Psoriasis-Arthritis: Wenn Schuppenflechte auf Gelenke übergeht
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Einleitung: Eine Erkrankung, die mehr ist als Hautprobleme
Wenn die Haut nur der Anfang ist
Viele Menschen kennen Schuppenflechte als eine Erkrankung der Haut – mit geröteten, schuppenden Stellen, die oft an Ellenbogen, Knien oder der Kopfhaut auftreten. Was jedoch deutlich weniger bekannt ist: Bei einem erheblichen Anteil der Betroffenen greift die Erkrankung auf die Gelenke über. Die sogenannte Psoriasis-Arthritis ist eine entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung, die eng mit der Schuppenflechte (Psoriasis) verknüpft ist und das Leben der Betroffenen massiv beeinflussen kann.
Nach aktuellen Schätzungen entwickeln etwa 20 bis 30 Prozent aller Menschen mit Psoriasis im Laufe ihres Lebens auch eine Psoriasis-Arthritis. In Deutschland sind schätzungsweise 125.000 bis 200.000 Menschen von dieser Gelenkerkrankung betroffen, wobei die tatsächliche Zahl aufgrund von Unterdiagnosen vermutlich noch höher liegt. Die Erkrankung tritt häufig zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf, kann aber grundsätzlich in jedem Alter beginnen.
Ein häufiges Szenario ist, dass Betroffene zunächst jahrelang mit Schuppenflechte leben, bevor sich Gelenkentzündungen bemerkbar machen. Der Übergang ist oft schleichend: Zunächst treten gelegentliche Gelenkschmerzen auf, die nicht eindeutig zugeordnet werden. Erst mit der Zeit wird das Muster klarer. Viele Betroffene berichten, dass sie lange Zeit nicht wussten, dass ihre Gelenkbeschwerden mit der Schuppenflechte zusammenhängen könnten.
Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die Psoriasis-Arthritis: Was sie ist, wie sie entsteht, welche Symptome typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Wenn Sie selbst Hautveränderungen durch Schuppenflechte haben und gleichzeitig unter Gelenkschmerzen leiden, sollten Sie dieses Thema besonders aufmerksam verfolgen und zeitnah ärztliche Hilfe suchen.
Definition: Was ist Psoriasis-Arthritis genau?
Medizinische Einordnung der Erkrankung
Die Psoriasis-Arthritis (PsA) ist eine chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung, die zur Gruppe der Spondyloarthritiden zählt. Dieser Oberbegriff umfasst eine Familie verwandter rheumatischer Erkrankungen, die bestimmte gemeinsame Merkmale teilen: Sie betreffen neben den Gelenken häufig auch die Wirbelsäule, verlaufen entzündlich und hängen oft mit dem Immunsystem sowie bestimmten genetischen Faktoren zusammen. Zur selben Gruppe gehören unter anderem die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) und die reaktive Arthritis.
Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis – der bekanntesten entzündlichen Gelenkerkrankung – ist die Psoriasis-Arthritis in der Regel seronegativ, das heißt, der Rheumafaktor im Blut ist häufig negativ. Dies ist ein wichtiges diagnostisches Merkmal, das bei der Abgrenzung zu anderen rheumatischen Erkrankungen eine Rolle spielt. Zudem befällt die Psoriasis-Arthritis charakteristischerweise häufiger die Endgelenke der Finger und Zehen sowie die Wirbelsäule.
Klassifikation nach klinischen Mustern
Mediziner unterscheiden bei der Psoriasis-Arthritis verschiedene klinische Verlaufsformen, die sich in der Art und Verteilung der betroffenen Gelenke unterscheiden:
- Oligoartikuläre Form: Weniger als fünf Gelenke sind betroffen, häufig asymmetrisch verteilt. Dies ist eine der häufigsten Formen.
- Polyartikuläre Form: Fünf oder mehr Gelenke sind gleichzeitig entzündet, oft ähnlich wie bei rheumatoider Arthritis.
