische Nagelzeichen sind:
- Tüpfelnägel (Pitting): Kleine grübchenartige Vertiefungen auf der Nagelplatte
- Onycholyse: Ablösung des Nagels vom Nagelbett
- Ölfleck-Phänomen: Gelblich-bräunliche Verfärbung unter dem Nagel
- Subunguale Hyperkeratose: Verdickung des Gewebes unter dem Nagel
- Querrillen und Leukonychie: Weiße Verfärbungen oder Querstreifen der Nägel
Begleiterkrankungen und extraartikuläre Manifestationen
Psoriasis-Arthritis ist keine rein muskuloskelettale Erkrankung. Die chronische Entzündung kann verschiedene Begleiterkrankungen begünstigen:
- Uveitis: Entzündung der Regenbogenhaut im Auge, die unbehandelt das Sehvermögen gefährden kann
- Entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa treten häufiger auf
- Metabolisches Syndrom: Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und erhöhter Blutzucker
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
- Depression und Angststörungen: Chronischer Schmerz und der Einfluss der Erkrankung auf das äußere Erscheinungsbild können die Psyche belasten
- Osteoporose: Chronische Entzündung und Kortison-Therapie können die Knochendichte verringern – lesen Sie dazu auch unsere Seite zu Osteoporose
Wann zum Arzt? Wenn Sie Hautveränderungen im Sinne einer Schuppenflechte kennen und neu auftretende Gelenkschmerzen, Steifigkeit oder Schwellungen bemerken, sollten Sie zeitnah einen Rheumatologen aufsuchen. Gleiches gilt bei Schmerzen am Sehnenansatz, Rückenschmerzen mit Morgensteifigkeit oder einer wurstförmigen Fingerschwellung. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um bleibende Gelenkschäden zu verhindern.
Stadien und Verlaufsformen der Psoriasis-Arthritis
Nicht jede Psoriasis-Arthritis verläuft gleich
Die Psoriasis-Arthritis ist eine chronisch verlaufende Erkrankung, die sich in ihrer Intensität und Ausprägung stark von Patient zu Patient unterscheiden kann. Medizinisch wird sie nach verschiedenen Gesichtspunkten klassifiziert – nach dem Befallsmuster der Gelenke, nach der Aktivität der Erkrankung und nach dem radiologischen Fortschritt der Gelenkveränderungen.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen schubförmigen und kontinuierlich progredienten Verläufen. Viele Betroffene erleben Phasen mit hoher Krankheitsaktivität (Schübe), denen ruhigere Phasen mit weniger Symptomen folgen. Ein kleiner Teil der Patienten weist einen dauerhaft aktiven, destruktiven Verlauf auf, der ohne konsequente Therapie zu schwerwiegenden Gelenkschäden führen kann.
Die fünf klassischen Verlaufsformen nach Moll und Wright
Die im klinischen Alltag häufig verwendete Klassifikation nach Moll und Wright unterscheidet fünf Verlaufsformen:
| Verlaufsform | Häufigkeit | Charakteristika |
|---|---|---|
| Asymmetrische Oligoarthritis | ca. 40 % | Wenige Gelenke betroffen, oft Daktylitis |
| Symmetrische Polyarthritis | ca. 25 % | RA-ähnlich, viele Gelenke beidseitig |
| DIP-Arthritis | ca. 15 % | Endgelenke der Finger, oft mit Nagelbefall |
| Spondylitis | ca. 5 % | Wirbelsäule und Iliosakralgelenke |
| Arthritis mutilans | ca. 5 % | Schwere Destruktion, Teleskopfinger |
In der Praxis kommt es häufig zu Überschneidungen, und das Befallsmuster kann sich im Krankheitsverlauf verändern. Etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten zeigen im Verlauf radiologische Zeichen einer Gelenkzerstörung.
