Teufelskralle

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Teufelskralle: Was steckt hinter diesem ungewöhnlichen Namen?

Wer zum ersten Mal den Begriff Teufelskralle hört, denkt vielleicht an etwas Bedrohliches – doch das Gegenteil ist der Fall. Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine Heilpflanze aus den Trockenregionen des südlichen Afrikas, vor allem aus der Kalahari-Wüste in Namibia, Südafrika und Botswana. Ihren dramatischen Namen verdankt sie den hakenförmigen Fortsätzen ihrer Früchte, die sich im Fell von Tieren – und manchmal schmerzhaft im Fuß von Menschen – verhaken. Medizinisch interessant ist jedoch nicht die Frucht, sondern die Knolle: die sogenannte Sekundärwurzel der Pflanze.

Für Menschen mit Gelenkschmerzen, Rückenbeschwerden oder entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparats ist die Teufelskralle seit Jahrzehnten ein bekanntes Thema. In Europa wird sie seit den 1960er Jahren als pflanzliches Heilmittel eingesetzt, nachdem deutsche Forscher erstmals systematisch auf die überlieferten Heilmethoden der Khoisan-Völker aufmerksam wurden, die die Pflanze seit Generationen zur Behandlung von Schmerzen, Verdauungsproblemen und Fieber nutzten. Heute ist Teufelskrallen-Extrakt in Deutschland als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zugelassen und in Apotheken in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich.

Viele Betroffene, die unter chronischen Gelenkschmerzen leiden, suchen nach naturheilkundlichen Alternativen oder Ergänzungen zur konventionellen Therapie. Ein häufiges Szenario ist, dass Patienten mit leichten bis mittelschweren Arthrosebeschwerden oder Rückenschmerzen zunächst zögern, starke Schmerzmittel einzunehmen, und sich nach pflanzlichen Optionen erkundigen. Genau hier kommt die Teufelskralle ins Spiel: Sie wird in der Phytotherapie als eine der am besten untersuchten Heilpflanzen bei muskuloskelettalen Beschwerden angesehen.

Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die Teufelskralle: von den enthaltenen Wirkstoffen über wissenschaftliche Studien bis hin zu Dosierungsempfehlungen, möglichen Nebenwirkungen und den verschiedenen verfügbaren Produktformen. Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung, sollen Ihnen aber eine fundierte Grundlage bieten, um informierte Entscheidungen zu treffen. Wenn Sie mehr zu den spezifischen Effekten der Teufelskralle erfahren möchten, empfehlen wir auch unseren ausführlichen Artikel zur Teufelskrallen-Wirkung.

Wirkung der Teufelskralle – Was sagt die Wissenschaft?

Entzündungshemmung und Schmerzlinderung

Die hauptsächlich diskutierte Wirkung der Teufelskralle ist ihre entzündungshemmende und analgetische (schmerzlindernde) Eigenschaft. Grundlage dieser Effekte sind bestimmte Inhaltsstoffe der Pflanzenwurzel, vor allem die sogenannten Iridoidglykoside, insbesondere Harpagosid. Diese Substanzen scheinen auf biochemischer Ebene in entzündliche Prozesse einzugreifen, indem sie die Produktion bestimmter entzündungsfördernder Botenstoffe (Prostaglandine, Leukotriene, Zytokine) hemmen. Dieser Mechanismus ist dem Wirkprinzip nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen ähnlich, wenngleich die Wirkstärke deutlich geringer eingestuft wird.

Viele Betroffene erleben nach regelmäßiger Einnahme von Teufelskrallen-Präparaten eine graduell zunehmende Verbesserung ihrer Beschwerden – nicht eine sofortige Wirkung wie bei chemisch-synthetischen Schmerzmitteln, sondern einen schleichenden, aber spürbaren Effekt über mehrere Wochen. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele Anwender zunächst nicht wissen: Teufelskralle entfaltet ihre Wirkung nicht akut, sondern benötigt eine gewisse Einnahmedauer von mehreren Wochen, bis sich ein messbarer therapeutischer Effekt zeigt.

