Osteoporose
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Einleitung: Wenn Knochen still und leise brüchig werden
Eine der häufigsten und unterschätztesten Knochenerkrankungen weltweit
Osteoporose ist eine der verbreitetsten Erkrankungen des Skeletts – und dennoch bleibt sie bei Millionen von Menschen jahrelang unentdeckt. In Deutschland sind nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Osteologie (DGO) etwa sechs Millionen Menschen von Osteoporose betroffen, davon rund 80 Prozent Frauen. Doch auch Männer sowie jüngere Erwachsene können erkranken. Die Tücke dieser Erkrankung liegt in ihrer Stille: Osteoporose verursacht in den frühen Stadien oft keinerlei Schmerzen und wird daher häufig erst dann diagnostiziert, wenn bereits ein Knochen gebrochen ist.
Das Wort „Osteoporose" stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „poröser Knochen". Tatsächlich beschreibt dieser Name das Wesen der Erkrankung sehr treffend: Die Knochendichte nimmt ab, die innere Struktur des Knochens wird löchrig und gitterartig, und damit sinkt die mechanische Belastbarkeit erheblich. Was früher ein harmloses Stolpern oder ein unerwartetes Niesen war, kann bei fortgeschrittener Osteoporose bereits ausreichen, um einen Knochen zu brechen – besonders an der Wirbelsäule, dem Oberschenkelhals oder dem Handgelenk.
Viele Betroffene erleben den ersten Kontakt mit der Diagnose als Schock, weil sie bis dahin keine auffälligen Beschwerden hatten. Ein häufiges Szenario ist: Eine Frau Mitte sechzig stürzt beim Einkaufen leicht, und die Röntgenaufnahme im Krankenhaus zeigt nicht nur einen Knochenbruch, sondern auch eine bereits weit fortgeschrittene Osteoporose. Genau deshalb ist Aufklärung so wichtig – denn wer die Risikofaktoren kennt und frühzeitig handelt, kann den Verlauf der Erkrankung maßgeblich beeinflussen.
Dieser Ratgeber bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnosemöglichkeiten und aktuelle Behandlungsoptionen bei Osteoporose. Er richtet sich an Menschen, die sich selbst oder Angehörige schützen oder besser verstehen möchten, was in ihrem Körper vorgeht. Beachten Sie jedoch: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei konkreten Beschwerden oder Risikofaktoren sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.
Definition: Was ist Osteoporose genau?
Medizinische Grundlagen der Knochenerkrankung
Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine verringerte Knochenmasse und eine Verschlechterung der Knochenstruktur gekennzeichnet ist. Beides zusammen erhöht die Knochenbrüchigkeit und damit das Risiko für Frakturen – also Knochenbrüche – erheblich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Osteoporose offiziell anhand der sogenannten Knochendichtemessung: Liegt die gemessene Knochendichte um mehr als 2,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert einer gesunden, jungen Erwachsenengruppe (dem sogenannten T-Score von -2,5 oder darunter), spricht man von Osteoporose.
Der normale Knochenaufbau und was bei Osteoporose schiefläuft
Um Osteoporose zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf den gesunden Knochen: Knochen sind kein starres, totes Gewebe, sondern ein lebendes, sich ständig erneuerndes Organ. Im Innern des Knochens arbeiten zwei Zelltypen im ständigen Gleichgewicht: Osteoblasten bauen Knochengewebe auf, Osteoklasten bauen es ab. Dieser Prozess – das sogenannte „Remodeling" – sorgt dafür, dass Knochen sich an Belastungen anpassen, Mikrorisse repariert werden und das Skelett insgesamt jung und belastbar bleibt.
Bei Osteoporose gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance. Die Osteoklasten werden aktiver oder die Osteoblasten weniger produktiv – das Ergebnis ist ein Nettoverlust an Knochenmasse. Die Spongiosa, das schwammartige Innengitter des Knochens, wird dünner und löchriger. Die Kortikalis, die harte äußere Schicht, verliert an Dicke. Der Knochen sieht von außen oft noch normal aus, ist aber innerlich geschwächt.
