Knie-TEP: Totalendoprothese für das Kniegelenk

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Geprüfte Information

Was ist eine Knie-TEP und wer braucht sie?

Ein Eingriff, der das Leben grundlegend verändern kann

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 175.000 Knie-Totalendoprothesen implantiert – damit gehört die Knie-TEP zu den häufigsten elektiven Operationen überhaupt. Hinter dieser Zahl stehen Menschen, die oft jahrelang mit zunehmenden Schmerzen, eingeschränkter Mobilität und schwindender Lebensqualität gelebt haben, bevor der Schritt zur Operation gewagt wurde. Viele Betroffene berichten, dass sie trotz aller anfänglichen Bedenken im Nachhinein froh sind, diesen Weg gegangen zu sein – aber der Entschluss zur Knie-TEP verdient eine gründliche und informierte Auseinandersetzung.

Der Begriff Totalendoprothese (kurz TEP) beschreibt den vollständigen Ersatz eines Gelenks durch ein künstliches Implantat. Beim Kniegelenk werden dabei die verschlissenen oder zerstörten Gelenkflächen des Oberschenkelknochens (Femur) und des Schienbeins (Tibia) durch metallische Komponenten ersetzt. Eine Kunststoffgleitfläche aus hochwertigem Polyethylen übernimmt dabei die Funktion des natürlichen Knorpels. In manchen Fällen wird auch die Rückseite der Kniescheibe (Patella) mit einer Kunststoffschale versehen.

Das Kniegelenk ist das größte und gleichzeitig das am stärksten beanspruchte Gelenk des menschlichen Körpers. Es trägt nicht nur das Körpergewicht, sondern ermöglicht gleichzeitig komplexe Bewegungen wie Beugen, Strecken und leichte Rotationen. Wenn der schützende Knorpel durch Arthrose oder andere Erkrankungen so weit abgebaut ist, dass Knochen auf Knochen reibt, entstehen chronische Schmerzen, Entzündungsreaktionen und eine fortschreitende Verformung des Gelenks. An diesem Punkt können konservative Maßnahmen oft keine ausreichende Linderung mehr bringen.

Was die meisten Patienten vor der Entscheidung wissen sollten

Die Entscheidung für eine Knie-TEP ist keine Notfallentscheidung, sondern ein geplanter Schritt, dem in der Regel eine lange Phase konservativer Behandlung vorausgeht. Physiotherapie, Schmerzmedikamente, Injektionen und Hilfsmittel wie Einlagen oder Orthesen werden typischerweise über Monate oder Jahre eingesetzt, bevor ein operativer Eingriff empfohlen wird. Wichtig zu wissen: Es gibt keinen starren Zeitpunkt, ab dem eine TEP „fällig" ist. Die Entscheidung richtet sich stets nach dem individuellen Leidensdruck, dem Röntgenbefund und der persönlichen Lebenssituation.

Menschen zwischen 60 und 75 Jahren bilden die größte Patientengruppe bei Knie-TEP-Operationen, doch auch jüngere und ältere Patienten können in bestimmten Situationen von einem Gelenkersatz profitieren. Moderne Implantate sind auf eine Haltbarkeit von 15–20 Jahren oder länger ausgelegt, was bei der Planung des optimalen Operationszeitpunkts eine wichtige Rolle spielt. Zu einem zu frühen Zeitpunkt implantiert, steigt die Wahrscheinlichkeit einer späteren Wechseloperation.

Dieser Artikel erklärt ausführlich, welche Erkrankungen und Beschwerden eine Knie-TEP notwendig machen können, wie die Operation vorbereitet und durchgeführt wird, welche Prothesentypen es gibt, was die Rehabilitation umfasst und welche Risiken zu berücksichtigen sind. Informationen über begleitende medikamentöse Optionen finden Sie auch in unserem Überblick zu Gelenkschmerzen und den entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten.