Typische Anwendungsgebiete

In der klinischen Praxis und in der traditionellen Phytotherapie wird Teufelskralle vor allem bei folgenden Beschwerdebildern eingesetzt:

  • Degenerative Gelenkerkrankungen wie Arthrose an Knie, Hüfte und Wirbelgelenken
  • Chronische Rückenschmerzen, insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule
  • Nackenschmerzen und Verspannungen des Schultergürtelbereichs
  • Sehnen- und Bänderentzündungen (Tendinopathien)
  • Leichte rheumatische Beschwerden mit Schwellungsneigung und Morgensteifigkeit
  • Fersensporn und plantare Fasziitis
  • Posttraumatische Beschwerden nach leichten Verletzungen
  • Muskelverhärtungen und muskuläre Schmerzsyndrome

Es ist dabei wichtig zu betonen, dass die Teufelskralle keine kausale Therapie darstellt – sie behandelt nicht die Ursache einer Arthrose oder eines Bandscheibenvorfalls, sondern soll zur symptomatischen Linderung beitragen. Dies gilt übrigens für die meisten Schmerzmittel ebenfalls. Als Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts, das Bewegungstherapie, physiotherapeutische Maßnahmen und ggf. ärztlich verordnete Medikamente umfasst, kann Teufelskralle jedoch eine sinnvolle ergänzende Rolle einnehmen.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

Teufelskralle ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Behandlung. Wenn Sie neu aufgetretene, starke oder sich verschlechternde Gelenkschmerzen haben, sollten Sie zunächst einen Arzt aufsuchen, bevor Sie eigenständig pflanzliche Mittel einnehmen. Insbesondere bei Anzeichen einer akuten Entzündung (Schwellung, Rötung, starke Überwärmung des Gelenks), bei Fieber, bei Schmerzen nach einem Unfall oder bei unerklärlichem Gewichtsverlust ist sofortige ärztliche Abklärung erforderlich. Auch wenn Sie bereits Medikamente einnehmen, ist eine Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker vor der Einnahme von Teufelskrallen-Präparaten ratsam.

Wirkstoffe der Teufelskralle – Die Biochemie im Detail

Harpagosid – der Hauptwirkstoff

Die pharmazeutische Qualität von Teufelskrallen-Präparaten wird primär am Gehalt an Harpagosid gemessen, einem bitter schmeckenden Iridoidglykosid, das als Leitsubstanz der Pflanze gilt. Hochwertige Präparate enthalten standardisierte Extrakte mit einem definierten Harpagosid-Gehalt – häufig zwischen 1,2 % und 3 % bezogen auf den Trockenextrakt. Die Europäische Pharmakopöe (Ph. Eur.) legt für Teufelskrallenwurzel einen Mindestgehalt von 1,2 % Harpagosid fest. Dieser Standardisierungsansatz ist wichtig, weil er eine gewisse Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Produkten ermöglicht.

Harpagosid gehört zur chemischen Klasse der Secoiridoide und ist strukturell mit anderen bioaktiven Pflanzenstoffen wie Oleuropein aus Olivenblättern verwandt. In Laborversuchen (In-vitro-Studien) zeigt Harpagosid eine Hemmung der Cyclooxygenase-2 (COX-2), eines zentralen Enzyms im Entzündungsprozess. Allerdings sind die Konzentrationen, die in Laborstudien wirksam sind, oft höher als jene, die im menschlichen Blut nach oraler Einnahme gemessen werden – ein bekanntes Problem der Phytopharmakologie, das die Interpretation von In-vitro-Daten erschwert.

Weitere bioaktive Verbindungen

Neben Harpagosid enthält die Teufelskrallenwurzel eine Reihe weiterer biologisch aktiver Substanzen, die synergistisch wirken können:

  • Harpagid: Ein weiteres Iridoidglykosid, das in geringeren Mengen vorkommt und ebenfalls entzündungsmodulatorische Eigenschaften zeigen soll
  • Procumbid: Ein Phenylethanoidglykosid mit potenziell antioxidativer Wirkung
  • Chlorogensäure: Eine Hydroxyzimtsäure mit antioxidativen und möglicherweise entzündungshemmenden Eigenschaften, auch in Kaffee und vielen Gemüsesorten enthalten
  • Acteoside (Verbascoside): Phenylethanoidglykoside mit antioxidativer Aktivität
  • Flavonoide: Pflanzliche Polyphenole wie Luteolin und Kaempferol mit breitem biologischen Wirkspektrum
  • Triterpene: Darunter Oleanolsäure und Ursolsäure, die in verschiedenen Studien entzündungsmodulatorische Effekte zeigen
  • Phytosterole: Pflanzliche Sterole, die strukturell dem Cholesterin ähneln und verschiedene biologische Aktivitäten besitzen
  • Zuckerverbindungen und Arabinogalaktane: Polysaccharide, deren immunmodulatorische Bedeutung diskutiert wird

