Plantarfasziitis: Die häufigste Ursache für Fersenschmerzen
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Wenn jeder Schritt zur Qual wird
Der erste Schritt am Morgen – und sofort der Schmerz
Viele Menschen kennen dieses Erlebnis: Der Wecker klingelt, man setzt die Füße auf den Boden – und im selben Moment durchzuckt ein stechender, brennender Schmerz die Ferse. Nicht langsam, nicht dumpf, sondern scharf und unmittelbar. Genau dieses Bild beschreibt das Leitsymptom der Plantarfasziitis, einer der häufigsten Ursachen für Fersenschmerzen überhaupt. Schätzungen zufolge leidet etwa jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal an dieser Erkrankung – und ein Großteil davon ahnt zunächst nicht einmal, was hinter den Beschwerden steckt.
Die Plantarfasziitis betrifft Menschen in allen Lebensphasen, tritt jedoch besonders häufig zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Aber auch jüngere Erwachsene, insbesondere Läufer, Stehberufsgruppen und Menschen mit Übergewicht, sind keineswegs selten betroffen. Das macht die Erkrankung zu einem echten Volksgesundheitsproblem mit erheblichem Leidensdruck: Betroffene passen ihren Alltag, ihre sportlichen Aktivitäten und sogar ihre Berufstätigkeit den Schmerzen an – oft über Monate oder Jahre hinweg.
Was die Situation für viele Patienten besonders frustrierend macht, ist die Tatsache, dass die Plantarfasziitis häufig schleichend beginnt und zunächst als vorübergehende Verspannung oder harmlose Überlastung abgetan wird. Erst wenn die Beschwerden anhalten oder sich verschlimmern, suchen die meisten ärztliche Hilfe. Zu diesem Zeitpunkt hat die Erkrankung jedoch oft bereits einen chronischen Verlauf angenommen, der eine konsequente Behandlung erfordert. Dieser Artikel erklärt ausführlich, was hinter der Plantarfasziitis steckt, wie sie entsteht, wie sie erkannt wird – und welche Behandlungsansätze die Beschwerden tatsächlich lindern können.
Ein weiterer Aspekt, der häufig übersehen wird: Die Plantarfasziitis steht in engem Zusammenhang mit dem sogenannten Fersensporn, einem knöchernen Ausläufer am Fersenbein. Beide Begriffe werden im Alltag häufig synonym verwendet, bezeichnen aber streng genommen unterschiedliche Dinge. Während der Fersensporn eine röntgenologisch sichtbare Veränderung am Knochen ist, beschreibt die Plantarfasziitis eine Reizung oder Entzündung der bindegewebigen Sehnenplatte an der Fußsohle. Dieser Unterschied ist für die Behandlung durchaus relevant – denn nicht jeder Fersensporn verursacht Schmerzen, und nicht jede Plantarfasziitis geht mit einem Fersensporn einher.
Was ist eine Plantarfasziitis?
Die Plantarfaszie – das unterschätzte Fundament des Fußes
Die Plantarfaszie (lateinisch: fascia plantaris) ist eine kräftige, sehnige Bindegewebsplatte, die sich an der Unterseite des Fußes von der Ferse bis zu den Zehengrundgelenken erstreckt. Sie besteht aus straffem Bindegewebe und hat im Wesentlichen zwei Aufgaben: Zum einen stabilisiert sie das Längsgewölbe des Fußes wie eine gespannte Bogensehne, zum anderen federt sie bei jedem Schritt den Aufprall ab und überträgt die Bewegungsenergie beim Abrollen effizient auf den Vorfuß. Ohne diese Struktur wäre normales Gehen, Laufen und Stehen kaum möglich.
Die Plantarfaszie ist keine Sehne im klassischen Sinne, sondern ein breitflächiges Band aus kollagenen Fasern. Sie entspringt am sogenannten Tuber calcanei, dem Fersenhöcker des Fersenbeins, und strahlt fächerförmig nach vorne aus. Bei jedem Schritt wird sie durch das Körpergewicht gedehnt und belastet. Über ein Leben hinweg summieren sich diese Belastungen auf Millionen von Einzelbewegungen – und diese Dauerbelastung kann zu mikroskopisch kleinen Rissen und chronischen Reizungen führen.