Aktivitätsgrade und Messinstrumente
Zur Einschätzung der Krankheitsaktivität setzen Rheumatologen verschiedene valide Instrumente ein. Dazu gehören:
- DAS28 (Disease Activity Score 28): Bewertet 28 Gelenke auf Schwellung und Druckschmerz
- DAPSA (Disease Activity index for Psoriatic Arthritis): Spezifisch für die Psoriasis-Arthritis entwickeltes Messinstrument
- PASI (Psoriasis Area and Severity Index): Bewertet das Ausmaß der Hautbeteiligung
- HAQ (Health Assessment Questionnaire): Misst funktionelle Einschränkungen im Alltag
- MDA (Minimal Disease Activity): Ein Zielzustand, auf den die Therapie hinarbeiten soll
Die Festlegung dieser Aktivitätsgrade ist wichtig, um Therapieentscheidungen zu treffen und den Therapieerfolg objektiv zu messen. Das Behandlungsziel ist in der modernen Rheumatologie das Erreichen einer Remission oder minimalen Krankheitsaktivität – die sogenannte Treat-to-Target-Strategie.
Diagnose: Wie wird Psoriasis-Arthritis festgestellt?
Eine Diagnose, die Zeit und Erfahrung erfordert
Die Diagnose der Psoriasis-Arthritis ist oft eine Herausforderung, weil es keinen einzelnen Labortest gibt, der die Erkrankung eindeutig beweist. Stattdessen basiert die Diagnose auf einer Zusammenschau klinischer, laborchemischer, bildgebender und anamnestischer Befunde. Nicht selten dauert es mehrere Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird – ein Problem, das die Erkrankten und die behandelnden Ärzte gleichermaßen betrifft.
Zentraler Ausgangspunkt ist das ärztliche Gespräch (Anamnese): Der Arzt fragt nach der Art, Dauer und Lokalisation der Gelenkbeschwerden, nach Morgensteifigkeit, nach bekannter Psoriasis bei sich selbst oder in der Familie sowie nach weiteren Symptomen wie Augenentzündungen oder Rückenschmerzen. Besonders wichtig ist die Frage, ob Nagelveränderungen oder Hautläsionen bestehen – auch wenn diese nur mild ausgeprägt sind.
Körperliche Untersuchung
Bei der klinischen Untersuchung achtet der Rheumatologe auf:
- Geschwollene und druckschmerzhafte Gelenke
- Daktylitis (wurstförmig geschwollene Finger oder Zehen)
- Enthesitis (Druckschmerz an Sehnenansätzen wie der Achillessehne oder der Fußsohle)
- Psoriasis-Plaques an typischen Stellen (Ellenbogen, Knie, Kopfhaut, Bauchnabel, Gesäßfalte)
- Nagelveränderungen (Tüpfelnägel, Onycholyse)
- Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule
Labordiagnostik
Laboruntersuchungen dienen weniger der Diagnosestellung als der Beurteilung der Entzündungsaktivität und dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Typische Laborwerte:
- CRP (C-reaktives Protein) und BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit): Entzündungsmarker, die bei aktiver Erkrankung erhöht sein können
- Blutbild: Zum Ausschluss von Anämie oder Infektionen
- Rheumafaktor und Anti-CCP-Antikörper: In der Regel negativ – dient zur Abgrenzung von der rheumatoiden Arthritis
- HLA-B27: Kann bei axialer Beteiligung relevant sein
- Harnsäure: Zum Ausschluss einer Gicht, die ähnliche Symptome verursachen kann
- Leberenzyme und Nierenwerte: Wichtig als Ausgangswerte vor der Therapieeinleitung
Bildgebende Diagnostik
Bildgebende Verfahren spielen eine wichtige Rolle bei der Diagnose und Verlaufskontrolle:
- Röntgenaufnahmen: Zeigen typische Veränderungen wie Gelenkerosionen, periostale Reaktionen und – charakteristisch für die PsA – das gleichzeitige Vorkommen von Erosionen und Knochenneubildung (Pencil-in-cup-Deformität)
- Ultraschall (Sonographie): Erkennt frühe Synovitis (Gelenkhautentzündung), Enthesitis und Tenosynovitis oft früher als das Röntgenbild
- MRT (Magnetresonanztomographie): Besonders wertvoll für die Beurteilung von Wirbelsäule, Iliosakralgelenken und für die Früherkennung von Knochenmarksödemen
- CT: Ergänzend bei knöchernen Veränderungen an der Wirbelsäule
Die CASPAR-Kriterien (Classification Criteria for Psoriatic Arthritis) wurden 2006 von einer internationalen Expertengruppe entwickelt und gelten als Goldstandard für die Klassifikation. Sie berücksichtigen Psoriasis-Nachweis, Nagelveränderungen, negativen Rheumafaktor, Daktylitis und radiologische Knochenveränderungen. Ein Score ≥3 spricht für eine Psoriasis-Arthritis.
