Hüft-TEP: Totalendoprothese für das Hüftgelenk
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Was ist eine Hüft-TEP – und warum entscheiden sich so viele Menschen dafür?
Ein Eingriff, der das Leben verändern kann
Jedes Jahr werden in Deutschland rund 220.000 Hüft-Totalendoprothesen implantiert – damit gehört die Hüft-TEP zu den häufigsten orthopädischen Operationen weltweit. Für viele Menschen zwischen 60 und 80 Jahren bedeutet dieser Eingriff einen Wendepunkt: Der jahrelange Leidensweg mit chronischen Hüftschmerzen, eingeschränkter Beweglichkeit und schlafgestörten Nächten findet ein Ende. Gleichzeitig ist die Entscheidung für eine Hüftprothese keine, die leichtfertig getroffen werden sollte. Sie erfordert eine gründliche Abwägung aller konservativen und operativen Möglichkeiten.
Die Abkürzung TEP steht für Totalendoprothese. Das bedeutet: Beide Gelenkpartner des Hüftgelenks – die Hüftpfanne und der Hüftkopf – werden durch künstliche Komponenten aus Metall, Keramik oder Kunststoff ersetzt. Im Gegensatz zur Teilendoprothese (Hemiprothese), bei der nur der Hüftkopf ersetzt wird, ermöglicht die TEP in der Regel ein umfassenderes funktionelles Ergebnis und wird bei den meisten Ursachen von Hüftgelenksverschleiß bevorzugt.
Viele Betroffene erleben eine jahrelange Odyssee: Zuerst kommen die ersten Anlaufschmerzen morgens, dann der Leistenschmerz beim Treppensteigen, schließlich die Schlaflosigkeit durch nächtliche Ruheschmerzen. Oft vergehen fünf bis zehn Jahre zwischen den ersten Beschwerden und dem Moment, in dem konservative Maßnahmen – Physiotherapie, Medikamente gegen Gelenkschmerzen, Hilfsmittel – nicht mehr ausreichend helfen. Wer sich an diesem Punkt befindet, findet in diesem Artikel umfassende, sachliche Informationen über den gesamten Prozess: von der Indikationsstellung bis zur Langzeitprognose.
Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die selbst von Hüftbeschwerden betroffen sind, sowie an Angehörige, die einen Überblick über Ablauf, Risiken und Chancen einer Hüft-TEP gewinnen möchten. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, kann aber helfen, das Gespräch mit dem behandelnden Orthopäden oder Chirurgen fundiert und informiert zu führen. Wenn Sie akute oder stark zunehmende Hüftschmerzen haben, suchen Sie bitte zeitnah einen Arzt auf.
Eine wichtige Grundlage für das Verständnis der Hüft-TEP ist das Wissen darüber, was im Gelenk eigentlich nicht mehr funktioniert. Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk, das den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Becken verbindet. Es ermöglicht Bewegungen in nahezu alle Richtungen – Beugung, Streckung, Ab- und Adduktion sowie Rotation. Im gesunden Zustand sind die Gelenkflächen mit einer glatten Knorpelschicht überzogen, die die Bewegung reibungslos und schmerzfrei macht. Wenn dieser Knorpel – etwa durch Arthrose – abbaut, reiben Knochen auf Knochen. Es entstehen Schmerzen, Entzündungen und zunehmende Fehlstellungen.
Wann ist eine Hüft-TEP notwendig? Indikationen und Entscheidungskriterien
Die häufigste Ursache: Hüftarthrose (Koxarthrose)
Die mit Abstand häufigste Indikation für eine Hüft-Totalendoprothese ist die fortgeschrittene Koxarthrose – der altersbedingte oder verschleißbedingte Abbau des Hüftgelenkknorpels. Laut Daten der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) liegt bei über 80 Prozent der Patienten, die eine Hüft-TEP erhalten, eine primäre oder sekundäre Koxarthrose vor. Die Erkrankung ist eng verwandt mit anderen Formen von Gelenkschmerzen, unterscheidet sich jedoch durch ihren spezifischen Verlauf und die anatomische Lage.
Bei der Entscheidung, ob eine Hüft-TEP sinnvoll ist, spielen mehrere Faktoren eine zentrale Rolle. Kein Orthopäde empfiehlt eine Operation allein aufgrund von Röntgenbefunden. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus objektivem Befund und subjektivem Leidensdruck des Patienten.