Bedeutung der Extraktqualität

Ein häufig unterschätzter Aspekt beim Kauf von Teufelskrallen-Präparaten ist die Qualität des verwendeten Extrakts. Nicht alle Produkte sind gleich: Es gibt erhebliche Unterschiede in der Rohstoffqualität, der Extraktionsmethode (wässrig, ethanolisch) und dem Standardisierungsgrad. Wässrige Extrakte, die dem traditionellen Zubereitungsweg (Abkochen der Wurzel als Tee) am nächsten kommen, enthalten andere Wirkstoffprofile als Trockenextrakte in Kapseln. Die meisten klinischen Studien wurden mit standardisierten Trockenextrakten durchgeführt, was diese Form für die evidenzbasierte Anwendung empfehlenswerter macht. Achten Sie beim Kauf auf das Vorhandensein eines standardisierten Extrakts mit Angabe des Harpagosid-Gehalts auf der Produktbeschriftung.

Studienlage zur Teufelskralle – Was ist wissenschaftlich belegt?

Klinische Studien bei Rückenschmerzen

Die wissenschaftliche Datenlage zur Teufelskralle ist im Vergleich zu vielen anderen Phytotherapeutika relativ gut, wenngleich noch Lücken bestehen. Die stärkste Evidenz liegt für den Einsatz bei chronischen Rückenschmerzen vor. Eine häufig zitierte randomisierte, kontrollierte Studie von Chrubasik und Kollegen (2003, veröffentlicht im Fachjournal Phytomedicine) untersuchte 197 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen über 8 Wochen. Patienten, die täglich 60 mg Harpagosid über einen standardisierten Extrakt einnahmen, zeigten im Vergleich zur Placebogruppe eine statistisch signifikante Reduktion der Schmerzintensität. Eine weitere Studie verglich Teufelskrallen-Extrakt direkt mit dem Schmerzmittel Rofecoxib (ein COX-2-Hemmer) und fand eine vergleichbare Wirksamkeit bei geringerem Nebenwirkungsprofil – allerdings war die Studie methodisch begrenzt.

Ein systematisches Review und Meta-Analyse von Gagnier et al. (2016 in der Cochrane Library) fasste mehrere Studien zu pflanzlichen Mitteln bei Kreuzschmerzen zusammen. Für Teufelskralle wurde dabei eine mäßige Evidenz für eine Überlegenheit gegenüber Placebo bei chronischen Rückenschmerzen gefunden. Die Autoren betonten jedoch die insgesamt noch begrenzte Qualität der verfügbaren Studien und mahnten zu weiteren hochwertigen Untersuchungen.

Studien bei Arthrose

Bei Arthrose, insbesondere der Knie- und Hüftgelenksarthrose, zeigt die Studienlage ebenfalls positive, aber nicht abschließend gesicherte Ergebnisse. Eine klinische Studie aus dem Jahr 2007 (Warnock et al.) untersuchte Patienten mit Knie- und Hüftgelenksarthrose über 12 Wochen unter Einnahme eines standardisierten Teufelskrallen-Extrakts (2.610 mg Tagesdosis). Die Probanden berichteten von einer signifikanten Verbesserung ihrer Schmerzen und Beweglichkeit sowie einer verbesserten Lebensqualität. Ähnliche Ergebnisse zeigte eine europäische Multicenterstudie mit über 75 Patienten mit Arthrose unterschiedlicher Lokalisationen.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat Teufelskrallenwurzel-Extrakt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel für die symptomatische Behandlung von leichten Gelenkschmerzen und Muskelbeschwerden anerkannt. Diese Anerkennung basiert auf einem langjährigen Gebrauch und einem als ausreichend sicher eingestuften Profil – nicht auf einem vollständigen Wirksamkeitsnachweis nach modernen Standards. Dieser Unterschied ist wichtig zu verstehen: Das Prädikat „traditionell" bedeutet nicht zwingend, dass ein hoher evidenzbasierter Wirksamkeitsbeweis vorliegt.