- Distale Form: Vorwiegend die Endgelenke von Fingern und Zehen sind betroffen – eine für die Psoriasis-Arthritis charakteristische, wenn auch seltene Erscheinungsform.
- Spondylarthritische Form: Hauptsächlich die Wirbelsäule und die Iliosakralgelenke (Kreuz-Darmbein-Gelenke) sind entzündet.
- Mutilans-Form: Die schwerwiegendste Verlaufsform mit ausgeprägter Gelenkzerstörung, vor allem der kleinen Fingergelenke.
Die Abgrenzung zu anderen rheumatischen Erkrankungen ist für die richtige Therapie entscheidend. Mehr über rheumatische Erkrankungen im Allgemeinen finden Sie in unserem Rheuma-Ratgeber.
Die Psoriasis-Arthritis ist eine Systemerkrankung, was bedeutet, dass sie nicht nur auf die Gelenke beschränkt ist. Sie kann Entzündungen an Sehnenansätzen (Enthesitiden), Schleimbeutelentzündungen, Augenerkrankungen (Uveitis), Entzündungen von ganzen Fingern oder Zehen (Daktylitis, auch „Wurstfinger" genannt) sowie Nagelbeteiligung verursachen. Diese Vielfalt der Symptome macht die Diagnose zu einer medizinischen Herausforderung.
Zusammenhang zwischen Schuppenflechte und Gelenkbeteiligung
Haut und Gelenke – eine unerwartete Verbindung
Der Zusammenhang zwischen Schuppenflechte und Gelenkentzündung war lange Zeit nicht vollständig verstanden. Heute weiß man, dass beide Erkrankungen denselben immunologischen Ursprung haben: Das Immunsystem ist fehlreguliert und richtet sich gegen körpereigenes Gewebe. Bei der Schuppenflechte betrifft dies vor allem die Haut, bei der Psoriasis-Arthritis zusätzlich die Gelenke, Sehnen und das umliegende Gewebe.
In etwa 75 bis 80 Prozent der Fälle geht die Hauterkrankung der Gelenkentzündung voraus – manchmal um viele Jahre oder sogar Jahrzehnte. Bei rund 15 Prozent der Betroffenen treten Haut- und Gelenkbeschwerden gleichzeitig auf. Bei einem kleinen Teil der Patienten (etwa 5 bis 10 Prozent) entwickeln sich die Gelenksymptome sogar vor den sichtbaren Hautveränderungen, was die Diagnose erheblich erschwert.
Was bedeutet das für die Krankheitslast?
Viele Betroffene erleben eine doppelte Belastung: Einerseits die psychische und physische Bürde der sichtbaren Hautveränderungen durch Psoriasis, andererseits die funktionellen Einschränkungen durch die Gelenkbeteiligung. Studien zeigen, dass Menschen mit Psoriasis-Arthritis im Vergleich zu Menschen mit Psoriasis allein eine deutlich verringerte Lebensqualität aufweisen.
Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass der Schweregrad der Hauterkrankung nicht unbedingt mit dem Ausmaß der Gelenkbeteiligung korreliert. Das bedeutet: Auch Menschen mit nur leichten Hautveränderungen können eine ausgeprägte und schwerwiegende Psoriasis-Arthritis entwickeln. Umgekehrt haben manche Menschen trotz sehr ausgeprägter Schuppenflechte keine nennenswerten Gelenkbeschwerden.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Psoriasis-Arthritis
Nicht jeder Mensch mit Psoriasis entwickelt eine Arthritis. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko:
- Befall der Nägel durch Psoriasis (Nagelpsoriasis) – dieser gilt als einer der stärksten Risikofaktoren
- Befall der Kopfhaut
- Befall der Hautfalten (inverse Psoriasis)
- Positive Familienanamnese für Psoriasis-Arthritis
- Bestimmte genetische Merkmale (HLA-B27, HLA-Cw6)
- Übergewicht und metabolisches Syndrom
- Rauchen
- Vorausgegangene Verletzungen oder Infektionen
- Starker psychischer Stress als Triggerfaktor
Das Wissen um diese Risikofaktoren ist wichtig, da betroffene Personen besonders aufmerksam auf erste Gelenksymptome achten und frühzeitig ärztlichen Rat suchen sollten. Eine frühe Diagnose und Behandlung kann langfristige Gelenkschäden deutlich reduzieren.
