Sehnenscheidenentzündung

🎧 Artikel anhören

Keine Zeit zu lesen? Lassen Sie sich den Artikel vorlesen – perfekt für unterwegs!

Geprüfte Information

Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?

Wer kennt es nicht: Ein ziehender, brennender Schmerz entlang einer Sehne, der sich bei jeder Bewegung verstärkt und schließlich so unangenehm wird, dass alltägliche Aufgaben kaum noch zu bewältigen sind. Die Sehnenscheidenentzündung – medizinisch Tendovaginitis oder Tenosynovitis – gehört zu den häufigsten Beschwerdebildern des Bewegungsapparats und betrifft Menschen aller Altersgruppen, besonders jedoch Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren. Schätzungen zufolge suchen jährlich Hunderttausende Menschen in Deutschland wegen dieser Erkrankung ärztliche Hilfe auf.

Die Sehnenscheide ist eine röhrenförmige Hülle aus Bindegewebe, die viele Sehnen im Körper umgibt und schützt. Sie produziert eine dünne Flüssigkeit, die sogenannte Synovia, welche die Sehne bei Bewegungen gleiten lässt und vor Reibung schützt. Kommt es durch Überlastung, Fehlbelastung oder andere Auslöser zu einer Entzündungsreaktion in dieser Hülle, schwillt die Schleimhaut an, die Flüssigkeitsmenge verändert sich, und das reibungslose Gleiten der Sehne ist beeinträchtigt. Das Resultat: Schmerz, Schwellung und eingeschränkte Beweglichkeit.

Besonders häufig ist die Sehnenscheidenentzündung an Handgelenk, Daumen, Unterarm, Schulter, Knöchel und Fuß anzutreffen. Doch auch im Bereich des Nackens und der Halswirbelsäule können Sehnenstrukturen betroffen sein, was sich oft mit Nackenschmerzen und Bewegungseinschränkungen verbindet. Im Kontext von Büroarbeit, intensivem Computereinsatz und einseitigen körperlichen Tätigkeiten hat die Erkrankung in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen.

Viele Betroffene unterschätzen zunächst die Ernsthaftigkeit ihrer Beschwerden und hoffen, dass sich die Schmerzen von selbst geben. Tatsächlich kann eine leichte Sehnenscheidenentzündung bei konsequenter Schonung und geeigneten Maßnahmen gut ausheilen. Wird sie jedoch ignoriert und belastet man die betroffene Struktur weiter, droht eine Chronifizierung, die die Behandlung erheblich erschwert. Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten – damit Sie gut informiert die richtigen Entscheidungen für Ihre Gesundheit treffen können.

Ursachen und Risikofaktoren der Sehnenscheidenentzündung

Überlastung als häufigste Ursache

Die mit Abstand häufigste Ursache einer Sehnenscheidenentzündung ist die mechanische Überlastung. Wenn eine Sehne und ihre umgebende Scheide über einen längeren Zeitraum hinweg intensiv oder einseitig beansprucht werden, reagiert das umliegende Gewebe mit einer Entzündungsreaktion. Dies ist ein klassischer Abnutzungsmechanismus: Die Sehnenscheide kann die dauerhaft erhöhte Reibung nicht mehr kompensieren, und es kommt zu Mikroverletzungen im Gewebe. Der Körper versucht, diese zu reparieren, was jedoch mit einer Entzündungsreaktion verbunden ist.

Ein häufiges Szenario ist die sogenannte Repetitive Strain Injury (RSI), also eine Verletzung durch wiederholte gleichartige Bewegungen. Vor allem Berufe und Hobbys, die ständige Handgelenks-, Finger- oder Schulterbewegungen erfordern, erhöhen das Risiko erheblich. Dazu zählen unter anderem Bürotätigkeiten mit intensiver Tastatur- und Mausnutzung, Musiker (besonders Streicher und Pianisten), Handwerker, Sportler (Tennis, Golf, Klettern) sowie Menschen, die in Fließbandarbeit tätig sind.