Weitere medizinische Gründe für eine Hüft-TEP
Neben der Koxarthrose gibt es weitere häufige Indikationen:
- Hüftkopfnekrose (avaskuläre Nekrose): Absterben des Hüftkopfes durch Durchblutungsstörungen, häufig nach Kortisontherapie, Alkoholmissbrauch oder nach Frakturen
- Schenkelhalsfraktur: Vor allem bei älteren Patienten nach einem Sturz – hier kann die Hüft-TEP lebensrettend sein, weil sie eine rasche Mobilisierung ermöglicht
- Rheumatoide Arthritis: Entzündliche Gelenkerkrankung, die das Hüftgelenk zerstören kann
- Dysplasie-Koxarthrose: Fehlbildung der Hüftpfanne, die zu früher Arthrose führt
- Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans): Entzündlich-rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule und großer Gelenke
- Posttraumatische Arthrose: Arthrose nach Verletzungen des Hüftgelenks
- Tumorerkrankungen des Hüftbereichs: In seltenen Fällen bei benignen oder malignen Knochentumoren
Wann haben konservative Maßnahmen ausgeschöpft?
In der orthopädischen Leitlinienmedizin gilt das Prinzip: Operation erst nach Ausschöpfung konservativer Therapiemöglichkeiten. Zu diesen zählen:
- Physiotherapie und gezieltes Muskelaufbautraining
- Gewichtsreduktion zur Entlastung des Gelenks
- Medikamentöse Schmerztherapie (NSAR, Metamizol, ggf. schwache Opioide – mehr dazu im Bereich Behandlung)
- Orthopädische Hilfsmittel wie Gehstock oder spezielle Einlagen
- Intraartikuläre Injektionen (Kortison, Hyaluronsäure)
- Thermotherapie, Elektrotherapie, Akupunktur
Wenn all diese Maßnahmen über einen angemessenen Zeitraum – in der Regel mindestens drei bis sechs Monate – keine ausreichende Besserung bringen und die Lebensqualität deutlich eingeschränkt bleibt, ist der Zeitpunkt für ein ernsthaftes Operationsgespräch gekommen.
Kriterien, die Orthopäden bei der Indikationsstellung berücksichtigen
- Schweregrad der Arthrose im Röntgenbild (Kellgren-Lawrence-Klassifikation Grad III–IV)
- Ausmaß der Schmerzen (Ruhe-, Belastungs- und Nachtschmerz)
- Gehstrecke: Ist der Patient auf weniger als 500 Meter limitiert?
- Einschränkungen im Alltag (An- und Auskleiden, Treppensteigen, Körperpflege)
- Lebensqualitätsmessung mit validierten Scores (z. B. Harris Hip Score, WOMAC)
- Allgemeiner Gesundheitszustand und Narkosefähigkeit
- Alter und voraussichtliche Lebenserwartung
- Patientenwunsch und realistische Erwartungen
Wann unbedingt zum Arzt? Wenn Ihre Hüftschmerzen so stark geworden sind, dass Sie nachts nicht mehr schlafen können, sich beim Ankleiden kaum noch bücken können oder die Gehstrecke auf wenige hundert Meter geschrumpft ist, sollten Sie zeitnah einen Orthopäden aufsuchen und eine spezialisierte Zweitmeinung einholen.
Vorbereitung auf die Hüft-TEP-Operation – was Sie wissen müssen
Voruntersuchungen: Die Basis für eine sichere Operation
Eine Hüft-TEP ist ein planbarer Eingriff – und genau das ist ein großer Vorteil gegenüber Notfalloperationen. Die Vorbereitung beginnt oft Wochen bis Monate vor dem eigentlichen OP-Termin und umfasst eine Reihe standardisierter Untersuchungen, die das individuelle Risikoprofil des Patienten erfassen. Nur so kann das Operationsteam optimal auf mögliche Komplikationen vorbereitet sein.