Ursachen und Entstehungsmechanismen der Psoriasis-Arthritis
Ein komplexes Zusammenspiel von Genen und Umwelt
Die genauen Ursachen der Psoriasis-Arthritis sind bis heute nicht vollständig geklärt. Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass es sich um eine multifaktorielle Erkrankung handelt, bei der genetische Veranlagung, Immunsystemstörungen und Umwelteinflüsse zusammenwirken. Kein einzelner Faktor allein reicht aus, um die Erkrankung auszulösen.
Auf genetischer Ebene spielt das HLA-System (Human Leukocyte Antigen) eine wichtige Rolle. Bestimmte HLA-Typen, insbesondere HLA-B27, HLA-Cw6 und andere Varianten, sind bei Menschen mit Psoriasis-Arthritis häufiger nachweisbar als in der Allgemeinbevölkerung. Verwandte ersten Grades von Betroffenen haben ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko – das Risiko wird auf das 30- bis 50-fache gegenüber der Normalbevölkerung geschätzt, wenn ein Elternteil erkrankt ist.
Die Rolle des Immunsystems
Im Kern der Erkrankung steht eine Fehlfunktion des Immunsystems. Bestimmte Immunzellen, darunter T-Lymphozyten und Makrophagen, wandern in die Gelenke ein und setzen dort entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) frei. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang:
- Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α): Ein zentraler Entzündungsmediator, der Gelenke schädigen kann
- Interleukin-17 (IL-17): Spielt eine wichtige Rolle bei der Entzündung in Haut und Gelenken
- Interleukin-23 (IL-23): Fördert die Produktion von IL-17 und ist ein wichtiger Steuerungsmediator
- Interleukin-12: Beteiligt an der Aktivierung von Immunzellen
Dieses Wissen über die Entzündungswege hat die Entwicklung moderner, zielgerichteter Therapien (Biologika) erheblich vorangetrieben.
Auslöser und Trigger
Auch wenn die genetische Grundlage vorhanden ist, braucht die Erkrankung oft einen äußeren Auslöser, um sich zu manifestieren. Häufig beschriebene Trigger sind:
- Infektionen, insbesondere durch Streptokokken (Halsentzündungen)
- Mechanische Verletzungen oder Traumata an Gelenken
- Anhaltender psychischer Stress
- Bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker, Lithium, Antimalariamittel in bestimmten Situationen)
- Alkoholkonsum in höheren Mengen
- Starke Sonneneinstrahlung (bei bestimmten Psoriasis-Formen)
- Hormonelle Veränderungen (z. B. nach Schwangerschaft)
Was im Gelenk passiert
Die chronische Entzündung im Gelenk führt zu einer Verdickung der Gelenkinnenhaut (Synovitis). Diese produziert überschüssige Gelenkflüssigkeit und bildet sogenanntes Pannusgewebe, das in den Knorpel eindringen und ihn zerstören kann. Langfristig können Knochen abgebaut werden (Erosionen), was zu bleibenden Funktionseinschränkungen führt. Besonders bei der Mutilans-Form kann es zu starken Verformungen der Fingergelenke kommen. Dieser Mechanismus unterstreicht, warum eine frühzeitige und konsequente Behandlung so wichtig ist.