Weitere Ursachen im Überblick

Neben der mechanischen Überlastung gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die eine Sehnenscheidenentzündung begünstigen oder auslösen können. Das Verständnis dieser Ursachen ist wichtig, um gezielte Gegenmaßnahmen ergreifen zu können:

  • Akute Überbelastung: Ein einmaliges, ungewohntes intensives Training oder körperliche Tätigkeit (z. B. Umzug, intensives Gartenarbeitswochenende) kann ausreichen, um eine Entzündung auszulösen.
  • Fehlhaltungen und ergonomische Mängel: Ein nicht angepasster Arbeitsplatz, falsches Sitzen oder eine ungünstige Körperhaltung beim Arbeiten belasten Sehnen dauerhaft.
  • Rheumatische Erkrankungen: Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis kann die Sehnenscheide als Teil des Entzündungsprozesses mitbetroffen sein.
  • Infektionen: In seltenen Fällen können Bakterien (z. B. durch eine Wunde) in die Sehnenscheide eindringen und eine infektiöse Tendovaginitis verursachen – ein medizinischer Notfall.
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Gicht oder eine Schilddrüsenunterfunktion können das Risiko für Sehnenscheidenerkrankungen erhöhen.
  • Hormonelle Veränderungen: Frauen sind häufiger betroffen als Männer; hormonelle Schwankungen (z. B. in der Schwangerschaft oder Menopause) scheinen eine Rolle zu spielen.
  • Kälteexposition: Arbeiten in kalter Umgebung oder Zugluft kann die Durchblutung der Sehnenstrukturen verschlechtern und Entzündungen begünstigen.
  • Direktes Trauma: Prellungen oder Quetschungen im Bereich einer Sehne können ebenfalls eine Sehnenscheidenentzündung auslösen.
  • Falsche Trainingstechnik: Beim Sport, besonders beim Krafttraining oder bei Ausdauersportarten, können falsche Bewegungsabläufe die Sehnen und ihre Hüllen überlasten.
  • Unzureichende Erholungszeiten: Wer nach intensiven körperlichen Belastungen keine ausreichenden Regenerationsphasen einhält, erhöht das Risiko von Gewebereizungen erheblich.

Risikofaktoren: Wer ist besonders gefährdet?

Bestimmte Personengruppen tragen ein erhöhtes Risiko, eine Sehnenscheidenentzündung zu entwickeln. Neben dem Beruf und sportlichen Aktivitäten spielen auch das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand eine wesentliche Rolle. Mit zunehmendem Alter verlieren Sehnen und das umgebende Gewebe an Elastizität und Belastbarkeit, was sie anfälliger für Entzündungsreaktionen macht. Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) im Übergewichtsbereich belasten ihre Gelenke und Sehnen dauerhaft stärker. Auch psychosozialer Stress wurde in Studien als begünstigender Faktor für Erkrankungen des Bewegungsapparats identifiziert, da Stress zu Muskelverspannungen und veränderter Körperhaltung führen kann. Wer zu den gefährdeten Gruppen gehört, sollte besonders auf präventive Maßnahmen achten und bei ersten Beschwerden nicht zögern, ärztliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Symptome: Wie äußert sich eine Sehnenscheidenentzündung?

Typische Beschwerden und ihr Verlauf

Das Leitsymptom der Sehnenscheidenentzündung ist der Schmerz entlang des Sehnenverlaufs. Dieser Schmerz hat meist einen charakteristischen Charakter: Er tritt zunächst vor allem bei Belastung auf, kann in fortgeschrittenen Fällen aber auch in Ruhe und nachts vorhanden sein. Viele Betroffene beschreiben den Schmerz als brennend, ziehend oder stechend. Typisch ist auch, dass die Beschwerden zu Beginn einer Bewegung am stärksten sind und sich nach einer kurzen Anlaufphase etwas abschwächen – um dann bei anhaltender Belastung wieder zuzunehmen.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist das sogenannte Krepitieren: Beim Bewegen der betroffenen Sehne kann ein leises Knirschen, Reiben oder Knacken wahrgenommen werden – manchmal sogar mit der Hand zu fühlen, wenn man die betroffene Stelle beim Bewegen berührt. Dieses Geräusch entsteht durch die veränderte Gleiteigenschaft der entzündeten Sehnenscheide.