Wann ist eine Knie-TEP sinnvoll? Indikationen und Entscheidungskriterien

Die häufigste Ursache: fortgeschrittene Gonarthrose

Die mit Abstand häufigste Indikation für eine Knie-Totalendoprothese ist die Gonarthrose – der degenerative Verschleiß des Kniegelenks. Laut aktuellen epidemiologischen Daten leiden in Deutschland schätzungsweise 5 Millionen Menschen an behandlungsbedürftiger Kniearthrose, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Die Gonarthrose verläuft in vier radiologisch definierten Stadien nach der Kellgren-Lawrence-Klassifikation, wobei die Stadien III und IV – also deutliche bis vollständige Knorpelzerstörung mit Knochen-auf-Knochen-Kontakt – in der Regel die entscheidende Voraussetzung für eine operative Intervention darstellen.

Ein häufiges Szenario ist, dass Betroffene zunächst nur bei körperlicher Belastung Schmerzen spüren, die Beschwerden aber mit der Zeit auch in Ruhephasen und nachts auftreten. Charakteristisch sind außerdem Anlaufschmerzen (Schmerzen nach längerer Ruhe, die sich nach einigen Schritten bessern), eine zunehmende Schwellung des Kniegelenks sowie eine Einschränkung der Beweglichkeit. Wenn das Gehen von mehr als 500 Metern nicht mehr möglich ist oder das Treppensteigen zur täglichen Qual wird, hat die Erkrankung oft einen Schweregrad erreicht, bei dem eine TEP ernsthaft erwogen werden sollte.

Weitere Erkrankungen, die eine Knie-TEP erforderlich machen können

Neben der Gonarthrose gibt es weitere Erkrankungen, die zum vollständigen Gelenkverschleiß führen können:

  • Rheumatoide Arthritis: Die chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung kann trotz moderner medikamentöser Therapie in manchen Fällen zu schweren Gelenkzerstörungen führen, die einen Gelenkersatz notwendig machen.
  • Posttraumatische Arthrose: Nach schweren Kniebinnenverletzungen (z. B. Kreuzbandriss, Meniskusschäden, Frakturen) kann sich Jahre später eine sekundäre Arthrose entwickeln.
  • Aseptische Knochennekrose: Absterben von Knochengewebe ohne bakterielle Ursache, häufig durch Durchblutungsstörungen bedingt.
  • Psoriasis-Arthritis: Die mit Schuppenflechte assoziierte Gelenkerkrankung kann bei schwerem Verlauf ebenfalls zum Gelenkersatz führen.
  • Gicht-Arthropathie: Chronische Gicht kann langfristig zu Gelenkzerstörungen führen.
  • Achsenfehlstellungen: Ausgeprägte O- oder X-Beine (Varus- oder Valgusdeformitäten) können den Gelenkersatz beschleunigen und werden durch eine TEP gleichzeitig korrigiert.

Wann ist der richtige Zeitpunkt – und wann sollte man noch warten?

Die AWMF-Leitlinie zur Gonarthrose sowie internationale Fachgesellschaften betonen, dass eine Knie-TEP erst dann indiziert ist, wenn konservative Maßnahmen über einen ausreichend langen Zeitraum (in der Regel mindestens 6–12 Monate) ausgeschöpft wurden und keine ausreichende Beschwerdelinderung erzielt werden konnte. Zu den konservativen Optionen zählen unter anderem Physiotherapie, Gewichtsreduktion, entzündungshemmende Medikamente (mehr dazu im Artikel über Medikamente bei Gelenkschmerzen), Hyaluron- oder Kortison-Injektionen sowie Hilfsmittelversorgung.

Klare Warnsignale, die eine zeitnahe orthopädische Beurteilung erfordern:

  • Anhaltende starke Schmerzen trotz optimierter medikamentöser Therapie
  • Deutliche Einschränkung der Gehstrecke (unter 500 Meter)
  • Schmerzen, die den Nachtschlaf dauerhaft stören
  • Zunehmende Verformung des Kniegelenks
  • Ausgeprägte Bewegungseinschränkung (Beugung unter 90 Grad)
  • Röntgenologisch nachgewiesener vollständiger Knorpelverlust
  • Erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und Alltagsaktivitäten
  • Versagen mehrerer konservativer Behandlungsansätze

Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen eine TEP trotz fortgeschrittener Arthrose zunächst nicht angeraten wird: Bei aktiven Infekten, unkontrolliertem Diabetes, schwerer Herzinsuffizienz oder einer sehr schlechten Knochendichte (Osteoporose) muss die Operationsindikation sorgfältig abgewogen und gegebenenfalls zunächst die Grunderkrankung optimiert werden. Das Gespräch mit einem erfahrenen Orthopäden oder orthopädischen Chirurgen ist unerlässlich, um die individuelle Situation zu bewerten.