Abgrenzung zu verwandten Erkrankungen
Osteoporose ist klar von der Osteomalazie (Knochenerweichung durch Vitamin-D-Mangel) und der Arthrose (Gelenkverschleiß) zu unterscheiden, auch wenn diese Erkrankungen mitunter gleichzeitig auftreten können. Informationen zur Arthrose finden Sie in unserem Arthrose-Ratgeber. Während Arthrose primär den Knorpel in den Gelenken betrifft, verändert Osteoporose die Struktur des Knochengewebes selbst. Beide Erkrankungen können jedoch gemeinsam auftreten und sich in ihren Auswirkungen gegenseitig verstärken.
Eine wichtige Unterscheidung betrifft auch die Osteopenie: Dabei handelt es sich um eine verminderte Knochendichte, die zwar bereits über den Normalwert hinausgeht, aber noch nicht die Schwelle zur Osteoporose erreicht. Der T-Score liegt bei Osteopenie zwischen -1,0 und -2,5. Osteopenie ist als Warnsignal zu verstehen – eine Osteoporose muss sich daraus nicht zwangsläufig entwickeln, aber das Risiko ist erhöht.
Ursachen und Risikofaktoren: Warum werden Knochen brüchig?
Primäre und sekundäre Osteoporose
Medizinisch wird zwischen zwei Hauptformen der Osteoporose unterschieden: der primären und der sekundären Osteoporose. Die primäre Form ist bei weitem die häufigere und tritt ohne eine eindeutig benennbare Grunderkrankung auf. Die sekundäre Osteoporose hingegen entwickelt sich als Folge einer anderen Erkrankung oder einer bestimmten Medikamenteneinnahme.
Die primäre Osteoporose wird weiter unterteilt in:
- Typ I (postmenopausale Osteoporose): Betrifft vor allem Frauen in den Jahren nach der Menopause. Der Abfall des Östrogens – eines Hormons, das unter anderem die Knochensubstanz schützt – führt zu einem beschleunigten Knochenabbau. In den ersten fünf bis zehn Jahren nach der Menopause können Frauen bis zu 20 Prozent ihrer Knochendichte verlieren.
- Typ II (senile Osteoporose): Tritt bei beiden Geschlechtern ab etwa dem 70. Lebensjahr auf und ist Folge des allgemeinen Alterungsprozesses, der nachlassenden Vitamin-D-Synthese und hormoneller Veränderungen.
Sekundäre Ursachen: Wenn andere Erkrankungen die Knochen schwächen
Sekundäre Osteoporose kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden:
- Medikamente: Besonders Kortikosteroide (z. B. Cortison), die langfristig eingenommen werden, sind ein bedeutsamer Risikofaktor. Auch bestimmte Antiepileptika, Protonenpumpenhemmer und Aromatasehemmer (bei Brustkrebs-Therapie) können den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen.
- Hormonstörungen: Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Nebenschilddrüsenüberfunktion (Hyperparathyreoidismus), Cushing-Syndrom oder Hypogonadismus (verminderte Hormonproduktion der Keimdrüsen) fördern den Knochenabbau.
- Chronische Erkrankungen: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Zöliakie, Nierenerkrankungen und rheumatoide Arthritis beeinträchtigen die Nährstoffaufnahme oder fördern Entzündungsprozesse, die den Knochen schädigen.
- Essstörungen: Anorexia nervosa und extreme Mangelernährung führen zu einem kritischen Mangel an Calcium und anderen knochenaufbauenden Nährstoffen.
Lebensstilfaktoren und modifizierbare Risiken
Neben den medizinischen Ursachen spielen Lebensstilfaktoren eine bedeutende Rolle – und das ist gleichzeitig die gute Nachricht, denn viele dieser Risiken lassen sich beeinflussen:
- Calcium- und Vitamin-D-Mangel: Calcium ist der wichtigste Baustoff des Knochens, Vitamin D ist für die Calciumaufnahme im Darm unverzichtbar. Ein chronischer Mangel an beiden Substanzen fördert Osteoporose erheblich.
- Bewegungsmangel: Körperliche Belastung ist der wichtigste Stimulus für den Knochenaufbau. Wer sich wenig bewegt, verliert Knochenmasse schneller.
- Rauchen: Nikotin hemmt die Osteoblasten und beeinträchtigt die Östrogenproduktion bei Frauen.