Symptome nach Schweregrad

SchweregradTypische SymptomeAlltagseinschränkung
Leicht (Grad 1)Schmerz nur bei starker Belastung, kein Ruheschmerz, leichte DruckempfindlichkeitGering; Alltag meist problemlos möglich
Mittel (Grad 2)Schmerz bei moderater Belastung, Schwellung, Wärme, Krepitieren spürbarMäßig; bestimmte Tätigkeiten eingeschränkt
Schwer (Grad 3)Ruheschmerz, deutliche Schwellung und Rötung, Beweglichkeit stark reduziertErheblich; Alltagsaktivitäten kaum möglich

Lokale und allgemeine Zeichen der Entzündung

Neben dem Schmerz zeigt eine Sehnenscheidenentzündung häufig die klassischen Entzündungszeichen: Schwellung (Tumor), Rötung (Rubor), Überwärmung (Calor), Schmerz (Dolor) und funktionelle Einschränkung (Functio laesa). Diese Zeichen sind im betroffenen Bereich oft gut sichtbar und tastbar. Eine deutliche Schwellung entlang der Sehne ist dabei besonders charakteristisch und hilft, die Erkrankung von anderen Ursachen zu unterscheiden.

Die vollständige Liste typischer Symptome umfasst:

  • Lokalschmerz entlang der betroffenen Sehne, der sich bei Druck und Bewegung verstärkt
  • Schwellung im Bereich der Sehnenscheide, teils als spindelförmige Verdickung sichtbar
  • Überwärmung der Haut über dem betroffenen Areal
  • Rötung der Haut (besonders bei akuter Entzündung)
  • Krepitieren – fühlbares oder hörbares Reiben bei Bewegung
  • Morgensteifigkeit – besonders ausgeprägte Schmerzen und Steifigkeit nach Ruhephasen
  • Kraftverlust – durch Schmerzhemmung ist die Griffstärke oder Bewegungskraft reduziert
  • Bewegungseinschränkung – aktive und passive Bewegung im betroffenen Bereich schmerzhaft und limitiert
  • Ruheschmerz und Nachtschmerz bei fortgeschrittener Entzündung
  • Ausstrahlende Schmerzen – gelegentlich strahlt der Schmerz in benachbarte Körperbereiche aus

„Eine frühzeitige Erkennung und konsequente Behandlung der Sehnenscheidenentzündung ist entscheidend, um eine Chronifizierung zu verhindern. Viele Patienten warten zu lange, bevor sie ärztliche Hilfe suchen – dabei kann gerade in den ersten Tagen viel erreicht werden."

Wichtig zu wissen: Bei einer infektiösen Tendovaginitis können zusätzlich Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl auftreten. In diesem Fall ist umgehend ein Arzt aufzusuchen, da eine bakterielle Infektion der Sehnenscheide ein medizinischer Notfall ist und rasch behandelt werden muss.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Warnsignale, die nicht ignoriert werden sollten

Leichte Sehnenschmerzen nach ungewohnter körperlicher Aktivität klingen oft von selbst ab, wenn man die betroffene Stelle schont und kühlt. Eine ärztliche Untersuchung ist jedoch immer dann ratsam, wenn die Beschwerden über mehr als einige Tage anhalten, sich verschlimmern oder von begleitenden Warnsignalen begleitet werden. Die Diagnose sollte durch einen Facharzt gesichert werden, da verschiedene Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können – darunter Arthrose, Bursitis (Schleimbeutelentzündung), Nervenreizungen oder rheumatische Erkrankungen.