Vorbereitung auf die Knie-TEP: Was vor der Operation wichtig ist

Die präoperative Phase: Mehr als nur Blutabnehmen

Eine gut vorbereitete Operation ist eine sicherere Operation. Die Vorbereitung auf eine Knie-TEP beginnt idealerweise Wochen vor dem Eingriff und umfasst weit mehr als die üblichen Routineuntersuchungen. Für Patienten zwischen 60 und 80 Jahren, die häufig Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankungen haben, ist eine sorgfältige internistische Abklärung besonders wichtig, um das Operationsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Diagnostische Untersuchungen vor der Operation

Folgende Untersuchungen werden standardmäßig durchgeführt:

  • Röntgenaufnahmen des Kniegelenks (Belastungsaufnahmen in zwei Ebenen, Ganzbeinaufnahme zur Achsenmessung)
  • MRT des Kniegelenks (bei unklaren Befunden oder zur Beurteilung von Weichteilen)
  • Blutuntersuchungen: großes Blutbild, Gerinnungswerte, Entzündungsparameter (CRP, BSG), Blutzucker, Nierenwerte, Leberwerte
  • EKG zur Beurteilung der Herzfunktion
  • Lungenfunktionstest bei Atemwegserkrankungen
  • Urinuntersuchung zum Ausschluss eines Harnwegsinfekts (ein aktiver Infekt stellt eine Kontraindikation dar)
  • Zahnarztbesuch: Chronische Entzündungsherde im Mundraum können eine seltene, aber ernste Infektionsquelle nach Prothesenimplantation darstellen
  • Kardiologische Untersuchung bei Herzerkrankungen in der Vorgeschichte
  • Anästhesiologisches Vorgespräch: Besprechung der Narkoseform (Vollnarkose oder Spinalanästhesie)

Medikamente anpassen – was muss abgesetzt werden?

Ein häufig unterschätzter Aspekt der Vorbereitung ist das Management der Dauermedikation. Bestimmte Medikamente müssen vor der Operation abgesetzt oder angepasst werden:

  • Blutverdünnende Medikamente wie Marcumar (Phenprocoumon), Xarelto (Rivaroxaban) oder Eliquis (Apixaban) müssen je nach Substanz 24–72 Stunden oder länger vor der OP pausiert werden.
  • ASS 100 (Aspirin als Thromboseprophylaxe): Absetzen je nach Empfehlung des Operateurs und des betreuenden Internisten.
  • Methotrexat (bei Rheuma): Hier gibt es unterschiedliche Empfehlungen; der Rheumatologe sollte einbezogen werden.
  • Metformin (Diabetes-Medikament): Oft wenige Tage vor OP abzusetzen.
  • NSAIDs (nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac): Erhöhtes Blutungsrisiko, daher oft pausieren.

Körperliche Vorbereitung: Prehabilitation

Das Konzept der Prehabilitation – also der gezielten körperlichen Vorbereitung vor einer Operation – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Studien zeigen, dass Patienten, die ihre Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps) vor der Operation gezielt stärken, nach der TEP schneller mobiler werden und kürzere Rehabilitationszeiten haben. Konkrete Maßnahmen:

  • Regelmäßiges Oberschenkelkrafttraining (isometrische Übungen, Radfahren)
  • Aquagymnastik zur gelenkschonenden Konditionierung
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht: Jedes Kilogramm weniger entlastet das neue Gelenk erheblich
  • Aufgabe des Rauchens (Rauchen erhöht das Infektions- und Wundkomplikationsrisiko)
  • Optimierung der Blutzuckereinstellung bei Diabetes
  • Erlernen von Gehstützen vor der Operation

Darüber hinaus ist es sinnvoll, die häusliche Umgebung bereits vor der Operation auf die Nachoperationsphase vorzubereiten: Stolperfallen entfernen, Badezimmer sicher gestalten (Haltegriffe, rutschfeste Matten), eine erhöhte Sitzgelegenheit organisieren und gegebenenfalls häusliche Pflege oder Unterstützung durch Angehörige arrangieren.