Was genau passiert bei einer Plantarfasziitis?
Der Begriff „-itis" im Namen suggeriert eine klassische Entzündung, doch das Bild ist differenzierter. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei der Plantarfasziitis weniger eine akut-entzündliche Reaktion im Vordergrund steht, sondern vielmehr ein degenerativ-reaktiver Prozess: Winzige Mikrorisse im Kollagengewebe der Faszie heilen nicht vollständig aus, weil die Belastung nicht ausreichend reduziert wird. Dies führt zu einer chronischen Reizung mit Gewebeveränderungen, die histologisch dem Bild einer Tendinopathie (degenerativer Sehnenveränderung) ähneln.
In der Praxis bedeutet dies: Die Plantarfaszie verliert an Elastizität, das umgebende Gewebe reagiert mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit, und der Körper versucht, durch Kalkeinlagerungen oder knöcherne Ausläufer – den bekannten plantaren Fersensporn – die belastete Stelle zu verstärken. Diese Reaktion löst den Schmerz jedoch nicht, sondern kann ihn dauerhaft aufrechterhalten. Die Erkrankung kann einseitig oder beidseitig auftreten, wobei ein einseitiger Befall häufiger vorkommt.
Zu den wichtigsten anatomischen und funktionellen Fakten zur Plantarfaszie gehören:
- Die Plantarfaszie ist durchschnittlich 3–5 mm dick – bei Plantarfasziitis kann die Dicke auf über 6–7 mm ansteigen (messbar per Ultraschall)
- Sie trägt bei jedem Schritt bis zu 110 % des Körpergewichts als Zugbelastung
- Beim Laufen können Spitzenwerte von über 200 % des Körpergewichts auftreten
- Die Faszie besteht zu einem großen Teil aus Typ-I-Kollagen, das auf Zugbelastung ausgelegt ist
- Ihre Durchblutung ist im Vergleich zu Muskeln eingeschränkt, was die Regeneration verlangsamt
- Die engste Verbindung besteht am Ursprung an der Ferse, wo über 90 % der Plantarfasziitis-Fälle beginnen
Dieses anatomische Grundverständnis ist wichtig, um die typischen Symptome, ihre Entstehung und die verschiedenen Behandlungsansätze nachvollziehen zu können.
Ursachen der Plantarfasziitis – Warum entsteht der Schmerz?
Kein einzelner Auslöser, sondern ein Zusammenspiel von Faktoren
Die Plantarfasziitis entsteht in den seltensten Fällen durch ein einzelnes, klar identifizierbares Ereignis. Vielmehr ist sie das Ergebnis eines multifaktoriellen Überlastungsgeschehens, bei dem biomechanische, anatomische, lebensstilbedingte und systemische Faktoren zusammenwirken. Das erschwert zwar die Prävention, erleichtert aber gleichzeitig das Verständnis: Wer die relevanten Risikofaktoren kennt, kann gezielt gegensteuern.
Biomechanische Risikofaktoren
Ein besonders häufig genannter Risikofaktor ist die eingeschränkte Dorsalflexion im oberen Sprunggelenk, also die begrenzte Beweglichkeit beim Hochziehen des Fußes. Wenn das Sprunggelenk beim Gehen oder Laufen nicht ausreichend nach oben klappt, muss die Plantarfaszie einen größeren Teil der Bewegung kompensieren – und wird dabei chronisch überlastet. Diese Einschränkung entsteht häufig durch verkürzte Wadenmuskulatur (Musculus gastrocnemius, Musculus soleus) oder durch die Achillessehne.