Folgende Warnsignale machen einen zeitnahen Arztbesuch dringend notwendig:

  • Anhaltende Schmerzen über mehr als 5–7 Tage trotz Schonung und Kühlung
  • Deutliche Schwellung und Rötung, die sich rasch ausbreitet
  • Fieber oder Schüttelfrost in Verbindung mit lokalen Schmerzen (Verdacht auf Infektion)
  • Starke Bewegungseinschränkung, die alltägliche Verrichtungen unmöglich macht
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln im betroffenen Bereich oder in angrenzenden Körperregionen
  • Nachtschmerzen, die den Schlaf erheblich stören
  • Vorbekannte rheumatische Erkrankung mit neuen, ungewohnten Gelenk- oder Sehnenbeschwerden
  • Verdacht auf eine Stichwunde oder Verletzung im Bereich der Sehnenscheide
  • Keine Verbesserung nach selbst durchgeführten Maßnahmen über einen Zeitraum von mehr als einer Woche

Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner?

Bei Verdacht auf eine Sehnenscheidenentzündung ist zunächst der Hausarzt eine gute erste Anlaufstelle. Er kann eine erste Einschätzung vornehmen und bei Bedarf an Spezialisten überweisen. Je nach Lokalisation und Ursache der Entzündung können folgende Fachärzte hinzugezogen werden:

  • Orthopäde oder Unfallchirurg: Bei Beschwerden am Bewegungsapparat ohne Verdacht auf rheumatische Grunderkrankung
  • Rheumatologe: Wenn eine entzündlich-rheumatische Erkrankung als Ursache in Betracht kommt
  • Handchirurg: Bei Beschwerden an Hand, Finger oder Handgelenk, besonders wenn eine operative Therapie erwogen wird
  • Sportmediziner: Bei sportbedingter Sehnenscheidenentzündung und Wiedereinstiegsfragen

Was erwartet Sie beim Arztbesuch?

Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben: Wann haben die Beschwerden begonnen? Was hat sie ausgelöst? Welche Tätigkeiten verschlimmern oder verbessern die Schmerzen? Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung mit Inspektion (Sichtkontrolle), Palpation (Abtasten) und Funktionstests. In vielen Fällen kann die Diagnose klinisch gestellt werden. Zur Sicherung der Diagnose und zum Ausschluss anderer Erkrankungen können ergänzend folgende Untersuchungen eingesetzt werden:

  • Ultraschall (Sonographie): Sehr gut geeignet, um Sehnenscheidenergüsse, Verdickungen und Entzündungszeichen darzustellen – schnell, kostengünstig und ohne Strahlenbelastung
  • Röntgenaufnahme: Zum Ausschluss knöcherner Veränderungen oder Verkalkungen
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf weitere Gewebeschäden besonders aussagekräftig
  • Blutuntersuchung: Bei Verdacht auf rheumatische oder infektiöse Ursache (Entzündungsparameter, Rheumafaktoren, Harnsäure)

Weitere allgemeine Informationen zu Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparats finden Sie in unserem Behandlungsratgeber.

Behandlung der Sehnenscheidenentzündung

Das Grundprinzip: Entzündung stoppen, Heilung fördern

Die Behandlung einer Sehnenscheidenentzündung richtet sich stets nach der Ursache, dem Schweregrad und der betroffenen Körperregion. In den meisten Fällen ist eine konservative Therapie ausreichend und erfolgreich. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Entzündungsreaktion zu dämpfen, Schmerzen zu lindern und die Heilung des Gewebes zu unterstützen, während gleichzeitig die verursachenden Faktoren beseitigt oder reduziert werden. Eine vollständige Ausheilung ist bei konsequenter Behandlung in der Regel gut möglich.