Symptome der Psoriasis-Arthritis: Vielfältig und oft unterschätzt
Das breite Spektrum der Beschwerden
Die Psoriasis-Arthritis zeigt sich durch ein breites Spektrum an Symptomen, das über die reine Gelenkbeteiligung weit hinausgeht. Viele Betroffene erleben eine Kombination verschiedener Beschwerden, die in ihrer Intensität stark schwanken können. Die Erkrankung verläuft häufig in Schüben: Phasen mit starken Beschwerden wechseln sich mit Phasen relativer Ruhe ab.
Das Leitsymptom ist der entzündliche Gelenkschmerz, der sich von mechanischen Gelenkschmerzen durch einige charakteristische Merkmale unterscheidet. Entzündliche Schmerzen sind typischerweise in Ruhe stärker und morgens am ausgeprägtesten – man spricht von der sogenannten Morgensteifigkeit, die länger als 30 bis 60 Minuten anhält. Im Laufe des Tages und nach Bewegung bessern sich die Beschwerden häufig, was dem mechanischen Schmerz bei Arthrose entgegengesetzt ist.
Charakteristische Symptome im Überblick
- Gelenkschmerzen und -schwellungen: Oft asymmetrisch verteilt, können ein oder mehrere Gelenke betreffen
- Morgensteifigkeit: Steifheitsgefühl in den Gelenken nach dem Aufwachen, das länger als 45 Minuten anhält
- Daktylitis (Wurstfinger/-zehen): Charakteristische Schwellung eines gesamten Fingers oder einer Zehe, die wie eine Wurst aussieht
- Enthesitis: Schmerzhafte Entzündung an Sehnenansätzen, häufig an der Ferse (Achillessehne), der Fußsohle (Plantarfaszie) oder am Knie
- Nagelveränderungen: Tüpfelung (Grübchen), Verfärbungen, Ablösung der Nagelplatte (Onycholyse) – bei über 80 Prozent der PsA-Patienten vorhanden
- Rückenschmerzen: Entzündliche Wirbelsäulenbeteiligung, besonders im Bereich der Iliosakralgelenke
- Uveitis: Entzündung der Augen (Regenbogenhautentzündung), die unbehandelt zu Sehproblemen führen kann
- Allgemeinsymptome: Müdigkeit (Fatigue), Abgeschlagenheit, gelegentlich leichtes Fieber
- Hautbeteiligung: Rötliche, schuppende Plaques, typischerweise an Streckseiten von Ellenbogen und Knien, Kopfhaut, Bauchnabel
- Schwellungen: Weichteilschwellungen rund um betroffene Gelenke
- Einschränkung der Beweglichkeit: Schleichender Verlust von Gelenkfunktion, besonders bei längerem Verlauf
- Psychische Belastung: Depressionen und Angststörungen treten bei Betroffenen häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung
Wann zum Arzt? – Diese Zeichen sollten Sie ernst nehmen
Bei folgenden Beschwerden sollten Sie zeitnah einen Arzt aufsuchen – idealerweise einen Rheumatologen oder zunächst Ihren Hausarzt:
- Anhaltende Morgensteifigkeit über mehrere Wochen
- Geschwollene, warme und schmerzhafte Gelenke ohne klare Ursache
- Plötzliche Schwellung eines gesamten Fingers oder einer Zehe (Daktylitis)
- Bekannte Psoriasis in Kombination mit neu aufgetretenen Gelenkbeschwerden
- Schmerzen an Sehnenansätzen, besonders an der Ferse
- Rötung des Auges mit Schmerzen oder Sehveränderungen
- Rückenschmerzen, die nachts schlimmer werden und sich bei Bewegung bessern
Eine frühe Vorstellung beim Spezialisten kann entscheidend sein. Erosive Gelenkschäden können sich innerhalb der ersten zwei Jahre nach Krankheitsbeginn entwickeln. Weitere Informationen zu typischen Rheuma-Symptomen finden Sie in unserem gesonderten Ratgeber.
Diagnose der Psoriasis-Arthritis: Wie wird sie festgestellt?