Einschätzung der Gesamtevidenz

Folgende Übersicht zeigt die aktuelle Einschätzung der Evidenzstärke nach Anwendungsgebiet:

AnwendungsgebietEvidenzlevelStudiensituation
Chronische RückenschmerzenMäßig (Evidenz B)Mehrere RCTs, Cochrane Review vorhanden
Knie- und HüftarthroseBegrenzt (Evidenz C)Kleinere Studien, heterogene Ergebnisse
NackenschmerzenSchwachKaum spezifische Studien
Sehnen-/MuskelschmerzenTraditionell anerkanntHauptsächlich traditioneller Gebrauch

„Die Teufelskralle gehört zu den am besten untersuchten Phytopharmaka im Bereich der muskuloskelettalen Erkrankungen. Dennoch besteht Bedarf an weiteren hochwertigen klinischen Studien, um die Wirksamkeit abschließend zu beurteilen."
– Sinngemäß aus: Gagnier JJ et al., Cochrane Database Syst Rev, 2016

Dosierung und Einnahme der Teufelskralle – Worauf es ankommt

Empfohlene Tagesdosen laut Monographien

Die Dosierung von Teufelskrallen-Präparaten hängt maßgeblich von der verwendeten Form (Pulver, Trockenextrakt, Flüssigextrakt, Tee) und dem Harpagosid-Gehalt des Produkts ab. Die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der EMA haben folgende Richtwerte für standardisierte Extrakte veröffentlicht:

  • Trockenextrakt (4,0–7,0:1 aqueous extract): 600–2.400 mg pro Tag, aufgeteilt auf 2–3 Einzeldosen
  • Harpagosid-Äquivalent: Mindestens 50–100 mg Harpagosid täglich werden in klinischen Studien als wirksame Dosis diskutiert
  • Herbal Tea (Teezubereitung): 4,5 g getrocknete Wurzel auf 300 ml Wasser, 2–3 Mal täglich – allerdings mit geringerer und weniger kontrollierbarer Wirkstoffaufnahme
  • Flüssigextrakt (1:1): In der Regel 1–2,5 ml, 3 Mal täglich

Die klinisch am häufigsten untersuchten Tagesdosen lagen zwischen 50 und 100 mg Harpagosid, was je nach Extrakt und Standardisierungsgrad einer Pulvermenge von 1.500 bis 4.500 mg Trockenextrakt entsprechen kann. Ein direkter Vergleich verschiedener Produkte ist daher ohne Kenntnis des Harpagosid-Gehalts schwierig. Lesen Sie stets die Packungsbeilage Ihres spezifischen Präparats und orientieren Sie sich an den dort angegebenen Dosierungsempfehlungen.

Einnahmedauer und Einnahmehinweise

Ein häufiger Fehler bei der Anwendung von Teufelskrallen-Präparaten ist die zu kurzfristige Einnahme. Da die Wirkung nicht sofort einsetzt, sollte eine Einnahme von mindestens 4–8 Wochen eingeplant werden, bevor eine fundierte Beurteilung der Wirksamkeit möglich ist. Viele Nutzer brechen die Einnahme nach wenigen Tagen ab, weil sie keine sofortige Wirkung spüren – ein verständlicher, aber kontraproduktiver Schritt.

Folgende praktische Hinweise zur Einnahme sind zu beachten:

  • Einnahme zu den Mahlzeiten: Teufelskralle kann die Magenschleimhaut reizen; die Einnahme zu oder nach den Mahlzeiten kann Magenunverträglichkeit verringern
  • Regelmäßige Einnahme: Für einen therapeutischen Effekt ist die konsequente tägliche Einnahme entscheidend – keine unregelmäßige Bedarfsmedikation
  • Viel Wasser trinken: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Aufnahme und Verstoffwechselung der Wirkstoffe
  • Keine Kombination mit blutverdünnenden Mitteln ohne ärztliche Rücksprache: Es gibt Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien wie Warfarin
  • Einnahme-Pausen einplanen: Nach 8–12 Wochen Daueranwendung empfiehlt sich eine Pause; eine unbegrenzte Langzeiteinnahme ohne ärztliche Begleitung ist nicht empfehlenswert
  • Magensäure-Empfindlichkeit: Der bittere Geschmack und die gallensäurefördernde Wirkung können bei empfindlichen Personen zu Reflux oder Sodbrennen führen