Akutmaßnahmen: Die PECH-Regel und Schonung

In der Akutphase steht zunächst die Entlastung und Kühlung im Vordergrund. Die bewährte PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung) gilt auch hier als erste Orientierung, wobei bei Sehnenscheidenentzündungen besonders auf folgende Punkte zu achten ist:

  • Pause und Schonung: Die betroffene Körperregion sollte weitgehend ruhiggestellt werden. Das bedeutet nicht absolute Bettruhe, sondern das Vermeiden der auslösenden Bewegungen und Belastungen.
  • Kühlung: Kühlpacks oder Eiswürfel in einem Tuch können in den ersten 48–72 Stunden helfen, Schwellung und Schmerz zu reduzieren. Niemals Eis direkt auf die Haut legen!
  • Ruhigstellung: In manchen Fällen empfiehlt der Arzt eine vorübergehende Schienung oder Bandagierung, um die betroffene Sehne zu entlasten.
  • Ergonomische Anpassung: Der Arbeitsplatz sollte ergonomisch optimiert werden, um die betroffene Körperregion zu entlasten.

Medikamentöse Behandlung

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac werden häufig eingesetzt, um Entzündung und Schmerz zu lindern. Sie können oral (als Tablette) oder lokal (als Gel oder Salbe) angewendet werden. Lokal angewendete NSAR haben den Vorteil, dass sie direkt an der betroffenen Stelle wirken und systemische Nebenwirkungen gering sind. Informationen zu geeigneten Salben und Cremes finden Sie in unserem Ratgeber zu Salben und Cremes. Bei stärkeren Entzündungen kann der Arzt auch eine Kortikosteroid-Injektion (Kortisoninjektion) direkt in oder nahe der Sehnenscheide erwägen – diese wirkt stark entzündungshemmend, sollte jedoch nicht zu häufig wiederholt werden, da sie das Sehnengewebe schwächen kann.

Physiotherapie und weitere konservative Maßnahmen

Sobald die akute Entzündungsphase abgeklungen ist, spielt die Physiotherapie eine zentrale Rolle in der Behandlung. Durch gezielte Übungen werden die umliegenden Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und Fehlhaltungen korrigiert, die zur Entstehung der Entzündung beigetragen haben. Ultraschall-Therapie, Iontophorese (elektrische Einbringung von Wirkstoffen in das Gewebe) und manuelle Therapietechniken sind ergänzende Methoden, die der Physiotherapeut einsetzen kann.

Eine Übersicht der gängigen Behandlungsoptionen im Vergleich:

BehandlungsmethodeGeeignet fürBesonderheiten
Schonung/RuhigstellungAlle Schweregrade (Akutphase)Basis jeder Behandlung
NSAR-SalbenLeichte bis mittelschwere FälleGute Verträglichkeit, lokal wirksam
Orale NSARMittelschwere FälleAuf Kontraindikationen achten
KortisoninjektionHartnäckige/schwere FälleNicht zu häufig anwenden
PhysiotherapieNach Abklingen der AkutphaseRückfallprävention, Stärkung
OperationTherapieresistente FälleSelten notwendig, letztes Mittel

Hausmittel und ergänzende Maßnahmen

Viele Betroffene fragen, was sie neben der ärztlich verordneten Behandlung selbst tun können. Einige Hausmittel können die Linderung der Beschwerden unterstützen, ersetzen jedoch keine medizinische Behandlung. Dazu zählen unter anderem das Auflegen von Quarkwickeln (kühlend und entzündungshemmend), die Anwendung von Arnika-Präparaten oder wärmendes Einreiben nach der Akutphase. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel zu Hausmitteln bei Sehnenscheidenentzündung. Ergänzend kann eine Ernährungsoptimierung helfen: Eine entzündungsarme Ernährung mit viel Omega-3-Fettsäuren (Fisch, Leinöl), Antioxidantien (Obst, Gemüse) und wenig verarbeiteten Lebensmitteln kann den Entzündungsprozess positiv beeinflussen.

Übungen und Prävention bei Sehnenscheidenentzündung

Wann darf mit Übungen begonnen werden?