Wie läuft die Knie-TEP-Operation ab?

Der Operationstag: von der Aufnahme bis zum Aufwachraum

Die Knie-TEP wird in der Regel als stationärer Eingriff durchgeführt, der einen Krankenhausaufenthalt von 5–10 Tagen erfordert. Am Operationstag erfolgt die Aufnahme meist einige Stunden vor dem Eingriff. Nüchternheit (kein Essen oder Trinken außer klaren Flüssigkeiten bis 2 Stunden vor OP) ist zwingend notwendig. In der Vorbereitung werden ein venöser Zugang gelegt, Antibiotika als Infektionsprophylaxe gegeben und das Operationsgebiet rasiert und desinfiziert.

Narkoseverfahren: Vollnarkose oder Spinalanästhesie?

Für die Knie-TEP kommen zwei Hauptnarkoseverfahren in Betracht:

Spinalanästhesie (Rückenmarksanästhesie): Ein Lokalanästhetikum wird in den Rückenmarkskanal injiziert und betäubt die untere Körperhälfte vollständig. Der Patient ist dabei wach, kann aber optional leicht sediert werden. Die Spinalanästhesie wird bei Knie-TEPs oft bevorzugt, da sie mit einem geringeren Risiko für Blutgerinnsel, Übelkeit und Verwirrtheitszuständen assoziiert wird.

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose): Der Patient ist vollständig bewusstlos. Sie wird eingesetzt, wenn eine Spinalanästhesie nicht möglich oder gewünscht ist.

Häufig werden beide Verfahren kombiniert, etwa mit einer Spinalanästhesie und zusätzlicher Nervenblockade (z. B. Femoral-Nerven-Block) für eine bessere Schmerzausschaltung nach der Operation.

Die eigentliche Operation: Schritt für Schritt

Die Knie-TEP dauert in der Regel 1,5 bis 2,5 Stunden. Folgende Schritte werden dabei durchgeführt:

  1. Hautschnitt: Ein Längsschnitt von etwa 15–20 cm über der Vorderseite des Kniegelenks.
  2. Freilegung des Gelenks: Die Kniescheibe wird zur Seite geklappt, um das Gelenkinnere zugänglich zu machen.
  3. Knochenresektion: Mit präzisen Sägeschablonen werden die verschlissenen Gelenkflächen am Oberschenkelknochen (Femur) und am Schienbein (Tibia) abgetragen. Die Resektionsmengen betragen typischerweise wenige Millimeter.
  4. Implantation der Femurkomponente: Eine metallische Kappe (meist Kobalt-Chrom oder Titanlegierung) wird auf den präparierten Oberschenkelknochen aufgesetzt.
  5. Implantation der Tibiakomponente: Eine Metallplatte wird auf das Schienbein aufgebracht.
  6. Einsetzen des Polyethylen-Inlays: Zwischen Femur- und Tibiakomponente wird ein Kunststoff-Gleitlager eingesetzt.
  7. Patellaversorgung: Je nach Befund und chirurgischer Präferenz wird die Rückseite der Kniescheibe ebenfalls mit Kunststoff ersetzt oder belassen.
  8. Probeimplantation und Funktionsprüfung: Vor der endgültigen Fixierung werden Probeteile eingesetzt und Beweglichkeit sowie Ausrichtung geprüft.
  9. Fixierung: Die Komponenten werden entweder mit Knochenzement (PMMA) oder zementfrei (durch Einwachsen in speziell beschichtete Oberflächen) verankert.
  10. Wundverschluss: Schichtweiser Verschluss mit Einlage einer Drainage, steriler Verband.

Nach der Operation: die ersten Stunden

Nach dem Eingriff wird der Patient im Aufwachraum überwacht, bis die Vitalzeichen stabil sind und die Narkosewirkung nachlässt. Schmerzmittel werden intravenös oder regional verabreicht. Moderne Konzepte des Fast-Track-Protocols (auch Enhanced Recovery After Surgery, ERAS) sehen vor, dass Patienten bereits am Operationstag oder spätestens am ersten Tag danach mit Unterstützung von Physiotherapeuten aufstehen und erste Schritte gehen. Dies reduziert das Thromboserisiko erheblich und beschleunigt die Genesung.