Teeaufguss vs. Kapseln – ein Vergleich

Viele Anwender fragen sich, ob ein selbst zubereiteter Tee aus getrockneter Teufelskrallenwurzel genauso wirksam ist wie standardisierte Kapseln. Die ehrliche Antwort ist: Wahrscheinlich nicht in gleichem Maße. Beim Kochvorgang können empfindliche Wirkstoffe wie Harpagosid teilweise abgebaut werden, und die resultierende Wirkstoffkonzentration variiert stark je nach Zubereitungsart und Einwirkzeit. Standardisierte Kapseln bieten den Vorteil einer kontrollierten, reproduzierbaren Dosierung – ein wesentlicher Aspekt für eine therapeutisch relevante Einnahme. Der Tee hat hingegen eine langer Tradition und wird von manchen Anwendern gut vertragen und bevorzugt, vor allem wegen seiner mild verdauungsfördernden und bitter-tonischen Eigenschaften.

Teufelskralle-Produkte im Überblick – Kapseln, Salben und Cremes

Darreichungsformen auf einen Blick

Der Markt für Teufelskrallen-Produkte ist breit und unübersichtlich. Grundsätzlich lassen sich zwei Hauptkategorien unterscheiden: systemisch wirkende Präparate (Kapseln, Tabletten, Tropfen, Tee), die über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden und im gesamten Körper wirken können, sowie topische Zubereitungen (Salben, Cremes, Gele), die lokal auf der Haut aufgetragen werden und primär an der Applikationsstelle wirken sollen.

Die Wahl der Darreichungsform hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Lokalisation der Beschwerden: Bei gut zugänglichen Gelenken wie Knie oder Knöchel können topische Produkte sinnvoll sein; bei tiefer gelegenen Strukturen wie der Hüfte oder den Wirbelgelenken ist systemische Einnahme vorzuziehen
  • Magenverträglichkeit: Personen mit empfindlichem Magen könnten topische Anwendungen bevorzugen, um Magenreizungen zu vermeiden
  • Gewünschte Wirkintensität: Für eine breitere, systemische Wirkung bei generalisierten Beschwerden sind Kapseln die bevorzugte Wahl
  • Kombinationstherapie: Viele Betroffene kombinieren systemische Einnahme mit topischer Anwendung für einen kombinierten Effekt
  • Handhabbarkeit: Kapseln sind einfach zu dosieren und reisefreundlich; Salben erfordern das Einreiben in die Haut
  • Zulassungsstatus: Als Arzneimittel zugelassene Präparate unterliegen strengeren Qualitätskontrollen als Nahrungsergänzungsmittel

Topische Produkte – Salben und Cremes

Teufelskrallen-Salben und -Cremes werden direkt auf schmerzende Gelenke oder Muskeln aufgetragen. Die Frage, ob Teufelskrallen-Wirkstoffe in relevanter Konzentration durch die Haut eindringen und dort wirksam werden, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Einige Studien deuten auf eine gewisse Penetration hin, die Datenlage ist jedoch dünner als für die orale Einnahme. Nichtsdestotrotz berichten viele Anwender von einer angenehmen, lindernden Wirkung durch das Einreiben – möglicherweise auch bedingt durch den Massageeffekt selbst und Hilfsstoffe wie Menthol oder Kampfer, die häufig in solchen Präparaten enthalten sind und eine kühlende Empfindung erzeugen.

Für detailliertere Informationen zu topischen Anwendungsformen besuchen Sie unsere Spezialseiten zur Teufelskralle-Salbe sowie zur Teufelskralle-Creme.