Eine häufige Frage von Betroffenen lautet: „Wann kann ich wieder mit Bewegung beginnen?" Die Antwort hängt vom Schweregrad der Entzündung und dem individuellen Heilungsverlauf ab. Grundsätzlich gilt: In der akuten Entzündungsphase (erste 3–7 Tage) sollte die betroffene Region so weit wie möglich geschont werden. Jede schmerzauslösende Bewegung verzögert die Heilung. Sobald Schwellung und akute Schmerzen nachlassen, können unter Anleitung eines Physiotherapeuten vorsichtige Mobilisationsübungen begonnen werden. Schmerzfreiheit ist dabei das wichtigste Kriterium: Übungen sollten niemals in den Schmerz hinein durchgeführt werden.

Bewährte Übungen in der Aufbauphase

Die folgenden Übungsformen werden häufig in der Rehabilitation nach einer Sehnenscheidenentzündung eingesetzt. Sie dienen dazu, die Durchblutung zu fördern, die umliegende Muskulatur zu kräftigen und die Sehnenstruktur belastbarer zu machen. Für spezifische Anleitungen und Videoübungen besuchen Sie unsere Übungsseite.

  • Sanfte Mobilisationsübungen: Kreisende Bewegungen der betroffenen Gelenke im schmerzfreien Bereich fördern die Durchblutung und erhalten die Beweglichkeit.
  • Exzentrische Kräftigungsübungen: Das langsame, kontrollierte Nachgeben gegen eine Kraft (z. B. langsames Absenken des Handgelenks gegen leichten Widerstand) hat sich in Studien als besonders wirksam für die Sehnenregeneration erwiesen.
  • Dehn- und Stretchingübungen: Sanftes Dehnen der betroffenen Muskel-Sehnen-Einheit verbessert die Flexibilität und reduziert die Zugspannung auf die Sehnenscheide.
  • Koordinations- und Propriozeptionsübungen: Balanceübungen und koordinative Bewegungsformen verbessern die Körperwahrnehmung und helfen, Fehlbelastungen zu vermeiden.
  • Wärme-Kälte-Wechselanwendungen: Im subakuten Stadium können Wechselbäder (warm/kalt) die Durchblutung anregen und die Heilung unterstützen.
  • Faszienrollen: Das vorsichtige Ausrollen der umliegenden Muskulatur mit einer Faszienrolle kann Verspannungen lösen und die Sehnenscheide entlasten.
  • Kräftigung der Antagonisten: Die gezielte Stärkung der Gegenmuskeln sorgt für eine ausgewogenere Belastungsverteilung und schützt die betroffene Sehne.

Prävention: So beugen Sie einer Sehnenscheidenentzündung vor

Wer einmal eine Sehnenscheidenentzündung hatte, möchte einen Rückfall möglichst vermeiden. Glücklicherweise lassen sich durch konsequente präventive Maßnahmen die Risiken erheblich reduzieren. Die wichtigsten Strategien im Überblick:

  • Ergonomie am Arbeitsplatz optimieren: Höhenverstellbarer Schreibtisch, ergonomische Maus und Tastatur, korrekte Stuhlhöhe und Bildschirmposition – all das entlastet die gefährdeten Sehnenregionen.
  • Regelmäßige Pausen einhalten: Bei Tätigkeiten mit repetitiven Bewegungen alle 45–60 Minuten kurze Dehn- und Lockerungsübungen einbauen.
  • Aufwärmen vor dem Sport: Niemals kalt in intensive körperliche Aktivität einsteigen. Ein gründliches Aufwärmprogramm bereitet Muskeln, Sehnen und Gelenke auf Belastung vor.
  • Belastung steigern: Trainingsumfang und -intensität sollten schrittweise gesteigert werden – die sogenannte 10-%-Regel empfiehlt, die Trainingsbelastung pro Woche um maximal 10 % zu erhöhen.
  • Geeignetes Schuhwerk und Equipment: Beim Sport immer auf passendes, dem Aktivitätsniveau angepasstes Equipment achten.
  • Kräftigung der Rumpf- und Haltemuskulatur: Eine starke Rumpfmuskulatur unterstützt die gesamte Körperhaltung und entlastet periphere Sehnenstrukturen.
  • Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Meditation helfen, muskuläre Verspannungen zu reduzieren.
  • Ausreichend schlafen und regenerieren: Im Schlaf regeneriert sich auch das Sehnengewebe. Chronischer Schlafmangel beeinträchtigt die körpereigenen Heilungsprozesse.