- Übermäßiger Alkoholkonsum: Alkohol stört den Calcium- und Vitamin-D-Stoffwechsel und erhöht das Sturzrisiko.
- Untergewicht und niedriges Körpergewicht: Ein Body-Mass-Index (BMI) unter 20 ist mit einer niedrigeren Knochendichte assoziiert.
- Hoher Koffeinkonsum: Sehr hohe Mengen Kaffee können die Calciumausscheidung über den Urin erhöhen.
- Unzureichende Sonnenexposition: Vitamin D wird überwiegend in der Haut durch Sonnenlicht gebildet. In Deutschland ist ein Vitamin-D-Mangel weit verbreitet, besonders in den Wintermonaten.
Genetische Faktoren: Die familiäre Komponente
Auch die genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Wer Eltern oder Geschwister mit Osteoporose hat, trägt selbst ein erhöhtes Risiko. Ebenso sind bestimmte ethnische Gruppen – insbesondere Menschen mit heller Haut und schlankem Körperbau – häufiger betroffen als andere. Die genetische Komponente lässt sich nicht verändern, macht aber eine frühzeitige Vorsorge besonders wichtig.
Symptome: Die stille Krankheit erkennen
Warum Osteoporose so lange unbemerkt bleibt
Osteoporose wird nicht umsonst als „stille Krankheit" bezeichnet. In den frühen Phasen verursacht sie in der Regel keinerlei Beschwerden – weder Schmerzen noch sichtbare Veränderungen. Der Knochenverlust vollzieht sich schleichend über viele Jahre hinweg, ohne dass Betroffene davon etwas merken. Viele Menschen erfahren erst durch einen Knochenbruch – häufig nach einem harmlosen Sturz oder sogar spontan – dass ihre Knochendichte bereits kritisch niedrig ist.
Diese Eigenschaft der Osteoporose macht Prävention und Früherkennung so bedeutsam. Wer Risikofaktoren kennt und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt, hat deutlich bessere Chancen, die Erkrankung vor dem ersten Bruch zu erkennen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Warnsignalen finden Sie auch auf unserer Seite zu den Osteoporose-Symptomen.
Typische Symptome und Beschwerden im Überblick
Mit fortschreitender Erkrankung können folgende Symptome auftreten:
- Rückenschmerzen: Häufig das erste Symptom, das Betroffene bemerken. Schmerzen im Rücken entstehen durch Mikrofrakturen oder Wirbelkörpereinbrüche, besonders im Brust- und Lendenwirbelbereich. Die Schmerzen können chronisch und belastungsabhängig sein.
- Körpergrößenabnahme: Ein scheinbar harmloser Befund, der bei näherer Betrachtung ernst zu nehmen ist. Eingebrochene Wirbelkörper führen zu einer messbaren Verkürzung der Körpergröße – oft um mehrere Zentimeter über die Jahre.
- Rundrücken (Kyphose): Wenn mehrere Wirbelkörper in der Brustwirbelsäule einbrechen, entsteht eine typische Vorwärtskrümmung des Rückens, die im Volksmund als „Witwenbuckel" bezeichnet wird. Diese Haltungsveränderung ist für viele Betroffene nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belastend.
- Knochenbrüche nach Bagatelltrauma: Brüche, die durch minimale Krafteinwirkung entstehen – etwa durch einen einfachen Sturz aus Standhöhe, manchmal sogar durch Husten oder Niesen – sind ein klassisches Zeichen fortgeschrittener Osteoporose. Typische Lokalisation: Wirbelkörper, Unterarm (Radiusfraktur), Oberschenkelhals (hüftnahe Fraktur).
- Schmerzen im Bereich der Wirbelkörperfrakturen: Nach einem Wirbelkörpereinbruch kommt es oft zu akuten, starken Schmerzen, die sich mit der Zeit bessern, aber chronisch werden können.
- Eingeschränkte Beweglichkeit und Körperhaltung: Durch Schmerzen und strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule wird die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt.
- Muskelschmerzen und Muskelschwäche: Oft als Begleiterscheinung, teilweise durch Vitamin-D-Mangel mitverursacht.