Eine Diagnose, die Zeit braucht
Die Diagnose der Psoriasis-Arthritis ist oft eine Herausforderung, da es keinen einzelnen Test gibt, der die Erkrankung eindeutig nachweist. Sie wird durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Laborbefunden und bildgebenden Verfahren gestellt. In der Praxis vergehen bis zur gesicherten Diagnose durchschnittlich mehrere Jahre, was die Betroffenen erheblich belastet.
International haben sich für die Klassifikation der Psoriasis-Arthritis die CASPAR-Kriterien (Classification Criteria for Psoriatic Arthritis) etabliert. Diese umfassen folgende Punkte, von denen mindestens drei (mit vorhandener entzündlicher muskuloskelettaler Erkrankung) erfüllt sein müssen:
- Aktuelle Psoriasis oder Psoriasis in der Vorgeschichte oder bei einem Verwandten ersten Grades
- Psoriasis-typische Nagelveränderungen (Tüpfelung, Onycholyse)
- Negativer Rheumafaktor
- Aktuelle Daktylitis oder Daktylitis in der Vorgeschichte
- Röntgenologischer Nachweis einer gelenknahen Knochenneubildung
Diagnostische Schritte im Detail
Anamnese und körperliche Untersuchung: Der erste und wichtigste Schritt ist ein ausführliches Gespräch über die Krankengeschichte, die Art der Beschwerden, familiäre Vorbelastungen und Begleiterkrankungen. Der Arzt untersucht anschließend alle Gelenke, die Haut, die Nägel und achtet auf Hinweise für Enthesitis oder Daktylitis.
Laboruntersuchungen: Folgende Laborwerte werden typischerweise bestimmt:
- Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und C-reaktives Protein (CRP) als Entzündungsmarker
- Blutbild zum Ausschluss anderer Erkrankungen
- Rheumafaktor (bei PsA meist negativ)
- Anti-CCP-Antikörper (zur Abgrenzung von rheumatoider Arthritis)
- HLA-B27-Typisierung bei Verdacht auf Wirbelsäulenbeteiligung
- Harnsäure (zum Ausschluss von Gicht)
- Leber- und Nierenwerte für spätere Therapieentscheidungen
Bildgebende Verfahren: Verschiedene bildgebende Methoden helfen, das Ausmaß der Gelenkbeteiligung zu beurteilen:
- Röntgenaufnahmen: Zeigen knöcherne Veränderungen, Erosionen und Neubildungen
- Ultraschall: Besonders hilfreich zur Darstellung von Synovitis, Enthesitis und Flüssigkeitsansammlungen in Echtzeit
- MRT (Magnetresonanztomographie): Ermöglicht die frühe Erkennung von Entzündungen im Weichgewebe und an der Wirbelsäule, noch bevor Veränderungen im Röntgenbild sichtbar sind
- CT: Selten eingesetzt, kann aber bei Wirbelsäulenbeteiligung hilfreich sein
Gelenkpunktion: In einigen Fällen wird Gelenkflüssigkeit entnommen und untersucht, um andere Ursachen wie Gicht oder bakterielle Infektionen auszuschließen.
Mehr über diagnostische Verfahren bei rheumatischen Erkrankungen finden Sie in unserem Diagnose-Ratgeber. Eine sorgfältige Diagnose ist die Grundlage für eine individuell angepasste Therapie.
Behandlung der Psoriasis-Arthritis: Möglichkeiten und Ziele
Das Ziel: Entzündung stoppen und Gelenke schützen
Die Behandlung der Psoriasis-Arthritis verfolgt mehrere zentrale Ziele: die Kontrolle der Entzündung, die Verhinderung von Gelenkschäden, die Reduktion von Schmerzen und die Erhaltung der Lebensqualität. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist in der Regel eine langfristige, oft lebenslange Therapie erforderlich. Das Konzept der Treat-to-Target-Strategie – also das Behandeln auf ein definiertes Ziel hin, nämlich Remission oder minimale Krankheitsaktivität – hat sich als Goldstandard etabliert.