Zu den typischen Voruntersuchungen gehören:
- Röntgenaufnahmen der Hüfte in zwei Ebenen sowie eine Beckenübersichtsaufnahme
- MRT oder CT bei komplexen Befunden oder Verdacht auf Hüftkopfnekrose
- Blutuntersuchungen: Blutbild, Gerinnung, Nierenwerte, Elektrolyte, Blutzucker, Entzündungsparameter (CRP, BSG)
- EKG zur Beurteilung der Herzfunktion
- Lungenfunktionstest bei bekannten Atemwegserkrankungen
- Zahnarztbesuch: Aktive Zahninfektionen müssen vor der OP saniert werden, da Bakterien das Implantat besiedeln können
- Urinuntersuchung zum Ausschluss eines Harnwegsinfekts
- Anästhesiegespräch: Auswahl des Narkoseverfahrens (Vollnarkose oder Regionalanästhesie)
- Internistisches Konsil bei Herzerkrankungen, Diabetes oder anderen relevanten Begleiterkrankungen
Medikamente vor der Operation – was zu beachten ist
Viele Patienten in der Zielgruppe nehmen dauerhaft Medikamente ein. Einige davon müssen vor der Operation abgesetzt oder angepasst werden. Besonders wichtig:
- Blutverdünner (z. B. Marcumar, Xarelto, Eliquis): Diese müssen in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt rechtzeitig pausiert oder auf andere Präparate umgestellt werden. Niemals eigenmächtig absetzen!
- NSAR (Ibuprofen, Diclofenac): In der Regel 5–7 Tage vor der OP absetzen, da sie die Blutgerinnung beeinflussen – mehr Informationen finden Sie bei den Medikamenten gegen Gelenkschmerzen
- Metformin bei Diabetes: Wird häufig kurz vor der OP pausiert
- Kortison: Muss ggf. angepasst werden, da es die Wundheilung beeinflussen kann
Körperliche Vorbereitung: Was Sie selbst tun können
Viele Patienten unterschätzen, wie viel Einfluss sie selbst auf den Operationserfolg haben. Studien zeigen, dass Patienten, die präoperativ gut trainiert und körperlich vorbereitet sind, schneller rehabilitieren und weniger Komplikationen erleiden. Empfehlenswerte Maßnahmen in den Wochen vor der Operation:
- Muskelaufbautraining für Oberschenkel und Gesäß (Quadrizeps, Gluteus) – diese Muskeln werden nach der OP gebraucht
- Gewichtsreduktion, soweit medizinisch möglich – jedes Kilo weniger entlastet das neue Gelenk
- Rauchstopp: Raucher haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Wundinfektionen und Thrombosen
- Alkoholreduktion: Alkohol beeinträchtigt die Immunabwehr und die Wundheilung
- Gehübungen mit Unterarmgehstützen erlernen – das spart wertvolle Zeit nach der OP
- Wohnung vorbereiten: Stolperfallen entfernen, rutschfeste Matten, Haltegriffe im Bad, ggf. erhöhter Toilettensitz
Das präoperative Gespräch – Ihre Fragen, die Sie stellen sollten
Vor jeder Operation hat der Patient das Recht auf eine umfassende Aufklärung. Nutzen Sie dieses Gespräch aktiv und stellen Sie alle Fragen, die Sie beschäftigen. Sinnvolle Fragen sind unter anderem:
- Welcher Prothesentyp ist für mich geplant – und warum?
- Zementiert oder unzementiert?
- Welcher operative Zugang ist geplant?
- Wie lange werde ich im Krankenhaus sein?
- Welche Risiken bestehen speziell für mich?
- Wie viele dieser Eingriffe führt das Operationsteam pro Jahr durch?
- Wann darf ich wieder Auto fahren, Sport treiben, arbeiten?
Wie läuft eine Hüft-TEP-Operation ab? Schritt für Schritt erklärt
Anästhesie: Vollnarkose oder Regionalanästhesie?
Eine Hüft-TEP dauert in der Regel zwischen 60 und 120 Minuten, abhängig von der anatomischen Situation und der Erfahrung des Operateurs. Vor dem Eingriff wird mit dem Anästhesisten das Narkoseverfahren festgelegt. Viele Kliniken bevorzugen heute die Spinalanästhesie (eine Form der Regionalanästhesie, bei der das Betäubungsmittel in den Wirbelkanal gespritzt wird), da sie das Risiko von Blutdruckschwankungen, Übelkeit und kognitiven Beeinträchtigungen im Vergleich zur Vollnarkose reduziert. Ältere Patienten profitieren häufig besonders von diesem Verfahren. Auf Wunsch kann zusätzlich ein Beruhigungsmittel gegeben werden, sodass der Patient die Operation im Dämmerschlaf erlebt.