Welche Arten von Knieprothesen gibt es?

Nicht jede Knieprothese ist gleich – ein Überblick über die wichtigsten Typen

Die Auswahl der geeigneten Knieprothese ist eine wichtige operative Entscheidung, die von der Anatomie des Patienten, dem Ausmaß des Gelenkschadens, dem Alter, dem Aktivitätsniveau und der Knochenqualität abhängt. Es gibt keine universell „beste" Prothese – vielmehr muss der Orthopäde den optimalen Typ für jeden Patienten individuell bestimmen.

Totalendoprothese (TEP) – der Standardeingriff

Die bicondyläre Totalendoprothese ersetzt beide Gelenkflächen des Kniegelenks (innere und äußere Seite) vollständig. Sie ist die am häufigsten implantierte Form und eignet sich besonders bei:

  • Fortgeschrittener Arthrose beider Gelenkkammern
  • Ausgeprägten Achsenfehlstellungen
  • Rheumatologischen Erkrankungen mit diffusem Gelenkbefall
  • Vorherigen Operationen, die einen Teilersatz nicht mehr erlauben

Die Femurkomponente umfasst den Oberschenkelknochenkopf wie eine Kappe, die Tibiakomponente besteht aus einer Metallplattform mit dem Polyethylen-Inlay. Die Kniescheibe kann mitversorgt werden (Patellaersatz) oder nicht.

Unikondyläre Schlittenprothese – der Teilersatz

Wenn der Verschleiß nur eine Seite des Kniegelenks betrifft (häufiger die innere/mediale Seite), kann eine unikondyläre Schlittenprothese (Hemiprothese) erwogen werden. Vorteile:

  • Kleinerer Eingriff, kürzere Operationszeit
  • Erhalt des vorderen Kreuzbands
  • Schnellere Rehabilitation
  • Natürlicheres Bewegungsgefühl
  • Bei Versagen jederzeit zur TEP konvertierbar

Nachteile: Die Schlittenprothese erfordert intakte Kreuzbänder und ist nur bei isoliertem einseitigem Verschleiß geeignet. Langzeitstudien zeigen leicht höhere Revisionsraten im Vergleich zur TEP.

Weitere Prothesenkonzepte

Prothesentyp Indikation Besonderheiten
Bikondyläre TEP (ungekoppelt) Standardindikation Kreuzbanderhalt oder -opferung möglich
Bikondyläre TEP (gekoppelt/Scharnierprothese) Schwere Deformitäten, Revisionen Höhere Stabilität durch mechanische Kopplung
Unikondyläre Schlittenprothese Einseitiger Verschleiß Kleinerer Eingriff, natürlicheres Gefühl
Patellofemorale Prothese Isolierter Verschleiß Kniescheibe Selten, bei isoliertem Patellofemoralarthrose
Revisionsprothese Wechsel-OP bei gelockerten Prothesen Spezialimplantate mit Stielverankerung

Zementiert oder zementfrei – was ist der Unterschied?

Ein wichtiger technischer Unterschied besteht in der Fixierungsart der Implantatkomponenten:

Zementierte Verankerung: Die Komponenten werden mit Knochenzement (Polymethylmethacrylat, PMMA) im Knochen verankert. Dies gilt als Goldstandard, besonders bei älteren Patienten mit verminderter Knochenqualität. Der Zement härtet innerhalb von Minuten aus und ermöglicht eine sofortige Belastungsstabilität.

Zementfreie Verankerung: Die Implantate haben eine spezielle poröse oder aufgeraute Oberfläche (Hydroxylapatit-Beschichtung), in die der Knochen einwächst. Bevorzugt bei jüngeren, aktiven Patienten mit guter Knochenqualität. Das Einwachsen dauert mehrere Wochen.

Hybridverankerung: Kombination aus zementierter Tibiakomponente und zementfreier Femurkomponente oder umgekehrt.