Auch die Fußstellung spielt eine wesentliche Rolle:
- Knick-Senkfuß (Pes planovalgus): Das Längsgewölbe ist abgeflacht, die Plantarfaszie wird stärker gedehnt
- Hohlfuß (Pes cavus): Das Gewölbe ist übertrieben hoch, die Faszie ist dauerhaft unter Spannung
- Überpronation: Der Fuß dreht beim Auftreten zu weit nach innen, was Zugkräfte an der Ferse erhöht
- Beinseitendifferenz: Ein Bein ist geringfügig kürzer, was asymmetrische Belastungen erzeugt
- Supination: Zu starkes Abrollen über die Außenkante des Fußes
Lebensstil- und belastungsbedingte Faktoren
Neben der Anatomie haben auch Aktivitätsmuster und Lebensstil erheblichen Einfluss. Ein häufiges Szenario ist der plötzliche Anstieg der Trainingsbelastung: Wer nach einer Pause rasch mit dem Laufen beginnt, das wöchentliche Trainingsvolumen zu schnell steigert oder auf hartem Untergrund läuft, überlastet die Plantarfaszie, bevor sie sich anpassen konnte. Ebenso problematisch sind Langes Stehen auf hartem Boden, wie es für viele Berufsgruppen typisch ist – darunter Pflegepersonal, Köche, Verkäufer oder Handwerker.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren im Überblick:
- Übergewicht und Adipositas: Jedes zusätzliche Kilogramm erhöht den Druck auf die Plantarfaszie
- Langes Stehen oder Gehen auf hartem Untergrund im Berufsalltag
- Ungeeignetes Schuhwerk: Zu flache Sohlen, mangelnde Dämpfung, fehlende Fersenunterstützung
- Barfußlaufen auf harten Böden, besonders nach langer Pause
- Plötzliche Trainingsintensivierung (das sogenannte „Too much, too soon"-Prinzip)
- Hohes Lebensalter: Ab ca. 40 Jahren nimmt die Elastizität des Gewebes ab
- Verkürzte Wadenmuskulatur (häufig durch viel Sitzen)
- Systemische Erkrankungen: Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis und Spondylarthropathien können das Risiko erhöhen
- Schwangerschaft: Durch Gewichtszunahme und hormonell bedingte Gewebeauflockerung
- Vorherige Verletzungen am Fuß oder Sprunggelenk
Was die meisten Patienten nicht wissen
Ein oft unterschätzter Faktor ist die nächtliche Verkürzung der Plantarfaszie. Im Schlaf befindet sich der Fuß in einer entspannten Spitzfußstellung – die Plantarfaszie verkürzt sich leicht. Beim ersten Aufstehen wird sie dann ruckartig gedehnt, was die typischen Anlaufschmerzen erklärt. Dieses Wissen ist therapeutisch direkt nutzbar, wie im Behandlungsabschnitt erläutert wird.
Symptome der Plantarfasziitis – So äußert sich die Erkrankung
Das charakteristische Schmerzmuster erkennen
Die Plantarfasziitis hat ein sehr charakteristisches Beschwerdebild, das erfahrene Ärzte oft schon aus der Patientenschilderung erkennen. Das wichtigste Merkmal ist der belastungsabhängige Anlaufschmerz: starke Schmerzen beim ersten Aufstehen morgens oder nach längeren Ruhephasen, die sich nach einigen Schritten langsam bessern – um dann nach längerer Belastung (z. B. langem Gehen oder Stehen) wieder zuzunehmen. Dieser Verlauf – Schmerz bei Belastungsbeginn, kurzfristige Besserung, erneute Zunahme – ist nahezu pathognomonisch für die Plantarfasziitis.
Der Schmerz ist typischerweise an der medialen Seite des Fersenhöckers lokalisiert, also am innenseitigen Anteil der Ferse. Von dort kann er in Richtung Fußsohle oder Fußgewölbe ausstrahlen. Viele Patienten beschreiben ihn als stechend, brennend oder nagend – seltener als dumpf oder drückend. Der Druckschmerz bei gezielter Palpation (Betastung) des Fersenhöckers ist eines der verlässlichsten klinischen Zeichen.