- Angst vor Stürzen: Viele Betroffene entwickeln eine zunehmende Sturzangst, die ihrerseits zu weniger Bewegung und damit zu weiterem Knochenabbau führt – ein ungünstiger Kreislauf.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Bitte suchen Sie zeitnah einen Arzt auf, wenn:
- Sie nach einem harmlosen Sturz oder ohne erkennbaren Grund starke Schmerzen in Rücken, Hüfte oder Handgelenk haben
- Sie in den letzten Jahren messbar kleiner geworden sind (mehr als zwei bis drei Zentimeter)
- Sie eine deutlich veränderte Körperhaltung bemerken (zunehmende Krümmung des Rückens)
- In Ihrer Familie Osteoporose oder häufige Knochenbrüche aufgetreten sind
- Sie Medikamente einnehmen, die den Knochen belasten (z. B. langfristig Kortison)
- Sie in der Menopause sind oder waren und sich bisher noch nie auf Osteoporose untersuchen ließen
Auch anhaltende Gelenkschmerzen im Bereich der Wirbelsäule oder Hüfte sollten ärztlich abgeklärt werden, da sie auf verschiedene Erkrankungen hinweisen können, darunter auch Osteoporose.
Stadien: Wie entwickelt sich Osteoporose im Verlauf?
Die vier Schweregrade der Osteoporose
Osteoporose verläuft nicht von heute auf morgen. Es handelt sich um einen schleichenden Prozess, der sich über Jahrzehnte entwickelt und in verschiedene Stadien eingeteilt wird. Das Verständnis dieser Stadien hilft, die Erkrankung einzuordnen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
Die WHO-basierte Klassifikation nach dem T-Score der Knochendichtemessung unterscheidet:
| Stadium | T-Score | Beschreibung |
|---|---|---|
| Normalbefund | über -1,0 | Knochendichte im normalen Bereich |
| Osteopenie | -1,0 bis -2,5 | Verminderte Knochendichte, Vorstufe der Osteoporose |
| Osteoporose | unter -2,5 | Deutlich reduzierte Knochendichte, erhöhtes Frakturrisiko |
| Schwere Osteoporose | unter -2,5 + Fraktur | Manifeste Osteoporose mit bereits eingetretenen Brüchen |
Stadium 1: Kein Symptom, aber bereits Verlust
In der ersten Phase beginnt der Knochenabbau, ohne dass Betroffene dies wahrnehmen. Die Knochendichte liegt noch im Bereich der Osteopenie. Schmerzen fehlen völlig, Brüche treten nicht auf. Dieser Zeitraum ist besonders wichtig für präventive Maßnahmen – Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls Supplementierung von Calcium und Vitamin D können den Verlauf noch maßgeblich beeinflussen.
Stadium 2 und 3: Zunehmende Gefährdung
Mit sinkendem T-Score steigt das Frakturrisiko exponentiell an. Studien zeigen, dass jede Abnahme der Knochendichte um eine Standardabweichung das Frakturrisiko etwa verdoppelt. In dieser Phase können bei körperlicher Belastung erste Rückenschmerzen auftreten, die oft fälschlicherweise als normale Rückenbeschwerden oder Muskelverspannungen abgetan werden. Bildgebende Verfahren können bereits strukturelle Veränderungen der Wirbelkörper zeigen.
Stadium 4: Die manifeste Osteoporose
In der schwersten Ausprägung ist die Knochendichte so stark reduziert, dass es zu sogenannten Fragilitätsfrakturen kommt – Brüchen, die bei minimaler mechanischer Einwirkung entstehen. Typisch sind hier:
- Wirbelkörperfrakturen: Oft ohne dramatisches Trauma, manchmal sogar beim Heben einer leichten Last oder beim Bücken. Sie sind die häufigsten osteoporotischen Frakturen und bleiben oft unbemerkt.
- Hüftfrakturen (proximale Femurfraktur): Eine der gefährlichsten Folgen. Im ersten Jahr nach einer hüftnahen Fraktur liegt die Sterblichkeitsrate bei älteren Patienten je nach Studie zwischen 15 und 30 Prozent – ein deutliches Zeichen, wie ernst diese Komplikation zu nehmen ist.
- Unterarmfrakturen (distale Radiusfraktur): Häufig Folge eines Sturzes auf die ausgestreckte Hand.