Der operative Zugang – welche Methoden gibt es?
Der chirurgische Zugang zum Hüftgelenk ist eine der wichtigsten Entscheidungen vor der Operation und hat direkten Einfluss auf die Rehabilitation:
- Posterolateraler Zugang (von hinten-außen): Klassischer, weit verbreiteter Zugang mit guter Übersicht; etwas höheres Risiko für Ausrenkung (Luxation) des Gelenks
- Lateraler/transglutealer Zugang (von der Seite): Häufig verwendeter Standardzugang; moderate Muskelbeeinträchtigung
- Anteriorer Zugang (von vorne, AMIS oder DAA): Minimal-invasiver Zugang zwischen den Muskeln; weniger Muskelschaden, schnellere Erholung, aber technisch anspruchsvoller
- Anterolateraler Zugang (Watson-Jones): Kompromiss zwischen anteriorem und lateralem Zugang
Die Wahl des Zugangs hängt von der Anatomie des Patienten, der Erfahrung des Chirurgen und dem geplanten Prothesentyp ab.
Der eigentliche Operationsablauf – was im Inneren geschieht
Nach dem Hautschnitt und der sorgfältigen Präparation der Weichteile folgen die wesentlichen Schritte:
- Eröffnung der Gelenkkapsel und Darstellung des Hüftgelenks
- Luxation des Hüftkopfes aus der Pfanne
- Resektion des Schenkelhalses mit einer Säge in einem präzise geplanten Winkel
- Vorbereitung der Hüftpfanne: Der geschädigte Knorpel wird ausgefräst und die Pfannenkomponente (Acetabulum-Cup) eingebracht und verankert
- Vorbereitung des Femurschafts: Mithilfe von Raspeln wird der Markkanal des Oberschenkelknochens für den Prothesenschaft vorbereitet
- Einbringen des Prothesenschafts (zementiert oder unzementiert)
- Einsetzen des Prothesenhalses und -kopfes sowie der Inlayfläche in der Pfanne
- Reposition: Das neue Gelenk wird eingerenkt und auf Stabilität, Beweglichkeit und Beinlänge geprüft
- Schichtweiser Wundverschluss, Einlage einer Drainage, steriler Verband
Sofortmaßnahmen nach der Operation
Noch im Aufwachraum beginnt die erste Phase der Überwachung. Wichtige Parameter wie Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Schmerzintensität werden engmaschig kontrolliert. Eine Thromboseprophylaxe (niedermolekulares Heparin oder direkte orale Antikoagulanzien) wird unmittelbar nach der Operation begonnen und in der Regel für vier bis sechs Wochen fortgeführt. Am Abend des Operationstages oder spätestens am Folgemorgen werden die meisten Patienten erstmals mit Hilfe des Physiotherapeuten aufgestellt – das ist kein Luxus, sondern medizinisch notwendig, um Komplikationen zu vermeiden.
Wann sollten Sie sich umgehend melden? Wenn nach der Operation plötzlich starke Schwellung, Rötung und Überwärmung des Beines auftreten, ein lautes Knacken oder eine Fehlstellung des operierten Beins bemerkt wird, oder das Bein beim Aufstehen wegknickt, informieren Sie sofort das Pflegepersonal oder suchen Sie eine Notaufnahme auf.
Welche Hüftprothesen gibt es? Materialien, Verankerung und Gleitpaarungen im Überblick
Zementiert, unzementiert oder Hybrid – die Verankerungsmethoden
Eine der grundlegendsten Entscheidungen bei der Hüft-TEP ist die Art der Verankerung der Prothesenkomponenten im Knochen:
- Zementierte Prothese: Prothesenschaft und/oder Pfanne werden mit speziellem Knochenzement (Polymethylmethacrylat, PMMA) im Knochen fixiert. Der Zement ist kein Kleber, sondern wirkt durch mechanische Verzahnung. Diese Methode bietet sofortige Stabilität und eignet sich besonders für ältere Patienten mit verminderter Knochenqualität (Osteoporose).