Wie sich Symptome im Verlauf verändern
In der frühen Phase der Plantarfasziitis sind die Beschwerden meist auf die Morgenstunden begrenzt. Viele Betroffene berichten, dass der Schmerz nach 5–10 Minuten deutlich nachlässt und sie den Tag zunächst problemlos bewältigen können. In dieser Phase wird die Erkrankung daher häufig unterschätzt.
Im fortgeschrittenen oder chronischen Stadium nimmt der Schmerz an Intensität und Häufigkeit zu:
- Schmerzen bereits nach kurzem Stehen oder Gehen
- Beschwerden, die auch in Ruhephasen nicht vollständig abklingen
- Zunehmende Beeinträchtigung beim Sport und im Alltag
- Ausweichbewegungen beim Gehen, die zu sekundären Problemen führen können (z. B. Knie- oder Rückenschmerzen)
- Druckschmerz, der sich auf einen größeren Bereich der Fußsohle ausweitet
Die Symptome des Fersensporns ähneln denen der Plantarfasziitis stark, da beide Erkrankungen häufig gemeinsam auftreten. Eine genaue Unterscheidung ist durch bildgebende Diagnostik möglich.
Wann zum Arzt?
Obwohl viele Fälle von Plantarfasziitis im Verlauf von selbst abklingen können, gibt es klare Hinweise dafür, dass ärztliche Hilfe notwendig ist:
- Anhaltende Beschwerden über mehr als 4–6 Wochen trotz Schonung und Schuhoptimierung
- Sehr starke Schmerzen, die normales Gehen kaum noch erlauben
- Schmerzen in Ruhe oder nachts, die auf ein anderes Krankheitsbild hindeuten könnten
- Schwellung, Rötung oder Wärme im Fersenbereich
- Beidseitige Fersenschmerzen (möglicher Hinweis auf systemische Erkrankung)
- Rasches Wiederauftreten nach Besserung
- Patienten mit Diabetes, rheumatischen Erkrankungen oder anderen Grunderkrankungen sollten frühzeitig einen Arzt aufsuchen
Bei diesen Anzeichen sollte zeitnah ein Orthopäde oder Sportmediziner konsultiert werden, um eine präzise Diagnose zu sichern und geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Diagnose der Plantarfasziitis – Wie wird sie festgestellt?
Die Diagnose beginnt mit dem Gespräch
Die Diagnose der Plantarfasziitis ist in vielen Fällen eine klinische Diagnose, die der Arzt auf Basis der typischen Beschwerdeschilderung und einer gezielten körperlichen Untersuchung stellt. Apparative Diagnostik ist ergänzend sinnvoll, um andere Ursachen auszuschließen oder den Schweregrad zu beurteilen – sie ist aber nicht immer zwingend erforderlich.
Im ärztlichen Gespräch werden die charakteristischen Merkmale des Schmerzes erfragt:
- Wo genau ist der Schmerz lokalisiert?
- Wann tritt er auf? (Anlaufschmerz, Belastungsschmerz, Ruheschmerz)
- Wie lange bestehen die Beschwerden?
- Welche Aktivitäten verschlimmern oder lindern den Schmerz?
- Welches Schuhwerk wird getragen?
- Gibt es bekannte Risikofaktoren (Übergewicht, Sport, Beruf)?
Die körperliche Untersuchung
Bei der klinischen Untersuchung achtet der Arzt auf mehrere Aspekte:
- Druckschmerz am medialen Fersenhöcker: Das verlässlichste klinische Zeichen; der Schmerz lässt sich durch gezielten Daumendruck reproduzieren
- Beurteilung des Gangbildes und der Fußstatik (Längsgewölbe, Pronationsstellung)
- Beweglichkeitstest des oberen Sprunggelenks: Eingeschränkte Dorsalflexion gilt als signifikanter Risikofaktor
- Windlass-Test: Passive Dorsalflexion der Großzehe dehnt die Plantarfaszie und kann den charakteristischen Schmerz reproduzieren
- Dehnungstest der Wadenmuskulatur: Verkürzte Muskeln erhöhen die Spannung auf die Faszie
- Palpation der gesamten Fußsohle, um andere Schmerzquellen auszuschließen
Bildgebende Diagnostik
Obwohl die Diagnose klinisch gestellt werden kann, sind bildgebende Verfahren in bestimmten Situationen wertvoll:
Sonographie (Ultraschall): Das bevorzugte Verfahren in der Primärdiagnostik. Es ermöglicht die direkte Darstellung der Plantarfaszie, die Messung ihrer Dicke (bei Plantarfasziitis typischerweise > 4 mm am Ursprung) und den Nachweis von strukturellen Veränderungen oder Flüssigkeitsansammlungen. Die Sonographie ist kostengünstig, strahlungsfrei und jederzeit verfügbar.