Ausführliche Informationen zu Nackenbeschwerden im Zusammenhang mit Sehnenerkrankungen finden Sie in unserem Bereich zu Nackenschmerzen.

Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Sehnenscheidenentzündung

Kernaussagen auf einen Blick

Die Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis/Tenosynovitis) ist eine häufige Erkrankung des Bewegungsapparats, die durch mechanische Überlastung, Fehlbelastung oder entzündliche Grunderkrankungen ausgelöst wird. Sie betrifft bevorzugt stark beanspruchte Sehnenregionen wie Handgelenk, Daumen, Schulter und Fuß, kann aber auch im Bereich der Halswirbelsäule und des Nackens auftreten. Typische Symptome sind lokaler Schmerz, Schwellung, Überwärmung, Krepitieren und Bewegungseinschränkung.

Die Diagnose erfolgt meist klinisch durch Anamnese und körperliche Untersuchung, ergänzend können Ultraschall, Röntgen oder MRT eingesetzt werden. Die Behandlung ist in der Mehrzahl der Fälle konservativ: Schonung, Kühlung, entzündungshemmende Medikamente (lokal und systemisch), Physiotherapie und ergonomische Anpassungen bilden das Fundament. In hartnäckigen Fällen können Kortikosteroidinjektionen oder – als letzte Option – operative Eingriffe erwogen werden.

Prognose: Was kann ich erwarten?

Die Prognose bei einer Sehnenscheidenentzündung ist bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung generell günstig. Leichte Formen heilen oft innerhalb von wenigen Wochen vollständig aus. Mittelschwere und schwere Verläufe können mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Entscheidend ist, die auslösenden Faktoren konsequent zu beseitigen und Rückfälle durch präventive Maßnahmen zu vermeiden. Wird die Erkrankung chronisch, ist die Behandlung aufwändiger und die Heilungsdauer länger – ein weiterer Grund, bei anhaltenden Beschwerden frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die wichtigste Botschaft: Schmerzen im Bereich von Sehnen und Gelenken sollten ernst genommen werden. Frühzeitiges Handeln, konsequente Behandlung und gezielte Prävention sind die besten Voraussetzungen für eine vollständige Erholung.

Checkliste: Was Sie jetzt tun können

  • Betroffene Region sofort schonen und auslösende Belastungen vermeiden
  • In den ersten 48–72 Stunden kühlen (niemals Eis direkt auf die Haut)
  • NSAR-Salben oder orale Schmerzmittel nach Rücksprache mit dem Arzt einsetzen – mehr dazu unter Salben und Cremes
  • Bei anhaltenden oder starken Beschwerden zeitnah einen Arzt aufsuchen
  • Arbeitsplatz ergonomisch anpassen und Bewegungspausen einbauen
  • Nach Abklingen der Akutphase physiotherapeutische Übungen beginnen – Anleitungen finden Sie unter Übungen
  • Hausmittel als unterstützende Maßnahme nutzen – weitere Tipps unter Hausmittel bei Sehnenscheidenentzündung
  • Allgemeine Informationen zu Nackenbeschwerden im Zusammenhang mit Sehnenerkrankungen unter Nackenschmerzen-Ratgeber

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Arzt oder Therapeuten.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:

Hinweis: Externe Links sind mit rel="nofollow" gekennzeichnet und führen zu unabhängigen Quellen außerhalb unserer Kontrolle.