- Unzementierte (zementfreie) Prothese: Die Prothesenoberfläche ist aufgeraut oder mit einer porösen Beschichtung versehen (z. B. aus Hydroxylapatit), in die der Knochen mit der Zeit einwächst (Osseointegration). Diese Methode ist für jüngere Patienten mit guter Knochenqualität gut geeignet.
- Hybridprothese: Der Schaft wird zementiert, die Pfanne unzementiert verankert – oder umgekehrt (inverse Hybridprothese). Kombiniert die Vorteile beider Methoden.
Gleitpaarungen: Welche Materialkombinationen kommen zum Einsatz?
Die Gleitpaarung bezeichnet die Materialkombination zwischen Prothesenköpfchen und Inlay (Einsatz in der Pfanne). Sie beeinflusst Abrieb, Haltbarkeit und Langzeitverhalten der Prothese:
| Gleitpaarung | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Keramik auf Polyethylen | Geringer Abrieb, bewährt | Polyethylen unterliegt Verschleiß | Standard für die meisten Patienten |
| Keramik auf Keramik | Sehr geringer Abrieb, biokompatibel | Selten Knarzgeräusche möglich | Jüngere, aktive Patienten |
| Metall auf Polyethylen | Günstig, bewährt | Höherer Abrieb als Keramik | Ältere, weniger aktive Patienten |
| Metall auf Metall | Früher populär | Metallionenfreisetzung, heute kaum noch verwendet | Kaum noch empfohlen |
Prothesendesigns: Kopfgröße, Schaft und Pfannengeometrie
Moderne Hüftprothesen sind hochgradig individualisierbar. Die Prothesenkomponenten werden präoperativ mithilfe digitaler Planung auf den Röntgenbildern des Patienten angepasst. In manchen Fällen kommen sogar patientenspezifische Implantate zum Einsatz, die nach CT-Daten individuell gefertigt werden. Wichtige Designaspekte:
- Kopfgröße: Größere Köpfe bieten mehr Stabilität gegen Luxation, erhöhen aber potenziell den Abrieb
- Schaftdesign: Anatomische, gerade oder kurzschaftige Designs – je nach Femurgeometrie und Aktivitätslevel des Patienten
- Pfannengeometrie: Halbkugelförmige Standardpfannen oder Pfannen mit erweitertem Rand (elevated rim) für mehr Stabilität
- Modulare vs. monolithische Schäfte: Modulare Systeme erlauben intraoperative Anpassungen, haben aber potenziell mehr Verbindungsstellen
Was die meisten Patienten nicht wissen: Die Bedeutung der Komponentenpositionierung
Ein häufig unterschätzter Faktor für den Langzeiterfolg der Hüft-TEP ist die präzise Positionierung der Prothesenkomponenten. Selbst kleine Abweichungen im Inklinations- oder Anteversionswinkel der Pfanne können die Luxationsrate erhöhen oder zu frühzeitigem Abrieb führen. Moderne Operationstechniken nutzen daher zunehmend computergestützte Navigation oder Robotiksysteme (z. B. MAKO), um die Implantatpositionierung zu optimieren. Diese Technologien sind noch nicht flächendeckend verfügbar, werden aber in spezialisierten Zentren eingesetzt.
Ebenso wichtig ist die korrekte Beinlängendifferenz: Eine Differenz von mehr als einem Zentimeter nach der Operation kann zu Gangstörungen und Rückenschmerzen führen. Erfahrene Operateure prüfen daher die Beinlänge intraoperativ mehrfach.
Rehabilitation nach der Hüft-TEP: Der Weg zurück zur Beweglichkeit
Die ersten Tage nach der Operation: Frührehabilitation im Krankenhaus
Moderne Konzepte der Hüftendoprothetik folgen dem Prinzip des Fast-Track-Protokolls (auch Enhanced Recovery After Surgery, ERAS): Patienten werden früh mobilisiert, Schmerzmittel werden multimodal eingesetzt und der Krankenhausaufenthalt wird auf das Notwendige reduziert. In vielen Kliniken stehen Patienten bereits am Abend des Operationstages oder am ersten postoperativen Tag zum ersten Mal auf – mit Unterstützung des Physiotherapeuten und unter Vollbelastung des operierten Beins. Dieses Vorgehen hat sich als sicher und vorteilhaft erwiesen, da es das Risiko von Thrombosen, Lungenentzündungen und Muskelabbau reduziert.
Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel 5 bis 10 Tage. In dieser Zeit werden folgende Ziele angestrebt:
- Sicheres Gehen mit Unterarmgehstützen auf ebenem Boden
- Treppensteigen in der Technik (gesundes Bein hoch, operiertes Bein runter)
- Sicheres Aufstehen aus dem Bett und Hinsetzen
- Körperpflege mit Hilfsmitteln (Anziehhilfe, Badhocker, Greifzange)
- Erste Übungen zur Kräftigung der Hüftmuskulatur
- Aufklärung über Verhaltensregeln zum Schutz vor Luxation
Anschlussheilbehandlung (AHB): Die Reha-Klinik als nächster Schritt
Nach dem Krankenhausaufenthalt schließt sich in der Regel eine stationäre oder ambulante Anschlussheilbehandlung (AHB) an, die 3 bis 4 Wochen dauert. Diese wird von der Krankenkasse oder der Rentenversicherung finanziert und findet in einer spezialisierten orthopädischen Rehabilitationsklinik statt. Die Reha-Klinik konzentriert sich auf:
- Intensives physiotherapeutisches Training: Gangschule, Gleichgewicht, Muskelaufbau
- Hydrotherapie: Übungen im Wasser reduzieren die Belastung und erleichtern die Bewegung
- Ergotherapie: Alltagstraining, Hilfsmittelversorgung
- Schmerztherapie: Anpassung der Medikation, physikalische Therapie
- Patientenschulung: Eigenübungsprogramm für zu Hause, Verhaltensregeln
- Psychologische Unterstützung bei Bedarf
Verhaltensregeln nach der Hüft-TEP – worauf Sie achten müssen
Je nach operativem Zugang gelten für die ersten 6 bis 12 Wochen nach der Operation bestimmte Schutzhaltungen, die eine Luxation des künstlichen Gelenks verhindern sollen. Beim posterolateralen Zugang sind typischerweise folgende Bewegungen zu vermeiden:
- Hüftbeugung über 90 Grad (z. B. beim tiefen Sitzen oder Bücken)
- Überkreuzen der Beine
- Extreme Innenrotation des operierten Beins
- Tiefes Hinsetzen in weiche Sofas oder Badewannen
Beim anterioren Zugang sind die Einschränkungen in der Regel weniger streng, da weniger Muskel- und Kapselstrukturen verändert werden. Sprechen Sie dies unbedingt mit Ihrem Operateur ab.
Zeitplan der Rehabilitation: Was wann möglich ist
- Woche 1–2: Gehen mit zwei Gehstützen, eingeschränkte Alltagsaktivitäten, Wundkontrolle
- Woche 3–6: Übergang zu einer Gehstütze, zunehmende Selbstständigkeit, Physiotherapie 3–5x pro Woche
- Woche 6–12: Viele Patienten gehen ohne Gehstütze, moderates Radfahren auf dem Ergometer möglich
- Monat 3–6: Rückkehr zu leichten Sportarten (Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking), Autofahren nach ärztlicher Freigabe
- Ab Monat 6: Für viele Patienten ist das neue Gelenk vollständig in den Alltag integriert; gelenkschonende Sportarten wie Golfen, Wandern und Aquafitness sind in der Regel möglich
- Ab Monat 12: Bei unkompliziertem Verlauf besteht keine wesentliche Einschränkung mehr im Alltag
Wann zum Arzt? Wenn während der Rehabilitation plötzlich starke Schmerzen, Schwellung, Rötung oder Wärme am operierten Gelenk auftreten, wenn das Bein sich plötzlich anders anfühlt oder eine sichtbare Fehlstellung entsteht, ist sofort ärztliche Hilfe zu suchen – dies könnten Zeichen einer Infektion, Thrombose oder Prothesenausrenkung sein.