Was viele Patienten nicht wissen: Knochenbrüche als Erstsymptom
Ein besonders wichtiger Aspekt, der in der Bevölkerung wenig bekannt ist: Etwa zwei Drittel aller Wirbelkörperfrakturen bei Osteoporose werden nicht als solche erkannt oder ärztlich behandelt, weil die Schmerzen falsch eingeordnet werden. Betroffene und manchmal sogar behandelnde Ärzte denken zunächst an Muskelverspannungen oder normale Verschleißerscheinungen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und ein kritischer Blick auf Rückenschmerzen – besonders bei bekannten Risikofaktoren – sind daher entscheidend.
Diagnose: Wie wird Osteoporose festgestellt?
Der Weg zur Diagnose
Die Diagnose Osteoporose stützt sich auf mehrere Säulen: das ärztliche Gespräch (Anamnese), körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren und Laboruntersuchungen. Da die Erkrankung häufig symptomlos verläuft, ist eine gezielte Diagnostik bei Vorliegen von Risikofaktoren besonders wichtig. In Deutschland haben Frauen ab 70 Jahren und Männer ab 80 Jahren bei entsprechenden Risikofaktoren Anspruch auf eine Knochendichtemessung als Kassenleistung.
Die Knochendichtemessung (DXA)
Das Standardverfahren zur Diagnose der Osteoporose ist die sogenannte DXA-Messung (Dual-Energy-X-ray-Absorptiometry). Bei dieser schmerzlosen Untersuchung werden niedrig dosierte Röntgenstrahlen eingesetzt, um die Knochendichte an bestimmten Körperstellen – typischerweise Lendenwirbelsäule und Oberschenkelhals – zu messen. Die Strahlenbelastung ist dabei sehr gering, deutlich niedriger als bei einer normalen Röntgenaufnahme.
Das Ergebnis wird als T-Score angegeben und mit dem Mittelwert der Knochendichte junger Erwachsener verglichen. Alternativ wird der Z-Score genutzt, der die Knochendichte mit gleichaltrigen Personen desselben Geschlechts vergleicht – besonders relevant bei jüngeren Patienten oder zur Abklärung sekundärer Ursachen.
Laboruntersuchungen: Was das Blut verrät
Blutuntersuchungen sind ein wichtiger Bestandteil der Osteoporose-Diagnostik, vor allem um sekundäre Ursachen auszuschließen und den Knochenumbau zu beurteilen:
- Calcium und Phosphat im Blut und Urin – Hinweise auf Stoffwechselstörungen
- Vitamin D (25-OH-Vitamin D) – Mangel ist bei Osteoporose-Patienten häufig
- Parathormon (PTH) – erhöhte Werte können auf eine Nebenschilddrüsenüberfunktion hinweisen
- Schilddrüsenwerte (TSH) – Schilddrüsenüberfunktion als mögliche sekundäre Ursache
- Knochenumbaumarker: Substanzen wie β-Crosslaps (Marker für Knochenabbau) und Osteocalcin (Marker für Knochenaufbau) können den Aktivitätsgrad des Knochenumbaus zeigen
- Blutbild, Nierenwerte, Leberenzyme – zur allgemeinen Beurteilung und zum Ausschluss weiterer Erkrankungen
- Geschlechtshormone (Östrogen, Testosteron) – besonders relevant bei jüngeren Patienten und bei Verdacht auf Hypogonadismus
Bildgebende Verfahren
Eine konventionelle Röntgenaufnahme der Wirbelsäule kann bereits vorhandene Wirbelkörperfrakturen, Höhenminderungen oder typische Verformungen der Wirbelkörper (Keil- oder Fischwirbel) sichtbar machen. Allerdings ist ein Knochenverlust im Röntgenbild erst ab etwa 30 Prozent Verlust erkennbar – für eine Frühdiagnose ist die DXA-Messung daher wesentlich sensibler.
In besonderen Fällen kommen auch CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) zum Einsatz, etwa um frische von älteren Wirbelkörperfrakturen zu unterscheiden oder um andere Ursachen für Schmerzen auszuschließen.