Röntgen: Liefert keinen direkten Nachweis der Plantarfasziitis, zeigt aber einen eventuell vorhandenen plantaren Fersensporn. Da der Fersensporn jedoch nicht zwingend Schmerzen verursacht und bei bis zu 25 % der beschwerdefreien Bevölkerung vorkommt, ist der Röntgenbefund allein nicht diagnoseweisend.
MRT (Magnetresonanztomographie): Wird eingesetzt, wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen (z. B. Stressfraktur des Fersenbeins, Nerveneinklemmung, Tumore) oder wenn die Diagnose nach konservativer Therapie unklar bleibt. Das MRT kann Ödeme im Bereich des Faszienursprungs und strukturelle Schäden sehr präzise darstellen.
Differenzialdiagnosen – Was sonst noch infrage kommt
Nicht jeder Fersenschmerz ist eine Plantarfasziitis. Wichtige Differenzialdiagnosen sind:
- Fersenbein-Stressfraktur: Besonders nach plötzlicher Belastungserhöhung; Schmerz diffuser und belastungsunabhängig
- Nervenkompression (Tarsaltunnelsyndrom): Brennender, kribbelnder Schmerz, oft mit Taubheitsgefühl
- Baxter-Neuritis: Einklemmung des N. calcaneus inferior
- Rheumatische Erkrankungen: Spondylarthritis, Psoriasisarthritis (häufig beidseitig)
- Achillessehnenpathologie: Schmerz weiter kranial, nahe der Achillessehne
- Fettpolsteratrophie der Ferse: Besonders bei älteren Patienten
Diese Differenzialdiagnostik unterstreicht die Bedeutung einer fachärztlichen Abklärung bei anhaltenden Fersenbeschwerden.
Behandlung der Plantarfasziitis – Was wirklich hilft
Die gute Nachricht: Die meisten Fälle heilen konservativ aus
Die wichtigste Botschaft vorab: Bei konsequenter Behandlung sprechen etwa 80–90 % aller Patienten auf konservative Maßnahmen an. Allerdings erfordert dies in der Regel Geduld – viele Betroffene berichten, dass eine spürbare und dauerhafte Besserung erst nach 6–12 Monaten eintritt. Das klingt zunächst entmutigend, ist jedoch biologisch erklärbar: Das Kollagengewebe der Plantarfaszie regeneriert sich langsam, und eine vollständige Gewebeheilung braucht Zeit.
Die Behandlung der Plantarfasziitis folgt einem gestuften Konzept: Es beginnt mit einfachen, alltagsnahen Maßnahmen und kann bei Bedarf zu spezialisierten Verfahren eskaliert werden. Operative Eingriffe sind die absolute Ausnahme und kommen nur bei therapieresistenten Fällen nach 6–12 Monaten erfolgloser konservativer Therapie in Betracht.
Erstmaßnahmen und Basistherapie
Die Reduktion der auslösenden Belastung ist der erste und wichtigste Schritt. Das bedeutet nicht vollständige Bettruhe, sondern eine intelligente Anpassung der Aktivitäten: Sport mit hoher Stoßbelastung (Laufen, Springen) sollte vorübergehend reduziert oder durch schonendere Alternativen (Schwimmen, Radfahren) ersetzt werden.