Langzeitergebnisse und Risiken der Hüft-TEP – was Studien zeigen
Die Hüft-TEP im Langzeitvergleich: Haltbarkeit und Überlebensraten
Die Hüft-Totalendoprothese gehört zu den am besten untersuchten Operationen der modernen Medizin. Nationale Prothesenregister in Schweden, Australien, Großbritannien und Deutschland dokumentieren systematisch die Langzeitergebnisse von Millionen implantierter Prothesen. Die Daten sind bemerkenswert konsistent: Etwa 90 bis 95 Prozent der Hüftprothesen funktionieren nach 10 Jahren noch zufriedenstellend, nach 15 Jahren sind es immer noch rund 85 bis 90 Prozent. Moderne Materialkombinationen und verbesserte Operationstechniken lassen erwarten, dass viele Prothesen 20 Jahre und länger halten.
Entscheidend für die Haltbarkeit sind mehrere Faktoren:
- Aktivitätslevel des Patienten: Höhere körperliche Aktivität erhöht den Abrieb, erhöht aber gleichzeitig die Knochendichte und die Muskelstärke – ein Balanceakt
- Körpergewicht: Übergewicht erhöht die mechanische Belastung des Implantats und verkürzt die Haltbarkeit
- Prothesendesign und Gleitpaarung: Keramik-auf-Keramik und Keramik-auf-Polyethylen-Kombinationen zeigen in Registerstudien die geringsten Revisionsraten
- Operationstechnik und Erfahrung des Chirurgen: In Zentren mit hohem Operationsvolumen (>100 Eingriffe pro Jahr) sind Revisionsraten nachweislich niedriger
- Osteoporose: Kann die Verankerung des Implantats langfristig beeinträchtigen
Mögliche Komplikationen – ehrlich und vollständig erklärt
Wie bei jedem operativen Eingriff gibt es auch bei der Hüft-TEP Risiken. Diese sind jedoch bei guter Vorbereitung und in erfahrenen Händen gering. Zu den bekannten Komplikationen zählen:
- Protheseninfektion (periprothetische Infektion): Tritt bei etwa 0,5 bis 2 Prozent der Patienten auf; erfordert oft eine Revisionsoperation und ist die gefürchtetste Komplikation
- Luxation (Ausrenkung): Häufigste Frühkomplikation (1–3 %); durch moderne Prothesendesigns und den anterioren Zugang deutlich reduziert
- Thrombose und Lungenembolie: Durch konsequente Prophylaxe auf unter 1 Prozent gesenkt
- Nervenschäden: Vorübergehende oder selten bleibende Schädigung des Ischiasnervs (Taubheitsgefühl, Schwäche)
- Beinlängendifferenz: Kleine Differenzen (unter 1 cm) sind häufig und meistens gut verträglich
- Periprothetische Fraktur: Knochenbruch rund um das Implantat, meist nach Sturz
- Aseptische Lockerung: Langzeitkomplikation durch mechanischen Abrieb; häufigster Revisionsgrund nach 10–15 Jahren
- Wundheilungsstörungen: Häufiger bei Diabetes, Rauchern und Immunsupprimierten
Lebensqualität nach der Hüft-TEP – was Studien und Patienten berichten
Zahlreiche Studien belegen, dass die Hüft-TEP die Lebensqualität der Patienten deutlich und nachhaltig verbessert. In standardisierten Befragungen mit dem WOMAC-Score oder dem Oxford Hip Score berichten 85 bis 95 Prozent der Patienten ein Jahr nach der Operation über deutlich weniger Schmerzen und eine verbesserte Funktion im Alltag. Die Rückkehr zur Arbeit gelingt körperlich weniger belastenden Berufen in der Regel nach 6 bis 12 Wochen, körperlich Tätige benötigen oft 3 bis 6 Monate.
Ein häufiges Szenario ist, dass Patienten im Rückblick sagen: „Ich hätte die Operation früher haben sollen." Dennoch: Der richtige Zeitpunkt ist individuell und sollte in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt gewählt werden. Zu frühzeitige Operationen – etwa bei jungen Patienten unter 55 Jahren – erhöhen das Risiko einer notwendigen Revisionsoperation im Laufe des Lebens.
Revisionsoperation: Was passiert, wenn die Prothese ausgetauscht werden muss?