Das FRAX-Tool: Frakturrisiko individuell berechnen
Das von der WHO entwickelte FRAX-Tool (Fracture Risk Assessment Tool) ermöglicht eine individuelle Berechnung des 10-Jahres-Frakturrisikos. Dabei werden neben dem T-Score auch Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Raucherstatus, Alkoholkonsum, Sturzrisiko, familiäre Vorbelastung und eventuelle Kortikosteroideinnahme berücksichtigt. Dieses Instrument hilft Ärzten, die Indikation für eine medikamentöse Behandlung zu stellen – selbst wenn der T-Score allein nicht eindeutig genug ist.
Behandlung: Was hilft bei Osteoporose wirklich?
Individuelle Therapie auf mehreren Ebenen
Die Behandlung der Osteoporose ist immer individuell und richtet sich nach Schweregrad der Erkrankung, Frakturrisiko, Grunderkrankungen und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Ein modernes Therapiekonzept umfasst immer mehrere Bausteine: Basismaßnahmen wie Ernährung und Bewegung, gegebenenfalls medikamentöse Therapie sowie Maßnahmen zur Sturzprophylaxe. Einen allgemeinen Überblick zu Behandlungsoptionen finden Sie auch in unserem Bereich Behandlung.
Basistherapie: Calcium und Vitamin D
Die Grundlage jeder Osteoporose-Behandlung bildet eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine Calciumzufuhr von etwa 1000 mg täglich – bei Osteoporose-Patienten und älteren Menschen oft etwas mehr. Vitamin D sollte in einer Tagesdosis von mindestens 800 bis 1000 IE (Internationale Einheiten) zugeführt werden, da die körpereigene Produktion mit dem Alter und bei mangelnder Sonnenexposition abnimmt.
Idealerweise werden diese Nährstoffe über die Ernährung aufgenommen. Calcium-reiche Lebensmittel sind unter anderem Milchprodukte, grünes Blattgemüse (Brokkoli, Grünkohl), Mandeln und calciumreiches Mineralwasser. Gute Vitamin-D-Quellen sind fetter Fisch, Eier und – am wichtigsten – regelmäßige Sonnenexposition. Reicht die Zufuhr über die Ernährung nicht aus, können Präparate sinnvoll sein, die jedoch mit dem Arzt abgesprochen werden sollten. Mehr Informationen zur richtigen Ernährung finden Sie in unserem Artikel zur Osteoporose-Ernährung sowie im allgemeinen Bereich Ernährung.
Medikamentöse Therapie: Die wichtigsten Wirkstoffklassen
Bei gesicherter Osteoporose mit erhöhtem Frakturrisiko ist in vielen Fällen eine medikamentöse Therapie indiziert. Die wichtigsten Wirkstoffklassen sind:
- Bisphosphonate (z. B. Alendronsäure, Risedronsäure, Zoledronat): Diese Medikamente hemmen die knochenabbauenden Osteoklasten und gehören zu den am häufigsten eingesetzten Osteoporose-Medikamenten. Sie können als Tablette (täglich, wöchentlich oder monatlich) oder als Infusion (einmal jährlich) verabreicht werden. Studien belegen eine deutliche Reduktion des Frakturrisikos.
- Denosumab: Ein Antikörper, der die Osteoklastenaktivität hemmt und alle sechs Monate als Injektion verabreicht wird. Besonders geeignet bei Patienten, die Bisphosphonate nicht vertragen.
- Teriparatid und Abaloparatid: Synthetische Abkömmlinge des Parathormons, die nicht den Knochenabbau hemmen, sondern aktiv den Knochenaufbau stimulieren. Sie werden täglich als Injektion verabreicht und sind für Patienten mit schwerer Osteoporose und hohem Frakturrisiko geeignet.
- Romosozumab: Ein neuerer Antikörper, der gleichzeitig den Knochenaufbau fördert und den Knochenabbau hemmt (sogenannte duale Wirkung). Er wird monatlich injiziert und ist für Patienten mit sehr hohem Frakturrisiko zugelassen.
- Raloxifen (selektiver Östrogenrezeptor-Modulator): Wirkt östrogenähnlich auf den Knochen und schützt vor Wirbelkörperfrakturen. Vor allem für postmenopausale Frauen geeignet.