Wann zum Arzt? Wenn bei bekannter Psoriasis neu auftretende Gelenkbeschwerden, Morgensteifigkeit von mehr als 30 Minuten, Schwellungen oder Sehnenschmerzen auftreten, ist eine rheumatologische Untersuchung dringend empfohlen. Je früher die Diagnose gestellt und die Therapie eingeleitet wird, desto besser sind die langfristigen Aussichten.
Behandlung: Therapiemöglichkeiten bei Psoriasis-Arthritis
Das Ziel: Entzündung stoppen, Funktion erhalten, Lebensqualität verbessern
Die Behandlung der Psoriasis-Arthritis hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. Moderne Biologika und zielgerichtete synthetische Therapien ermöglichen es heute, auch schwere Verlaufsformen wirksam zu kontrollieren. Das übergeordnete Ziel ist das Erreichen einer Remission oder minimalen Krankheitsaktivität (Treat-to-Target), um Gelenkschäden zu verhindern, die Funktion zu erhalten und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Die Therapie der Psoriasis-Arthritis ist immer multimodal: Sie kombiniert medikamentöse Behandlung, Physiotherapie, physikalische Maßnahmen, Patientenschulung und Lebensstilanpassungen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen, Dermatologen und weiteren Fachärzten ist dabei essenziell.
Stufe 1: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
Bei leichten bis mittelschweren Verlaufsformen sind NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen die erste Therapieoption. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd, haben aber keinen Einfluss auf das Fortschreiten der strukturellen Schäden. Gastrointestinale Nebenwirkungen (Magenprobleme) sind bei längerer Anwendung zu beachten; Magenschutz (PPI) wird häufig begleitend empfohlen. Bei axialem Befall und Enthesitis können NSAR besonders effektiv sein.
Stufe 2: Konventionelle krankheitsmodifizierende Medikamente (csDMARDs)
Wenn NSAR nicht ausreichend wirken oder die Erkrankung moderater bis schwerer ausgeprägt ist, kommen sogenannte Disease-modifying antirheumatic drugs (DMARDs) zum Einsatz. Diese Medikamente greifen in die Krankheitsursache ein und können das Fortschreiten verlangsamen:
- Methotrexat (MTX): Goldstandard bei peripherem Gelenkbefall und gleichzeitiger Hautbeteiligung
- Leflunomid: Alternative zu Methotrexat, ebenfalls wirksam bei Gelenkbeschwerden
- Sulfasalazin: Vor allem bei peripherem Gelenkbefall eingesetzt
- Ciclosporin: Besonders effektiv bei schwerer Psoriasis, aber mit Nebenwirkungsprofil
Für den axialen Befall (Wirbelsäule, Iliosakralgelenke) sind konventionelle DMARDs weniger wirksam; hier werden bevorzugt Biologika eingesetzt.
Stufe 3: Biologika – die Revolution der Rheumatologie
Biologika sind biotechnologisch hergestellte Antikörper oder Fusionsproteine, die gezielt in Entzündungsprozesse eingreifen. Bei der Psoriasis-Arthritis werden folgende Klassen eingesetzt:
- TNF-α-Inhibitoren: Adalimumab, Etanercept, Certolizumab, Golimumab, Infliximab – wirken auf Haut und Gelenke
- IL-17-Inhibitoren: Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab – besonders wirksam bei axialer Beteiligung und Enthesitis
- IL-23/IL-12-Inhibitoren: Ustekinumab, Guselkumab, Risankizumab – gutes Nutzenprofil für Haut und Gelenke
- IL-23p19-Inhibitoren: Neuere, sehr selektive Substanzen
- CTLA4-Ig (Abatacept): Hemmt die T-Zell-Aktivierung, Option bei bestimmten Verlaufsformen
Stufe 4: Januskinase-Inhibitoren (JAK-Inhibitoren)
Eine neuere Wirkstoffklasse sind die JAK-Inhibitoren (Tofacitinib, Upadacitinib), die als oral einzunehmende Tabletten verfügbar sind und intrazelluläre Signalwege blockieren. Sie bieten eine Alternative für Patienten, bei denen Biologika nicht ausreichend wirken oder nicht angewendet werden können. Aufgrund des Sicherheitsprofils (Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Infektionen) ist eine sorgfältige Patientenauswahl wichtig.