Qualitätsmerkmale beim Produktkauf

Beim Kauf von Teufelskrallen-Präparaten sollten Sie auf folgende Qualitätsmerkmale achten:

  • Standardisierter Extrakt mit Angabe des Harpagosid-Gehalts in Prozent oder absoluten Milligramm
  • Zulassung als Arzneimittel (erkennbar an der Zulassungsnummer auf der Verpackung) statt als Nahrungsergänzungsmittel – bei Arzneimitteln gelten höhere Qualitätsstandards
  • Transparente Herstellerangaben über Herkunft der Rohstoffe (nachhaltige Wildsammlung oder Kultivierung aus Südafrika/Namibia)
  • Zertifizierungen nach pharmazeutischen Standards (GMP – Good Manufacturing Practice)
  • Klare Dosierungsangaben auf der Packung
  • Haltbarkeitsdatum und Chargenangabe für Rückverfolgbarkeit

Auf unserer Übersichtsseite zu Nahrungsergänzungsmitteln finden Sie weitere Informationen zu Qualitätskriterien bei pflanzlichen Präparaten.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen – Was Sie wissen sollten

Bekannte Nebenwirkungen der Teufelskralle

Teufelskralle gilt allgemein als gut verträglich, wenn sie in empfohlener Dosierung angewendet wird. Dennoch können Nebenwirkungen auftreten, die Sie kennen sollten, um sie rechtzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren. Das häufigste Beschwerdebild betrifft den Magen-Darm-Trakt: Die Bitterstoffe der Teufelskralle stimulieren die Magensäureproduktion, was bei empfindlichen Personen zu Sodbrennen, Übelkeit, Magenbeschwerden, Durchfall oder Völlegefühl führen kann.

Die folgende Übersicht fasst bekannte und mögliche Nebenwirkungen zusammen:

  • Häufig (bis zu 10 % der Anwender): Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Sodbrennen, Bauchkrämpfe, Durchfall
  • Gelegentlich: Kopfschmerzen, Schwindel, Hautreaktionen (Rötung, Juckreiz) – letztere besonders bei Überempfindlichkeit gegenüber Pflanzen der Familie Pedaliaceae
  • Selten: Allergische Reaktionen, erhöhter Blutdruck bei sehr hohen Dosen (tierexperimentelle Hinweise)
  • Sehr selten: Leberwerterhöhungen bei exzessiver Anwendung (Einzelfallberichte)
  • Topische Anwendung: Lokale Hautreizungen, Kontaktallergie bei Überempfindlichkeit

Kontraindikationen – Wer sollte Teufelskralle meiden?

Es gibt bestimmte Personengruppen, für die Teufelskrallen-Präparate nicht geeignet sind oder bei denen besondere Vorsicht geboten ist:

  • Schwangerschaft: Teufelskralle wird traditionell auch als wehenauslösendes Mittel beschrieben; die Einnahme in der Schwangerschaft ist daher kontraindiziert
  • Stillzeit: Mangels Daten zur Sicherheit sollte auf die Einnahme verzichtet werden
  • Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre: Die säurefördernde Wirkung kann Ulzera verschlechtern
  • Gallensteinerkrankungen: Teufelskralle fördert den Gallenfluss; bei bestehenden Gallensteinen ist Vorsicht geboten
  • Herzrhythmusstörungen: Es gibt tierexperimentelle Hinweise auf herzfrequenzbeeinflussende Effekte bei sehr hohen Dosen
  • Kinder unter 12 Jahren: Keine ausreichenden Daten zur Sicherheit vorhanden
  • Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Pflanzen der Familie Pedaliaceae

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Teufelskralle kann mit bestimmten Medikamenten in Wechselwirkung treten. Die wichtigsten bekannten und diskutierten Interaktionen sind:

  • Blutverdünner (Antikoagulanzien) wie Warfarin, Phenprocoumon: Teufelskralle kann möglicherweise die Blutungszeit verlängern; INR-Kontrollen bei Patienten unter Marcumar-Therapie sind ratsam
  • Blutzuckersenkende Medikamente: Es gibt Hinweise auf eine mögliche additive blutzuckersenkende Wirkung, die bei Diabetikern relevant sein könnte
  • Antihypertensiva (Blutdruckmittel): Theoretische Wechselwirkungen sind möglich
  • Magensäurehemmer (Protonenpumpenhemmer, H2-Blocker): Die säurefördernde Wirkung der Teufelskralle kann die Wirkung dieser Medikamente antagonisieren
  • Herzmedikamente (Antiarrhythmika): Aufgrund theoretischer Effekte auf Herzfrequenz und -rhythmus sollte Vorsicht walten

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Teufelskrallen-Präparate einnehmen, wenn Sie regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen. Das gilt insbesondere für Gerinnungshemmer, Herzmedikamente oder Diabetespräparate. Nicht verschreibungspflichtig bedeutet nicht nebenwirkungsfrei – ein Grundsatz, der für alle pflanzlichen Mittel gilt.