- Hormonersatztherapie: Die Einnahme von Östrogenen kann den postmenopausalen Knochenabbau verlangsamen, wird aber wegen möglicher Nebenwirkungen (u. a. erhöhtes Thrombose- und Brustkrebsrisiko) nur nach sorgfältiger individueller Abwägung eingesetzt.
Bewegungstherapie: Der unverzichtbare Therapiebaustein
Bewegung ist für die Knochengesundheit von zentraler Bedeutung – und das gilt sowohl zur Vorbeugung als auch in der Therapie. Mechanische Belastung stimuliert die Osteoblasten zur Knochenbildung. Empfohlen werden:
- Krafttraining: Gezieltes Muskeltraining stärkt nicht nur die Muskeln, sondern stimuliert auch den Knochen. Besonders wirksam sind Übungen mit Gewichten oder am Gerät.
- Gleichgewichtstraining: Tai Chi, Yoga und spezifische Gleichgewichtsübungen reduzieren das Sturzrisiko und damit das Frakturrisiko erheblich.
- Ausdauersport: Gehen, Nordic Walking oder leichtes Joggen auf ebenem Untergrund sind gelenk- und knochenfreundliche Aktivitäten.
- Wassergymnastik: Für Menschen mit eingeschränkter Belastbarkeit oder Schmerzen eine gelenkschonende Alternative – allerdings fehlt im Wasser die schwerkraftbedingte Belastung, die den Knochen stimuliert.
Nicht empfohlen bei schwerer Osteoporose sind Sportarten mit hohem Sturzrisiko (Skifahren, Reiten) oder Bewegungen, die mit starker Vorwärtsbeugung oder Drehbewegungen der Wirbelsäule verbunden sind.
Sturzprophylaxe: Der oft unterschätzte Aspekt
Da bei Osteoporose-Patienten bereits ein einfacher Sturz zu einem schwerwiegenden Knochenbruch führen kann, ist die Sturzprophylaxe ein essenzieller Teil der Therapie. Maßnahmen umfassen:
- Beseitigung von Stolperfallen in der Wohnung (lose Teppiche, Kabel, unzureichende Beleuchtung)
- Anbringen von Haltegriffen in Bad und Toilette
- Überprüfung und Anpassung von Medikamenten, die Schwindel oder Benommenheit verursachen können
- Regelmäßige Sehkraftkontrollen
- Einsatz von Hüftprotektoren bei sturzgefährdeten Patienten
- Physiotherapeutische Gleichgewichtsschulung
Prognose: Wie entwickelt sich Osteoporose langfristig?
Heilung oder Kontrolle? Was wirklich möglich ist
Osteoporose ist eine chronische Erkrankung, die nicht im klassischen Sinne „geheilt" werden kann. Das heißt jedoch keineswegs, dass Betroffene dem Verlauf hilflos ausgeliefert sind. Mit den heute verfügbaren Mitteln ist es in vielen Fällen möglich, die Knochendichte zu stabilisieren, das Frakturrisiko deutlich zu senken und die Lebensqualität zu erhalten oder sogar zu verbessern.
Faktoren, die die Prognose beeinflussen
Die Langzeitprognose hängt von mehreren Faktoren ab:
- Zeitpunkt der Diagnose: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto größer sind die Möglichkeiten, den Verlauf positiv zu beeinflussen. Eine Diagnose vor der ersten Fraktur ist prognostisch deutlich günstiger.
- Konsequenz der Behandlung: Studien zeigen, dass viele Patienten ihre Osteoporose-Medikamente nicht regelmäßig einnehmen. Die Therapietreue (Adhärenz) ist ein entscheidender Faktor für den Behandlungserfolg.
- Risikofaktor-Management: Wer mit dem Rauchen aufhört, Alkohol reduziert, sich ausgewogen ernährt und regelmäßig bewegt, kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
- Vermeidung von Stürzen: Die konsequente Sturzprophylaxe kann die Rate an Frakturen und damit die gravierendsten Komplikationen erheblich reduzieren.
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei sekundärer Osteoporose ist die Behandlung der auslösenden Ursache (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Morbus Crohn) für die Prognose entscheidend.