Materialien moderner Knieprothesen

Moderne Knieprothesen bestehen aus einer Kombination verschiedener Materialien:

  • Kobalt-Chrom-Legierungen: Hohe Festigkeit, Verschleißresistenz für Femurkomponente
  • Titan-Legierungen: Gute Biokompatibilität, häufig für Tibiaplateau und zementfreie Oberflächen
  • Hochvernetztes Polyethylen (HXPE): Modernes, abriebfesteres Gleitmaterial für das Inlay
  • Keramik-beschichtete Implantate: Alternative bei Metallallergien (Nickel, Kobalt, Chrom)

Bei bekannter Metallallergie ist es wichtig, dies dem Operateur vor der Planung mitzuteilen, damit hypoallergene Implantatmaterialien ausgewählt werden können.

Rehabilitation nach der Knie-TEP: Der Weg zurück zur Beweglichkeit

Die Reha beginnt nicht nach der Operation – sie beginnt davor

Die Rehabilitation nach einer Knie-TEP ist ein mehrstufiger Prozess, der entscheidend für das langfristige Ergebnis der Operation ist. Viele Patienten unterschätzen, welche Eigeninitiative und Konsequenz die Genesungsphase erfordert. Studien zeigen, dass Patienten, die aktiv an der Rehabilitation teilnehmen, nach einem Jahr signifikant bessere Funktionsergebnisse erzielen als weniger motivierte Patienten.

Phase 1: Frühmobilisation im Krankenhaus (Tag 1–7)

Bereits am ersten oder zweiten Tag nach der Operation beginnt die physiotherapeutische Betreuung:

  • Aufstehen und erste Gehversuche mit Unterarmgehstützen (UAG)
  • Lymphdrainagemassage zur Schwellungsreduktion
  • Atemübungen zur Pneumonieprophylaxe
  • Thromboseprophylaxe: Spritzen mit niedermolekularem Heparin, Kompressionsstrümpfe, Frühmobilisation
  • Isometrische Muskelübungen (Anspannen des Quadrizeps ohne Bewegung)
  • Kälteanwendung (Kryotherapie) zur Schwellungs- und Schmerzreduktion
  • Motorschiene (CPM, Continuous Passive Motion): Gerät bewegt das Kniegelenk passiv in zunehmenden Bewegungsausmaßen
  • Thromboseprophylaxe bis mindestens 6 Wochen nach der Operation (medikamentös)

Phase 2: Anschlussheilbehandlung (AHB) oder ambulante Reha (Wochen 2–6)

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus folgt in den meisten Fällen eine stationäre Anschlussheilbehandlung (AHB) in einer spezialisierten Rehabilitationsklinik, die 3 Wochen dauert. Alternativ kann unter geeigneten häuslichen Bedingungen eine ambulante Reha stattfinden. Inhalte dieser Phase:

  • Intensivierung der Physiotherapie (Einzeltherapie täglich, Gruppentherapie)
  • Gangschulung: Abrollen, Treppensteigen, Umgang mit Unterarmgehstützen
  • Muskelkräftigung: Quadrizeps, Gesäßmuskulatur, Hüftabduktoren
  • Beweglichkeitstraining: Ziel ist eine Beugung von mindestens 90°, besser 110–120°
  • Ergotherapie: Alltagsaktivitäten (Anziehen, Autofahren, Haushaltstätigkeiten)
  • Hydrotherapie: Bewegung im Wasser entlastet das Gelenk
  • Physikalische Therapie: Elektrotherapie, Ultraschall, Kälte/Wärme
  • Schulungen zu Haltung, Sitzen, Schlafen und gelenkschonendem Verhalten
  • Psychologische Unterstützung bei Anpassungsschwierigkeiten

Phase 3: Weiterführende Therapie und Rückkehr zur Normalität (Wochen 6–12)

Nach Abschluss der stationären Reha ist ambulante Physiotherapie weiterhin empfehlenswert. Typische Meilensteine:

  • Woche 6: Gehstützen können bei gutem Muskelaufbau meist abgegeben werden
  • Woche 8–12: Autofahren wieder möglich (linkes Bein: früher, rechtes Bein: abhängig von Reaktionsfähigkeit)
  • Monat 3: Alltagsaktivitäten weitgehend selbstständig
  • Monat 6: Leichte Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking möglich
  • Monat 12: Vollständige Stabilisierung des Gelenks und der umliegenden Muskulatur

Was die meisten Patienten über Schmerzen nach der Knie-TEP nicht wissen

Ein häufig missverstandenes Phänomen: Viele Patienten erleben in den ersten 3–6 Monaten nach der Operation Phasen, in denen das operierte Knie mehr schmerzt als erwartet. Dies ist nicht zwangsläufig ein Zeichen für Komplikationen, sondern oft Ausdruck des normalen Heilungsprozesses: Das Weichteilgewebe muss sich erholen, das Implantat sich einarbeiten und die Muskulatur wieder aufbauen. Die Schmerzintensität nimmt bei den meisten Patienten im Laufe des ersten Jahres kontinuierlich ab.