Wann sofort ärztliche Hilfe suchen?

Sollten nach der Einnahme von Teufelskrallen-Präparaten folgende Beschwerden auftreten, suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe: starke allergische Reaktionen (Atemnot, Gesichtsschwellung, Ausschlag am gesamten Körper), anhaltende starke Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, unklare Schwäche oder Schwindel sowie starke Herzrhythmusstörungen. Auch wenn sich bestehende Beschwerden trotz mehrwöchiger Anwendung nicht bessern oder sogar verschlechtern, ist eine ärztliche Rücksprache unbedingt erforderlich.

Zusammenfassung – Das Wichtigste zur Teufelskralle auf einen Blick

Was die Teufelskralle kann – und was nicht

Die Teufelskralle ist eine der am besten untersuchten Heilpflanzen in der europäischen Phytotherapie mit Blick auf muskuloskelettale Erkrankungen. Ihr primärer Wirkstoff Harpagosid entfaltet in Laborstudien und klinischen Untersuchungen entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften, die einen therapeutischen Nutzen bei chronischen Gelenkschmerzen und Rückenschmerzen nahelegen. Die Gesamtevidenz ist für chronische Kreuzschmerzen am überzeugendsten, gefolgt von Hinweisen auf Nutzen bei Arthrose-bedingten Beschwerden.

Gleichzeitig ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben: Teufelskralle ist kein Wundermittel, wirkt nicht bei allen Patienten in gleichem Ausmaß, zeigt keine sofortige Wirkung und kann eine kausale Therapie oder ärztlich verordnete Medikamente nicht ersetzen. Sie ist eine ergänzende Option im Rahmen eines ganzheitlichen Therapiekonzepts, das Bewegung, physiotherapeutische Maßnahmen und ggf. medizinische Behandlung einschließt.

Kernaussagen im Überblick

  • Teufelskralle stammt aus dem südlichen Afrika und wird aus der Sekundärwurzel von Harpagophytum procumbens gewonnen
  • Hauptwirkstoff ist Harpagosid, ein Iridoidglykosid mit entzündungshemmenden Eigenschaften
  • Klinisch beste Evidenz besteht für chronische Rückenschmerzen; ergänzende Hinweise liegen für Arthroseschmerzen vor
  • Empfohlene Tagesdosis liegt bei 50–100 mg Harpagosid-Äquivalent; Einnahmedauer mindestens 4–8 Wochen
  • Standardisierte Trockenextrakte in Kapselform sind die empfehlenswerteste Darreichungsform
  • Gut verträglich bei den meisten Anwendern; häufigste Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt
  • Kontraindiziert in der Schwangerschaft und bei Magengeschwüren
  • Mögliche Wechselwirkungen mit Blutverdünnern, Herzmedikamenten und Diabetespräparaten beachten
  • Als Arzneimittel zugelassene Präparate bieten höhere Qualitätssicherheit als Nahrungsergänzungsmittel
  • Ärztliche Rücksprache vor Einnahme bei bestehender Medikation oder Grunderkrankung empfohlen

Einbindung in eine ganzheitliche Therapie

Die sinnvollste Anwendung der Teufelskralle ist ihre Einbettung in ein umfassendes Behandlungskonzept. Wer unter Arthrose leidet, sollte neben pflanzlichen Präparaten regelmäßige, gelenkschonende Bewegung (Schwimmen, Radfahren, Wassergymnastik), Gewichtsnormalisierung bei Übergewicht, Physiotherapie und ggf. ergotherapeutische Hilfen in Betracht ziehen. Teufelskralle kann dabei als flankierende Maßnahme zur Schmerzkontrolle einen unterstützenden Beitrag leisten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über alle Maßnahmen, die Sie einsetzen möchten, und informieren Sie ihn über die Einnahme pflanzlicher Präparate – ein offener Austausch ermöglicht die bestmögliche, individuell abgestimmte Behandlung.

Für weitere Informationen zu ergänzenden Maßnahmen und Produkten besuchen Sie unsere Übersichtsseite zu Nahrungsergänzungsmitteln bei Gelenkbeschwerden.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:

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