Physio- und Ergotherapie als unverzichtbare Ergänzung
Medikamente allein reichen für eine optimale Behandlung nicht aus. Physiotherapie verbessert Beweglichkeit, Kraft und Koordination, während Ergotherapie dabei hilft, Gelenke im Alltag zu schonen und Hilfsmittel sinnvoll einzusetzen. Wassergymnastik, gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen sowie Wärme- und Kälteanwendungen können Beschwerden lindern. Weitere Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten finden Sie in unserem Überblick.
Lebensstil und Ernährung
Lebensstilanpassungen spielen eine wichtige ergänzende Rolle:
- Normalgewicht anstreben: Übergewicht verstärkt die Entzündungsaktivität und belastet die Gelenke zusätzlich
- Mediterrane Ernährung: Reich an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen; möglicherweise entzündungsmodulierend
- Regelmäßige Bewegung: Gelenkschonendes Ausdauertraining (Schwimmen, Radfahren) ist empfehlenswert
- Rauchstopp: Rauchen ist mit schlechterem Therapieansprechen assoziiert
- Alkoholreduktion: Alkohol kann Psoriasis verschlechtern und Medikamentenwirkungen beeinträchtigen
Unsere Seite zu Ernährung bietet weiterführende Informationen zu entzündungshemmenden Ernährungsstrategien.
Prognose: Wie entwickelt sich die Erkrankung?
Chancen auf ein gutes Leben mit Psoriasis-Arthritis
Die Prognose der Psoriasis-Arthritis ist heute deutlich günstiger als noch vor zwanzig Jahren. Dank moderner Biologika und zielgerichteter Therapien ist es für viele Betroffene möglich, die Erkrankung gut zu kontrollieren und ein weitgehend normales Leben zu führen. Dennoch handelt es sich um eine chronische Erkrankung, die in der Regel eine langfristige – oft lebenslange – medikamentöse Behandlung erfordert.
Ein wichtiger prognostischer Faktor ist der Zeitpunkt der Diagnose und Therapieeinleitung. Studien zeigen, dass eine frühe Therapie das Risiko für strukturelle Gelenkschäden erheblich reduziert. Patienten, die innerhalb der ersten sechs Monate nach Symptombeginn eine gezielte Therapie erhalten, haben deutlich bessere Langzeitergebnisse als solche, bei denen die Diagnose erst Jahre später gestellt wird.
Ungünstige Prognosefaktoren
Bestimmte Merkmale sind mit einem ungünstigeren Verlauf assoziiert und erfordern eine besonders intensive Therapie:
- Polyartikulärer Befall (viele Gelenke betroffen)
- Erhöhte Entzündungsmarker (CRP, BSG) bei Diagnosestellung
- Radiologisch nachweisbare Erosionen zu Beginn der Erkrankung
- Daktylitis und Nagelbeteiligung
- Eingeschränkte Funktionsfähigkeit (hoher HAQ-Score)
- Psoriasis mit hohem PASI-Score
- Begleiterkrankungen wie Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Risiko für bleibende Gelenkschäden
Ohne ausreichende Behandlung kann die Psoriasis-Arthritis zu dauerhaften Gelenkschäden führen. Studien zeigen, dass nach zehn Jahren Krankheitsdauer bei unzureichend behandelten Patienten in 40 bis 60 Prozent der Fälle radiologisch nachweisbare Gelenkzerstörungen vorliegen. Besonders die seltene Arthritis mutilans – die schwerste Verlaufsform – kann zu ausgeprägten Deformitäten und erheblichen Funktionseinbußen führen. Mit modernen Biologika lässt sich das radiologische Fortschreiten bei einem Großteil der Patienten aufhalten oder erheblich verlangsamen.