Zentral ist außerdem die Schuhversorgung:
- Schuhe mit ausreichender Fersenpolsterung und Mittelfußunterstützung
- Fersenkeile oder Fersenpolster zur Druckentlastung
- Maßgefertigte Einlagen (Orthesen), die die Fußstatik korrigieren und die Plantarfaszie entlasten
- Verzicht auf flache, harte Schuhe oder Barfußlaufen auf hartem Untergrund
Dehn- und Kräftigungsübungen – Die wichtigste Therapiesäule
Regelmäßige, gezielte Übungen gelten als wirksamste und am besten belegte konservative Maßnahme bei Plantarfasziitis. Besonders gut untersucht ist das exzentrische Wadentraining sowie das gezielte Dehnen der Plantarfaszie:
- Plantarfaszien-Stretch: Im Sitzen den Fuß über das Knie legen, Zehen nach oben ziehen und die Fußsohle erspüren – 3 × 30 Sekunden, mehrmals täglich
- Wadendehnung an der Wand: Bein gestreckt nach hinten, Ferse auf dem Boden – für M. gastrocnemius; Knie leicht gebeugt – für M. soleus
- Towel Curls: Handtuch oder Marmorkugeln mit den Zehen greifen – stärkt die intrinsische Fußmuskulatur
- Heel Drops (exzentrisches Training): Auf einer Stufe, Ferse langsam absenken – nachweislich wirksam bei chronischen Verläufen
- Nachtlagerungsschiene (Night Splint): Hält die Plantarfaszie während des Schlafs in leichter Dehnung – reduziert den Anlaufschmerz am Morgen erheblich
Physikalische und physiotherapeutische Maßnahmen
Eine gezielte Physiotherapie kann die Eigenübungen ergänzen und vertiefen. Der Physiotherapeut analysiert das Gangbild, korrigiert biomechanische Fehler und leitet ein individuell angepasstes Übungsprogramm an. Manualtherapeutische Techniken können Verspannungen der Wadenmuskulatur und der Achillessehne lösen.
Zusätzlich stehen verschiedene physikalische Verfahren zur Verfügung:
- Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): Wohl das am besten evidenzbasierte nicht-invasive Verfahren bei chronischer Plantarfasziitis; es werden hochenergetische Schallwellen in das Gewebe geleitet, die die Durchblutung fördern und den Heilungsprozess stimulieren sollen
- Iontophorese mit entzündungshemmenden Substanzen
- Querfriktionsmassage am Faszienursprung
- Taping (Low-Dye-Technik): Unterstützt das Fußgewölbe und reduziert die Zugbelastung
- Ultraschalltherapie zur lokalen Durchblutungsförderung
Medikamentöse Behandlung
NSAIDs (nicht-steroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Diclofenac können kurzfristig zur Schmerzlinderung eingesetzt werden – sowohl oral als auch als Gel oder Creme. Sie wirken entzündungshemmend und analgetisch, bekämpfen aber nicht die Ursache der Erkrankung. Eine Dauerbehandlung mit NSAR ist aufgrund der bekannten Nebenwirkungen (Magen-Darm, Niere, Herz-Kreislauf) nicht empfehlenswert.
Kortikosteroid-Injektionen (Kortisonspritzen) in den Bereich des Faszienursprungs können kurzfristig starke Schmerzlinderung bringen. Sie sollten jedoch mit Bedacht eingesetzt werden, da sie das Gewebe langfristig schwächen können und das Risiko einer Faszienruptur erhöhen. Die Evidenz für einen langfristigen Nutzen ist begrenzt.
PRP (Platelet-Rich Plasma)-Injektionen – bei denen konzentriertes, thrombozytenreiches Eigenblut in die betroffene Region injiziert wird – sind ein neuerer Ansatz, dessen Wirksamkeit in Studien uneinheitlich bewertet wird.