Sportliche Aktivitäten werden je nach Prothesentyp und individuellem Zustand individuell empfohlen. Als besonders gelenk-schonend gelten: Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking, Yoga (modifiziert) und Aqua-Aerobic. Hochimpact-Sportarten wie Joggen, Squash oder Tennis werden in der Regel nicht empfohlen, um die Lebensdauer der Prothese nicht zu verkürzen.

Risiken und mögliche Komplikationen der Knie-TEP

Kein chirurgischer Eingriff ist ohne Risiko – aber die meisten Komplikationen sind selten

Jede Operation birgt Risiken, und dies gilt auch für die Knie-TEP. Es ist wichtig, diese Risiken realistisch einzuschätzen: Die große Mehrheit der Patienten (über 90 %) ist mit dem Ergebnis einer Knie-TEP langfristig zufrieden, und schwere Komplikationen sind insgesamt selten. Dennoch sollte jeder Patient vor der Entscheidung umfassend über mögliche Risiken informiert sein.

Frühe Komplikationen (innerhalb der ersten Wochen)

Thrombose und Lungenembolie: Die tiefe Beinvenenthrombose (TVT) ist eine der gefürchteten Frühkomplikationen nach Knie-TEP. Ohne Prophylaxe würden bis zu 40–60% der Patienten eine TVT entwickeln; mit moderner Thromboseprophylaxe (medikamentös + Frühmobilisation + Kompressionsstrümpfe) sinkt das Risiko auf unter 2%. Eine Lungenembolie ist noch seltener, aber potenziell lebensbedrohlich.

Wundheilungsstörungen: Verzögerte Wundheilung, Wundrandnekrosen oder oberflächliche Infektionen betreffen etwa 1–3% der Patienten, besonders bei Diabetes, Übergewicht oder Rauchen.

Protheseninfekt (periprothetische Infektion): Dies ist die schwerwiegendste Frühkomplikation. Ein tiefer Infekt der Prothese tritt bei etwa 1–2% der Fälle auf, erfordert in der Regel eine Revisionsoperation und kann die Gesamtprognose erheblich verschlechtern. Daher sind perioperative Antibiotika, sterile OP-Bedingungen und präoperative Sanierung von Infektquellen so wichtig.

Nervenschäden: Temporäre Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bereich der Operationsnarbe sind häufig und meist vorübergehend. Schwerwiegendere Nervenverletzungen sind selten (unter 0,5%).

Späte Komplikationen (Monate bis Jahre nach der Operation)

Prothesenlockerung (aseptische Lockerung): Mit der Zeit kann es – ohne Infekt – zu einer Lockerung der Verankerung zwischen Knochen und Implantat kommen. Dies ist die häufigste Ursache für Revisionsoperationen (Wechsel-OPs) und betrifft nach 15 Jahren etwa 5–10% der Prothesen.

Abriebpartikel und Osteolysis: Mikroskopisch kleine Abriebpartikel aus dem Polyethylen-Inlay können Knochenabbau (Osteolysis) verursachen und die Prothesenverankerung gefährden. Moderne, hochvernetzte Polyethylenmaterialien haben dieses Risiko deutlich reduziert.

Instabilität: In seltenen Fällen kann das Gelenk instabil werden, wenn Bänder oder Muskelstrukturen unzureichend ausbalanciert wurden.

Steifigkeit (Arthrofibrose): Bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten (1–3%) entwickelt sich eine überschießende Narbenbildung im Gelenk, die die Beweglichkeit dauerhaft einschränkt. Eine frühzeitige intensive Physiotherapie kann dieses Risiko verringern.

Fortbestehende Schmerzen: Etwa 10–20% der Patienten sind nach einer Knie-TEP nicht vollständig schmerzfrei. Ursachen können sein: falsche Implantatpositionierung, verbliebene Meniskusreste, Patelloprobleme, zentrale Sensibilisierung oder psychologische Faktoren.