Die Behandlung wird individuell auf jeden Patienten abgestimmt und richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung, dem Befallsmuster (periphere Gelenke, Wirbelsäule, Enthesitis), dem Vorhandensein von Komorbiditäten und dem bisherigen Therapieansprechen. Ein multidisziplinärer Ansatz, der Rheumatologen, Dermatologen, Physiotherapeuten und ggf. Psychologen einbezieht, ist häufig am wirkungsvollsten.
Medikamentöse Therapie – Stufen und Optionen
1. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Als Basistherapie bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden kommen zunächst NSAR wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac zum Einsatz. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Bei Wirbelsäulenbeteiligung sind sie oft besonders wirksam. Langfristige Einnahme erfordert regelmäßige Kontrollen wegen möglicher Nebenwirkungen (Magen, Niere, Herz-Kreislauf).
2. Kortisonpräparate: Kortikosteroide wie Prednisolon können bei akuten Schüben kurzfristig eingesetzt werden – oral oder als lokale Injektion in das betroffene Gelenk. Eine dauerhafte systemische Anwendung wird aufgrund des Nebenwirkungsprofils möglichst vermieden.
3. Konventionelle synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika (csDMARDs): Bei persistierender oder schwerwiegender Erkrankung kommen DMARDs zum Einsatz. Sie greifen in den Krankheitsprozess ein und können Gelenkschäden verlangsamen:
- Methotrexat (MTX): Mittel der ersten Wahl, gut wirksam bei peripherer Gelenkbeteiligung und Hautbeschwerden
- Leflunomid: Alternative bei Unverträglichkeit oder unzureichendem Ansprechen auf MTX
- Sulfasalazin: Vor allem bei peripheren Gelenkmanifestationen eingesetzt
- Cyclosporin A: Selten, bei schweren Verlaufsformen oder Hautbeteiligung
4. Biologika (bDMARDs) – zielgerichtete Therapien: Biologika sind biotechnologisch hergestellte Antikörper oder Rezeptorproteine, die gezielt in Entzündungswege eingreifen. Sie kommen zum Einsatz, wenn konventionelle Therapien nicht ausreichend wirken:
- TNF-alpha-Inhibitoren: Adalimumab, Etanercept, Certolizumab, Golimumab, Infliximab – sehr gut erforscht, wirksam bei Gelenken, Haut und Enthesitis
- IL-17-Inhibitoren: Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab – besonders wirksam bei Haut und Enthesitis
- IL-12/23-Inhibitor: Ustekinumab – wirksam bei Haut- und Gelenkbeteiligung
- IL-23-Inhibitoren: Guselkumab, Risankizumab – neuere Substanzen mit guter Wirksamkeit
- CTLA4-Ig: Abatacept – moduliert T-Zell-Aktivierung
5. Januskinase-Inhibitoren (JAK-Inhibitoren): Oral einnehmbare Substanzen wie Tofacitinib, Upadacitinib oder Filgotinib greifen in intrazelluläre Signalwege ein. Sie sind eine wichtige Ergänzung des Therapiespektrums, besonders wenn Biologika nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Medikamente allein sind selten ausreichend. Ergänzende Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle:
- Physiotherapie: Gezieltes Bewegungsprogramm zur Erhaltung der Gelenkfunktion und Muskelkraft
- Ergotherapie: Hilft, den Alltag trotz eingeschränkter Gelenkfunktion besser zu bewältigen, Gelenke zu schonen und Hilfsmittel einzusetzen
- Ausdauertraining: Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Walking verbessert Entzündungsparameter und Lebensqualität
- Gewichtsmanagement: Übergewicht verschlechtert die Entzündungsaktivität und das Therapieansprechen; Gewichtsreduktion kann die Erkrankungsaktivität positiv beeinflussen
- Raucherentwöhnung: Rauchen gilt als Risikofaktor und verschlechtert die Prognose
- Psychologische Unterstützung: Angesichts der chronischen Belastung können Stressbewältigung, Psychotherapie oder Selbsthilfegruppen hilfreich sein
Einen umfassenden Überblick über Behandlungsoptionen bei entzündlichen Gelenkerkrankungen finden Sie in unserem Behandlungsratgeber.