Operative Behandlung als letzte Option
Wenn nach mindestens 6–12 Monaten konsequenter konservativer Therapie keine ausreichende Besserung eingetreten ist, kann in Ausnahmefällen eine operative Behandlung erwogen werden. Dabei wird die Plantarfaszie teilweise durchtrennt (partielle Fasziotomie), um die Spannung zu reduzieren. Heutzutage erfolgt dies meist minimalinvasiv (perkutan oder endoskopisch). Erfolgsraten von 70–85 % werden berichtet, jedoch ist das Verfahren mit möglichen Komplikationen wie einer destabilisierten Fußstatik verbunden. Eine ausführliche Beratung durch einen erfahrenen Orthopäden ist vor jedem operativen Eingriff unerlässlich. Mehr zu den verfügbaren Behandlungsoptionen erfahren Sie in unserem Ratgeber.
Vorbeugung der Plantarfasziitis – So schützen Sie Ihre Fußsohle
Prävention ist besser als langwierige Behandlung
Angesichts der teils langwierigen Behandlungsdauer lohnt es sich sehr, präventiven Maßnahmen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Viele der bekannten Risikofaktoren sind modifizierbar – das heißt, sie lassen sich durch gezielte Maßnahmen im Alltag reduzieren. Die Plantarfasziitis gilt in Teilen als eine Lifestyle-Erkrankung, die durch vernünftige Bewegungsgewohnheiten, geeignetes Schuhwerk und konsequente Körperpflege oft verhindert oder zumindest hinausgezögert werden kann.
Schuhwerk und Fußpflege als Fundament
Der Schuh ist das erste Interface zwischen Ihrem Fuß und dem Boden – und er hat einen erheblichen Einfluss auf die Belastung der Plantarfaszie. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Ausreichende Dämpfung: Insbesondere im Fersenbereich und unter der Fußmitte; besonders wichtig auf hartem Untergrund (Asphalt, Fliesen, Betonböden)
- Stabiles Mittelteil: Der Schuh sollte sich nicht leicht verdrehen lassen
- Leichte Fersenerhöhung: Ein Absatz von 1–2 cm reduziert die Zugbelastung auf die Plantarfaszie
- Ausreichende Zehenbox: Zu enge Schuhe verhindern die natürliche Abrollbewegung
- Regelmäßiger Schuhwechsel beim Sport: Laufschuhe sollten nach etwa 600–800 km ersetzt werden
- Berufliches Schuhwerk: Menschen in Stehberufen sollten in hochwertige, dämpfende Arbeitsschuhe investieren
Dehnen und Kräftigen als tägliche Gewohnheit
Regelmäßiges Dehnen und gezieltes Kräftigen der Fußmuskulatur sind nachweislich effektive Präventionsmaßnahmen. Bereits 5–10 Minuten täglich können den Unterschied machen:
- Morgens vor dem ersten Schritt: Den Fuß im Bett mehrfach kreisen und die Zehen nach oben ziehen – die Faszie sanft voraktivieren
- Wadendehnungen nach jeder sportlichen Einheit, aber auch im Alltag (z. B. beim Zähneputzen)
- Barfußgehen auf weichen, unebenen Böden (Rasen, Sand) trainiert die intrinsische Fußmuskulatur
- Fußrollen mit einem Tennisball oder Igelball: Unter dem Fuß rollen, um Verspannungen zu lösen
- Yoga und Pilates können die Flexibilität und Körpersensibilität insgesamt verbessern
Trainingsplanung beim Sport
Für sportlich aktive Menschen gilt das Prinzip der progressiven Belastungssteigerung: Die Trainingsintensität oder das Volumen sollte nicht um mehr als 10 % pro Woche gesteigert werden. Das gibt der Plantarfaszie Zeit, sich anzupassen. Ergänzend empfehlenswert:
- Laufstrecken auf weicherem Untergrund bevorzugen (Waldboden, Kunstrasen)
- Nach intensiven Belastungen ausreichend regenerieren
- Cross-Training einbeziehen (Schwimmen, Radfahren) um einseitige Dauerbelastungen zu vermeiden
- Bei wiederkehrenden Beschwerden präventiv einen Sportmediziner oder Physiotherapeuten konsultieren
Gewichtsmanagement und systemische Gesundheit
Übergewicht ist ein signifikanter, aber gut beeinflussbarer Risikofaktor. Jedes Kilogramm weniger bedeutet weniger Druck auf die Plantarfaszie bei jedem einzelnen Schritt. Langfristiges Gewichtsmanagement durch ausgewogene Ernährung und regelmäßige, schonende Bewegung ist somit nicht nur für Herz und Stoffwechsel wichtig, sondern auch für die Gesundheit des Bewegungsapparats. Zudem sollten Menschen mit systemischen Erkrankungen (Diabetes, rheumatische Erkrankungen) ihre Grunderkrankung konsequent behandeln lassen, da diese das Risiko für Sehnen- und Faszienprobleme erhöhen.
Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Plantarfasziitis auf einen Blick
Plantarfasziitis – eine häufige, gut behandelbare Erkrankung
Die Plantarfasziitis ist die häufigste Ursache für Fersenschmerzen und betrifft Millionen von Menschen in Deutschland jährlich. Sie entsteht durch chronische Überlastung der bindegewebigen Sehnenplatte an der Fußsohle, deren Ursprung sich am Fersenhöcker befindet. Typisch ist der stechende Anlaufschmerz morgens nach dem Aufstehen oder nach längeren Ruhephasen – ein Beschwerdemuster, das fast pathognomonisch für diese Erkrankung ist.
Die Ursachen sind multifaktoriell: Biomechanische Faktoren wie Fußfehlstellungen und eingeschränkte Sprunggelenksbeweglichkeit spielen ebenso eine Rolle wie Übergewicht, langes Stehen, ungeeignetes Schuhwerk und plötzliche Belastungssteigerungen beim Sport. Die Diagnose wird klinisch gestellt und kann durch Sonographie oder MRT gesichert werden.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst
- Die Plantarfasziitis ist keine klassische Entzündung, sondern ein degenerativ-reaktiver Prozess mit Mikrorissen und Gewebeveränderungen
- Das Leitsymptom ist der morgendliche Anlaufschmerz an der innenseitigen Ferse
- Die Erkrankung tritt häufig im Alter von 40–60 Jahren auf, kann aber auch jüngere Menschen betreffen
- Konservative Maßnahmen sind bei 80–90 % der Patienten wirksam – erfordern jedoch oft 6–12 Monate Geduld
- Dehn- und Kräftigungsübungen gelten als die am besten evidenzbasierte Therapiemaßnahme
- Nachtlagerungsschienen und geeignetes Schuhwerk können die Beschwerden erheblich reduzieren
- Die Stoßwellentherapie ist bei chronischen Verläufen eine wirksame nicht-invasive Option
- Operative Eingriffe sind die absolute Ausnahme nach erfolgloser Langzeittherapie
- Prävention durch geeignetes Schuhwerk, regelmäßiges Dehnen und progressives Training ist gut möglich
- Bei anhaltenden Beschwerden über 4–6 Wochen sollte ein Arzt aufgesucht werden
Weiterführende Informationen
Eine umfassende Übersicht über alle Aspekte des Fersensporns und verwandter Erkrankungen finden Sie in unserem Fersensporn-Ratgeber. Wenn Sie gezielte Übungen zur Behandlung und Vorbeugung suchen, empfehlen wir unsere Übersichtsseite zu Übungen bei Fersenschmerzen. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden zögern Sie nicht, einen Orthopäden oder Sportmediziner aufzusuchen – eine frühzeitige Diagnose verbessert die Prognose deutlich.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.
📚Wissenschaftliche Quellen
Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:
- Plantar fasciitis: a concise review – Physiopathology and Treatmenthttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25609439/
- Extracorporeal shock wave therapy for plantar heel pain – Cochrane Reviewhttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28092954/
- 📋LeitlinieAmerican College of Foot and Ankle Surgeons: Heel Pain Clinical Practice Guidelinehttps://www.jfas.org/article/S1067-2516(10)00014-5/fulltext
- 📋LeitlinieS1-Leitlinie Fersenschmerz – Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/033-088
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