Übersicht der wichtigsten Risiken

  • Tiefe Beinvenenthrombose (mit Prophylaxe: ~1–2%)
  • Oberflächliche Wundinfektion (~1–3%)
  • Tiefer Protheseninfekt (~1–2%)
  • Aseptische Prothesenlockerung nach 15 Jahren (~5–10%)
  • Nervenschaden (dauerhaft: <0,5%)
  • Arthrofibrose / Gelenksteife (~1–3%)
  • Anhaltende Schmerzen (~10–20%)
  • Revisionsoperation innerhalb von 10 Jahren notwendig: ~5–8%

Wann nach der Knie-TEP unbedingt zum Arzt?

Folgende Warnsignale nach einer Knie-TEP erfordern eine sofortige ärztliche Beurteilung:

  • Plötzliche Zunahme von Schmerzen, Schwellung oder Rötung am Knie
  • Fieber über 38,5 °C nach der Operation
  • Wundsekret oder Eiteraustritt aus der Operationsnarbe
  • Einseitige Beinschwellung mit Schmerzen in der Wade (Thromboseverdacht)
  • Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen (Lungenembolieverdacht)
  • Gefühllosigkeit oder ausgeprägte Schwäche im operierten Bein
  • Klick- oder Knackgeräusche im Gelenk, die neu auftreten
  • Deutliche Verschlechterung der Beweglichkeit nach anfänglich gutem Verlauf

Zusammenfassung: Was Sie über die Knie-TEP wissen sollten

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

Die Knie-Totalendoprothese ist ein bewährtes und häufig durchgeführtes Verfahren, das bei fortgeschrittener Kniearthrose und anderen destruktiven Gelenkerkrankungen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität ermöglichen kann. Die Entscheidung für diesen Eingriff sollte jedoch niemals vorschnell getroffen werden, sondern erst nach Ausschöpfung konservativer Therapiemöglichkeiten und nach eingehender Beratung durch einen erfahrenen Orthopäden.

Viele Betroffene erleben nach einer erfolgreichen Knie-TEP eine deutliche Reduktion ihrer Schmerzen und eine spürbare Verbesserung ihrer Gehfähigkeit und Alltagsqualität. Langzeitstudien zeigen, dass nach 10 Jahren noch über 90% der Prothesen gut in Funktion sind, nach 15–20 Jahren sind es immer noch rund 80–85%. Moderne Implantate, verbesserte Operationstechniken und optimierte Rehabilitationskonzepte haben die Ergebnisse in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert.

Das sollten Sie vor einer Knie-TEP tun

  • Holen Sie eine zweite ärztliche Meinung ein, bevor Sie sich für die Operation entscheiden
  • Fragen Sie Ihren Chirurgen nach seinen persönlichen Operationszahlen und der Komplikationsrate seiner Klinik
  • Informieren Sie sich über die verschiedenen Prothesentypen und diskutieren Sie mit dem Arzt, welcher für Ihre Situation am besten geeignet ist
  • Optimieren Sie Ihre körperliche Verfassung vor der OP (Gewicht, Muskelkraft, Grunderkrankungen)
  • Planen Sie die Nachsorge und Rehabilitation sorgfältig, bevor die Operation stattfindet
  • Klären Sie frühzeitig die häusliche Versorgung und Unterstützung nach der Entlassung
  • Nehmen Sie alle empfohlenen Kontrolltermine nach der Operation wahr

Hilfreiche Ressourcen und weiterführende Informationen

Auf gelenk-hilfe.de finden Sie umfassende Informationen zu allen Aspekten von Gelenkerkrankungen und deren Behandlung. Besuchen Sie unsere Übersichtsseite zu Behandlungsmöglichkeiten oder informieren Sie sich über die Hintergründe der Arthrose als häufigster Ursache für eine Knie-TEP. Wenn Sie wissen möchten, welche Medikamente bei Gelenkschmerzen eingesetzt werden können, bevor eine Operation notwendig wird, finden Sie detaillierte Informationen in unserem Bereich zu Gelenkschmerz-Medikamenten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei Fragen zu Ihrer persönlichen Situation wenden Sie sich bitte an einen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:

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