Die besondere Gefahr der Hüftfraktur
Die schwerwiegendste Komplikation der Osteoporose ist die hüftnahe Fraktur. Sie erfordert in fast allen Fällen eine Operation und eine langwierige Rehabilitation. Wie bereits erwähnt, liegt die Sterblichkeit im ersten Jahr nach einer Hüftfraktur bei älteren Patienten erschreckend hoch. Überlebende Patienten leiden häufig an dauerhaften Einschränkungen ihrer Mobilität und Selbstständigkeit. Genau deshalb ist die Prävention – also die Verhinderung der ersten und weiterer Frakturen – das oberste Ziel der Osteoporose-Therapie.
Positive Entwicklungen durch neue Therapiemöglichkeiten
Die gute Nachricht: Die Osteoporose-Forschung schreitet voran. Neuere Medikamente wie Romosozumab, das gleichzeitig Knochen aufbaut und dessen Abbau hemmt, eröffnen neue Therapieperspektiven, besonders für Patienten mit sehr hohem Frakturrisiko. Auch die Möglichkeiten der interdisziplinären Versorgung – durch Zusammenarbeit von Orthopäden, Endokrinologen, Ernährungsmedizinern und Physiotherapeuten – verbessern die Behandlungsergebnisse kontinuierlich.
Viele Betroffene erleben, dass sie durch eine konsequente Therapie nach zwei bis drei Jahren eine messbare Verbesserung der Knochendichte erzielen. Auch wenn die ursprüngliche Dichte oft nicht vollständig wiederhergestellt werden kann, ist bereits eine Stabilisierung ein bedeutsamer Therapieerfolg, der das Frakturrisiko deutlich senkt.
Zusammenfassung: Das Wichtigste zu Osteoporose auf einen Blick
Die zentralen Erkenntnisse kompakt
Osteoporose ist eine häufige, ernsthafte, aber gut behandelbare Knochenerkrankung. Sie betrifft in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen, überwiegend Frauen nach der Menopause, aber auch Männer und jüngere Erwachsene mit entsprechenden Risikofaktoren. Die Erkrankung verläuft lange Zeit ohne Symptome und wird daher oft erst nach dem ersten Knochenbruch diagnostiziert.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Osteoporose bedeutet Verlust von Knochenmasse und -struktur mit erhöhtem Bruchrisiko
- Sie ist nicht gleichzusetzen mit Arthrose (Gelenkverschleiß), kann aber gleichzeitig auftreten – mehr dazu in unserem Arthrose-Ratgeber
- Risikofaktoren sind u. a. Östrogenmangel nach der Menopause, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol, Calcium- und Vitamin-D-Mangel sowie bestimmte Medikamente und Erkrankungen
- Die Standarddiagnostik umfasst Knochendichtemessung (DXA), Laborwerte und bei Bedarf bildgebende Verfahren
- Behandelt wird auf mehreren Ebenen: Basistherapie mit Calcium und Vitamin D, Bewegung, Sturzprophylaxe und – bei Indikation – medikamentöse Therapie
- Neue Medikamente (Romosozumab, Teriparatid, Denosumab) ermöglichen auch bei schwerer Osteoporose wirksame Therapieoptionen
- Früherkennung und konsequente Therapie können das Frakturrisiko deutlich senken und die Lebensqualität erhalten
- Wer Risikofaktoren hat, sollte proaktiv eine ärztliche Beratung und gegebenenfalls eine Knochendichtemessung in Anspruch nehmen
Ein abschließender Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Osteoporose ist eine ernstzunehmende Erkrankung, deren Diagnose und Behandlung immer in Abstimmung mit einem qualifizierten Arzt erfolgen sollte. Bei Verdacht auf Osteoporose, nach einem Knochenbruch oder bei bestehenden Risikofaktoren zögern Sie bitte nicht, ärztlichen Rat zu suchen. Früh handeln ist besser als spät reagieren.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.
📚Wissenschaftliche Quellen
Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:
- 📋
- 📋LeitlinieWHO Scientific Group on the Assessment of Osteoporosis at Primary Health Care Levelhttps://www.who.int/publications/i/item/WHO-EDM-CPC-2004.1
- 📋LeitlinieAWMF: S3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporosehttps://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/183-001
- 📊StudieRobert Koch-Institut: Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Osteoporosehttps://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Chronische_Erkrankungen/Osteoporose/Osteoporose_node.html
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