Wenn eine Hüftprothese nach Jahren lockert, sich infiziert oder andere Probleme bereitet, ist eine Revisionsoperation notwendig. Diese ist technisch anspruchsvoller als die Erstimplantation und erfordert ein spezialisiertes Zentrum. Die Ergebnisse von Revisionsoperationen sind insgesamt gut, aber etwas schlechter als bei der Primärimplantation. Daher ist eine sorgfältige Nachsorge und regelmäßige Röntgenkontrolle (jährlich oder alle 2 Jahre) nach der TEP-Implantation so wichtig – auch wenn keine Beschwerden bestehen.
Weitere umfassende Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten bei Gelenkschmerzen finden Sie in unserem Hauptbereich.
Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Hüft-TEP auf einen Blick
Was Sie nach diesem Artikel wissen sollten
Die Hüft-Totalendoprothese ist eine der erfolgreichsten Operationen der modernen Medizin. Sie bietet Menschen mit fortgeschrittener Koxarthrose oder anderen schwerwiegenden Hüftgelenkerkrankungen die Chance auf ein deutlich schmerzärmeres und aktiveres Leben. Gleichzeitig ist sie kein Eingriff, der leichtfertig angegangen werden sollte. Eine gründliche Vorbereitung, die Wahl eines erfahrenen Operateurs und eine konsequente Rehabilitation sind entscheidend für ein gutes Langzeitergebnis.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst
- Indikation: Eine Hüft-TEP wird erst empfohlen, wenn konservative Maßnahmen (Physiotherapie, Medikamente, Injektionen) über mehrere Monate keine ausreichende Besserung gebracht haben
- Häufigkeit: In Deutschland werden jährlich rund 220.000 Hüft-TEPs implantiert – es handelt sich um einen Routineeingriff in erfahrenen Händen
- Operation: Dauer ca. 60–120 Minuten, meist unter Spinalanästhesie; verschiedene operative Zugänge möglich
- Prothesentypen: Zementiert, unzementiert oder Hybrid; Gleitpaarungen aus Keramik, Metall und Polyethylen
- Rehabilitation: Beginn noch im Krankenhaus, Anschlussheilbehandlung für 3–4 Wochen, volle Alltagsfähigkeit nach 3–6 Monaten
- Langzeitergebnisse: 90–95 % der Prothesen funktionieren nach 10 Jahren noch gut; 85–90 % nach 15 Jahren
- Lebensqualität: Die große Mehrheit der Patienten berichtet erhebliche Verbesserungen bei Schmerz und Funktion
- Risiken: Infektion, Luxation, Thrombose – insgesamt selten bei guter Vorbereitung und erfahrenem Team
- Nachsorge: Regelmäßige Röntgenkontrollen auch ohne Beschwerden sind wichtig
- Eigene Vorbereitung: Muskelaufbau, Gewichtsreduktion, Rauchstopp und Wohnungsanpassung verbessern das Ergebnis nachweislich
Wann sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt suchen?
Wenn Sie unter chronischen Hüftschmerzen leiden, die Ihren Alltag, Ihren Schlaf und Ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, und wenn bisherige konservative Behandlungen keine ausreichende Linderung gebracht haben, ist der richtige Zeitpunkt für ein offenes Gespräch mit einem spezialisierten Orthopäden oder Unfallchirurgen gekommen. Scheuen Sie sich nicht, eine Zweitmeinung einzuholen – das ist Ihr gutes Recht und ein in Deutschland etabliertes Verfahren.
Informieren Sie sich außerdem über ergänzende Themen wie Arthrose und allgemeine Gelenkschmerzen, um das Gesamtbild Ihrer Beschwerden besser einordnen zu können. Dieser Artikel hat Ihnen einen umfassenden Überblick gegeben – das persönliche Arztgespräch ersetzt er ausdrücklich nicht.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.
📚Wissenschaftliche Quellen
Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:
- 📋LeitlinieS3-Leitlinie: Hüftendoprothesenversorgung – Indikation und Vorgehensweise (AWMF 033-001)https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/033-001
- EPRD Deutsches Endoprothesenregister – Jahresbericht 2022https://www.eprd.de/de/berichte-publikationen/berichte/jahresbericht-2022/
- 📊StudieLearmonth ID et al.: The operation of the century: total hip replacement. Lancet 2007https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17920915/
- DGOOC – Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie: Patienteninformation Hüft-TEPhttps://www.dgooc.de/patienteninformationen/
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