Zusammenfassung: Das Wichtigste auf einen Blick
Psoriasis-Arthritis – was Sie wissen sollten
Die Psoriasis-Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung, die bei 20 bis 30 Prozent der Menschen mit Schuppenflechte auftritt. Sie ist mehr als eine reine Gelenkerkrankung – sie ist eine Systemerkrankung, die Gelenke, Sehnen, Nägel, Augen und das allgemeine Wohlbefinden betreffen kann. Die enge Verbindung mit der Psoriasis erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen und Dermatologen.
Die Entstehung ist multifaktoriell: Genetische Veranlagung, eine Fehlregulation des Immunsystems und Umweltauslöser wirken zusammen. Zentrale Entzündungsmediatoren wie TNF-α, IL-17 und IL-23 spielen dabei eine Schlüsselrolle – und sind gleichzeitig Angriffspunkte für moderne Biologika-Therapien.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst
- Psoriasis-Arthritis betrifft Gelenke, Sehnenansätze, Nägel und manchmal die Wirbelsäule
- Der Rheumafaktor ist häufig negativ (seronegative Arthritis)
- Morgensteifigkeit, Daktylitis und Enthesitis sind charakteristische Zeichen
- Nagelveränderungen sind ein wichtiger diagnostischer Hinweis
- Es gibt keine einzelne Blutuntersuchung, die die Diagnose sichert – sie wird klinisch gestellt
- Frühzeitige Behandlung kann irreversible Gelenkschäden verhindern
- Die Therapie erfolgt stufenweise: NSAR, DMARDs, Biologika, JAK-Inhibitoren
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Physiotherapie und Bewegung sind essenzieller Bestandteil der Behandlung
- Übergewicht, Rauchen und Stress können die Erkrankung verschlechtern
- Regelmäßige Kontrollen beim Rheumatologen sind unverzichtbar
Prognose und Ausblick
Die Prognose der Psoriasis-Arthritis ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Während manche Betroffene einen milden, gut kontrollierbaren Verlauf haben, entwickeln andere trotz Therapie Gelenkschäden und Funktionseinschränkungen. Insgesamt haben sich die Therapiemöglichkeiten in den letzten zwei Jahrzehnten durch die Einführung von Biologika und JAK-Inhibitoren dramatisch verbessert. Für viele Betroffene ist heute eine weitgehende Beschwerdefreiheit (Remission) ein realistisches Therapieziel.
Entscheidend ist: Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die langfristigen Aussichten. Wenn Sie Anzeichen einer Psoriasis-Arthritis bei sich bemerken, zögern Sie nicht, einen Arzt aufzusuchen. Ihr Hausarzt kann erste Schritte einleiten und Sie bei Bedarf an einen Rheumatologen überweisen.
Weitere Informationen zu rheumatischen Erkrankungen und ihren Symptomen finden Sie in unserem umfangreichen Ratgeber. Nutzen Sie die Ressourcen auf gelenk-hilfe.de, um sich fundiert zu informieren – und suchen Sie bei Beschwerden immer das Gespräch mit einem Facharzt.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.
📚Wissenschaftliche Quellen
Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:
- 📋LeitlinieS3-Leitlinie Psoriasis-Arthritis – Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/060-003.html
- 📊StudieGossec L et al.: EULAR recommendations for the management of psoriatic arthritis. Ann Rheum Dis. 2020https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32434812/
- 📊StudieTaylor W et al.: Classification criteria for psoriatic arthritis (CASPAR). Arthritis Rheum. 2006https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16871531/
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) – ICD-10 Klassifikation Psoriasis-Arthritishttps://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-10-GM/_node.html
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