Auswirkungen auf Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit
Psoriasis-Arthritis beeinträchtigt nicht nur den Körper, sondern auch die Seele und das soziale Leben. Chronischer Schmerz, sichtbare Hautveränderungen und funktionelle Einschränkungen können zu Depressionen, sozialer Isolation und eingeschränkter Arbeitsfähigkeit führen. Studien belegen, dass die Lebensqualität von Betroffenen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich reduziert ist – besonders wenn die Erkrankung nicht ausreichend kontrolliert wird.
Eine gut eingestellte Therapie, psychosoziale Unterstützung und Selbsthilfegruppen können die Lebensqualität erheblich verbessern. Organisationen wie die Deutsche Rheuma-Liga bieten wertvolle Unterstützung, Informationen und Patientengruppen für Menschen mit Psoriasis-Arthritis an. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Rheumatologen (in der Regel alle drei bis sechs Monate bei aktiver Erkrankung) sind essenziell, um den Therapieerfolg zu überwachen und die Behandlung bei Bedarf anzupassen.
Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Psoriasis-Arthritis
Gut informiert – besser vorbereitet
Psoriasis-Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die Haut und Gelenke gleichermaßen betrifft und zur Gruppe der Spondyloarthritiden gehört. Sie entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Immunsystemfehlfunktion und äußeren Triggern. Zwischen 20 und 30 Prozent aller Menschen mit Schuppenflechte entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Gelenkbeteiligung – eine Zahl, die die klinische Bedeutung dieser Erkrankung unterstreicht.
Die Erkrankung ist durch ihre Vielfältigkeit gekennzeichnet: Sie kann als asymmetrische Oligoarthritis, symmetrische Polyarthritis, axiale Beteiligung, Enthesitis oder Daktylitis auftreten – und oft in Kombination. Begleiterkrankungen wie Uveitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose sind wichtige Aspekte, die bei der Gesamtbehandlung berücksichtigt werden müssen.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Psoriasis-Arthritis betrifft Haut und Gelenke; sie gehört zu den seropositiven Spondyloarthritiden
- In 70 % der Fälle geht die Hauterkrankung der Gelenkbeteiligung voraus
- Charakteristische Symptome: Morgensteifigkeit, Daktylitis, Enthesitis, DIP-Gelenk-Befall und Nagelveränderungen
- Diagnose anhand der CASPAR-Kriterien: Klinik, Labor, Bildgebung
- Therapie: Stufenplan von NSAR über csDMARDs zu Biologika und JAK-Inhibitoren
- Frühzeitige Therapie verbessert die Langzeitprognose erheblich
- Multimodaler Ansatz: Medikamente + Physiotherapie + Lebensstil + psychosoziale Unterstützung
- Ziel: Remission oder minimale Krankheitsaktivität (Treat-to-Target)
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Rheumatologen sind unerlässlich
Für Betroffene und ihre Angehörigen gilt: Psoriasis-Arthritis ist eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare Erkrankung. Mit der richtigen Therapie und einem gesunden Lebensstil ist es für viele Menschen möglich, ein aktives und erfülltes Leben zu führen. Weitere Informationen zu verwandten Themen finden Sie in unserem Arthrose-Ratgeber sowie auf unseren Seiten zu Gelenkschmerzen und Behandlungsmöglichkeiten.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Arzt oder Rheumatologen.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.
📚Wissenschaftliche Quellen
Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:
- 📋LeitlinieS3-Leitlinie Psoriasis-Arthritis (DGRh/DDG, 2019)https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/060-003
- 📋LeitlinieEULAR Recommendations for the Management of Psoriatic Arthritis (2019)https://ard.bmj.com/content/79/6/700
- 📊StudieTaylor W et al.: Classification Criteria for Psoriatic Arthritis (CASPAR). Arthritis Rheum. 2006https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16871531/
- Deutsche Rheuma-Liga: Informationen zur Psoriasis-Arthritishttps://www.rheuma-liga.de/erkrankungen/psoriasis-arthritis
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